Nachhaltigkeit umgesetzt: Roger von LeNa – Lebenswerte Nachbarschaft

Bei “lebenswerter Nachbarschaft” habe ich zuerst an eine Kommune oder vielleicht auch an eine Art Wohngemeinschaft gedacht. Tatsächlich steckt aber hinter LeNa eine Wohngenossenschaft, die seit 2015 ein innovatives und durchdachtes Wohnkonzept der Zukunft vorantreibt.

Ich war neugierig und habe mich mit dem Vorbild Roger, der von Anfang an bei LeNa dabei ist, getroffen.

Roger-Portmann-Workshop zur Nutzungen des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Das Lebensraum-Konzept LeNa integriert verschiedenste Aspekte des Zusammenlebens, Menschen und Räume miteinander. Durch das Wohnkonzept, welches auf dem Westfeld in Basel im Rahmen eines von der Baugenossenschaft wohnen&mehr realisierten Neubaus bis 2023 entstehen soll, wird Menschen, die am Zusammenleben mit Austausch interessiert sind, eine nachhaltige Nachbarschaft ermöglicht. Ok, den Begriff “nachhaltige Nachbarschaft” hab’ ich gerade erfunden.

Was ich damit meine ist: LeNa macht es möglich umfassend nachhaltig zu leben. Vom Wohnraum, über die soziale Inklusion und die Ernährung, hin zur Mobilität.

Warum braucht es LeNa?

Unsere alltäglichen Strukturen machen es einem teilweise sehr schwer in vielen Facetten unseres Lebens nachhaltig zu sein. LeNa bietet neue Strukturen, die es den Bewohner_innen ermöglichen, ohne ständigen Verzicht und Einschränkungen, ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Leben zu führen.

LeNa nimmt die Herausforderung eines ganzheitlich nachhaltigen Lebensstils an und will damit eine Lösung für unseren übermässig grossen ökologischen Fussabdruck finden, ohne diese Lösung rein auf Verzicht und Einschränkung zu reduzieren. LeNa soll nicht weniger von allem sein – LeNa soll neues Denken und neue Strukturen bringen.

Welche Strukturen denkt LeNa neu?

Strukturen, die LeNa neu denkt und umsetzen wird, beziehen sich zum Beispiel auf die Grösse unseres Wohnraums und wie intensiv wir diesen heizen müssen, auf unsere Lebensmittel, wie und wo diese produziert werden und auf unsere Fortbewegung.

Infrastrukturen werden zusammengelegt und gemeinsam genutzt. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale Vorteile. Denn nicht jeder benötigt ständig eine grosse Küche. Nicht jeder einzelne Haushalt braucht eine eigene Badewanne. Ein Raum muss nicht für immer eine einzige Nutzung zulassen, sondern kann mal Fitnessraum, mal Maler-Atelier oder Partyraum sein.

Eine Herausforderung hierbei ist das allgemeine Vorurteil, dass gemeinsam genutzte Räumlichkeiten wie Bäder oder Küchen, meist in einem schlechten Zustand hinterlassen werden, da sich keiner wirklich verantwortlich fühlt. Diese Herausforderung wird bei LeNa in die Planung miteinbezogen, doch es liegt schlussendlich auch an den Menschen, die sich für eine lebenswerte Nachbarschaft entscheiden, dieses Vorurteil zu widerlegen.

Bei LeNa wird nicht nur der ökologische Aspekt miteinbezogen, sondern der Mensch und seine Beziehungen stehen im Mittelpunkt.

Dorf-Demokratie neu entworfen

Die Bewohner sollen ihren Lebensraum selbst gestalten können. So wird bei LeNa die Nutzung der gemeinsamen Räumlichkeiten durch die Bewohner bestimmt und umgesetzt. Es gilt hierbei auch Regeln für das gemeinsame Zusammenleben selbst zu bestimmen.

Workshop zu lebenswerten Nachbarschaft
Workshop zur Nutzung des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Effizienz gepaart mit Begegnungsmöglichkeiten

Bei LeNa geht es um Begegnungen – dann, wenn man will. Eine grosse Kantine bietet die Möglichkeit das Kochen der 77 Wohneinheiten effizient zu gestalten, sodass nicht jeder der 77 Haushalte ein eigenes Menü kochen muss, nicht 77 einzelne Kaffeemaschinen in Betrieb sein müssen und nicht 77 Personen, Familien oder Paare alleine essen müssen. Ganz nach eigenem Gusto kann man in der grossen Kantine mit den anderen Bewohnern zusammen essen, sich in eine privatere Nische zurückziehen oder das Essen mit in seine Wohnung nehmen.

LeNa-Haus Visualisierung der Hoffassade | Copyright: wohnen&mehr

Begegnungen finden bei LeNa aber nicht nur innerhalb des Wohnkonzepts statt, sondern auch nach aussen. Ein regionales Lebensmittelkonzept bietet Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben, die das frische Gemüse und Obst für alle Bewohner anliefern. Das optimiert den gesamten Prozess der Lebensmittelherstellung vom Anbau bis zum Kompost. Die Bewohner sind aber nicht nur Abnehmer der landwirtschaftlichen Produkte, sondern helfen auch bei deren Fertigung mit. Kann die Mithilfe nicht garantiert werden, wird der landwirtschaftliche Betrieb finanziell unterstützt, sodass die Produktion, trotz weniger Mithilfe gesichert ist. Stadt und Land rücken wieder näher zusammen.

Eine andere Art des Zusammenspiels von Begegnung und Effizienz zeigt sich dann, wenn sich die Lebenssituation einer Bewohnerin ändert, sie aber nicht ihr Wohnumfeld, in welchem sie gut integriert ist, verlassen möchte. Die jährliche Wohnungsbörse bietet den Tausch von Wohnungen an, ohne dass man die lieb gewonnene Umgebung verlassen muss.

Eine einfache Rechnung – die aufgeht

Um die Idee und Vorteile von LeNa zu verdeutlichen, hier ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn jeder in seiner Wohnung 2 Quadratmeter mehr Platz benötigt, um sich zu bewegen, zum Beispiel um Sport zu machen, sind das bei 77 Haushalten schon 154 Quadratmeter, die vielleicht zweimal in der Woche benutzt werden. Wenn man diese Fläche zusammenlegt, spart man Fläche ein und kann einen 50 Quadratmeter grossen Raum zur Verfügung stellen, der von allen für Bewegung genutzt werden kann. Alleine oder gemeinsam.

Der aktuelle Stand bei LeNa

Das Vorprojekt, welches intensiv von den Mitgliedern der LeNa Genossenschaft bearbeitet wurde, wird aktuell durch die Architekten und das Planungsteam von wohnen&mehr überarbeitet, damit die Lösungen abgerundet werden und ins Budget passen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 geplant und Ende 2022 soll der Bezug der Wohnungen starten.

LeNa-Haus Visualisierung der Forumfassade | Copyright: wohnen&mehr

LeNas Geschichte

LeNa besteht als Idee seit 2012 und als Genossenschaft seit 2015. Die Mitglieder waren seitdem auf der Suche nach einem Platz für ihre Idee. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt die Umnutzung des Felix Platter-Areals in Basel bekannt gegeben und LeNa war so von Anfang an interessiert und involviert. Der Beginn einer wunderbaren Kooperation.

Neugierig geworden? Dann mach mit!

Auf der LeNa-Website findest du aktuelle Neuigkeiten zum Projekt und die Möglichkeit selbst ein Teil des Projekts und der Genossenschaft zu werden.

Beim LeN-Apéro, der an jedem 18. eines Monats stattfindet, erhältst du neuste Infos zum Projekt und kannst die Mitglieder kennen lernen.

Die Arbeit der LeNa-Mietglieder beruht auf dem Miliz-Prinzip. Roger arbeitet neben seinem Engagement bei LeNa in Teilzeit im Gastronomie-Bereich und schafft es Dank eines unterstützenden Umfelds sein Engagement seit Jahren aufrecht zu erhalten. Wenn auch du dich für das Projekt LeNa oder für ein anderes Projekt, welches dir am Herzen liegt, engagieren willst, gibt es immer Mittel und Wege, wie du dafür Zeit und Energie finden kannst. Wichtig ist meiner Meinung nach es nicht zu zer-denken, sondern einfach mal anfangen zu machen.

Eure Kimi

 

Weitere Informationen:
LeNa über LeNa
Neustart Schweiz
Basel Westfeld – Felix Platter Areal 

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