Nachhaltiger Tourismus – KimiB.Good #5

Foto von Kelvin Zyteng vom Oeschinensee in der Schweiz

Fernweh vs. Heimatliebe

Der Sommer nähert sich nun langsam dem Ende und damit auch die Urlaubs-Hochsaison. Viele Leute, mit denen ich diesen Sommer gesprochen habe, waren auf der ganzen Welt unterwegs. Ich nicht.

Habe ich etwas verpasst? Werde ich langsam alt, weil ich gerne Heimaturlaub mache? Nein. Also ja. Jeder wird alt. Und sicherlich habe ich gewisse Dinge verpasst. Im Umkehrschluss haben alle, die weiter weg geflogen oder gefahren sind auch etwas verpasst. Und auch die werden alt.

Letztes Jahr habe ich zwei Kurzurlaube in Irland und in Marokko gemacht. Ich hatte eine sehr gute Zeit und es war spannend mal etwas anderes zu sehen. Allerdings war ich auch jedes Mal froh wieder zu Hause zu sein.

Da die Schweiz meine Wahlheimat ist, weiss ich genau warum ich hier lebe. Der Hauptgrund sind die natürlichen Gegebenheiten. Viel Wald, viele Berge und Seen. Für dieses Jahr habe ich mich daher dazu entschlossen, meinen Urlaub in der Schweiz, evtl. noch in den umliegenden Ländern, zu verbringen. Das hat diverse persönliche Vorteile für mich. Es ist aber auch nachhaltiger, als in ein Flugzeug zu steigen, um Entspannung an einem anderen, weit entfernten Ort zu suchen, oder nicht?

Haus am Arnisee vor einem Berg

Ferien und Transport

Die Wahl des Verkehrsmittels ist nicht ganz einfach. Es kommt auf viele verschiedene Faktoren an wie z.B. ob wir allein oder zu viert im Auto sitzen. Versucht man aber alle möglichen Faktoren von Anfang, z.B. Stromerzeugung für den Zug, bis zum Ende, z.B. Auswirkungen der Kondensstreifen beim Flugverkehr, zu berücksichtigen, schneiden Eisenbahn und Reisebus (durch seine hohe Auslastung bzw. Anzahl Mitfahrer) am besten ab.

Rückseite eines VW Busses, in dem jemand auf einer Matratze liegt

Schweizer/-innen sind ganz weit vorn wenn es ums Fliegen geht. Ich treffe kaum einen Schweizer oder eine Schweizerin, die nicht einmal im Jahr einen längeren Flug auf sich nimmt, um die Ferien möglichst weit entfernt der Heimat zu verbringen. Dabei ist die Schweiz so ein traumhaftes Urlaubsland. Hier macht Heimaturlaub wirklich Freude und ist abwechslungsreich: Fährt man ins Tessin ist man gefühlt in Italien. An der französischen Grenze sprüht alles vor französischem Charme und die Deutschschweiz überzeugt mit unzählbaren Aktivitäten, ob im Flachland oder in den Alpen. So, nun aber genug der Werbung für die Schweiz als Urlaubsland. Wer dennoch fliegt: Je länger der Aufenthalt, desto besser und gegen die verursachten Flug-Sünden gibt es Ablass: Der CO2 Ausstoss des Flugs kann berechnet und dann durch Unterstützung durch in- oder ausländische Projekte kompensiert werden.

Froschperspektive eines fliegenden Flugzeugs im Wolkenhimmel zwischen Hochhäusern

Nachhaltiger Tourismus – mehr als Umweltschutz

Abgesehen vom eher technisch anmutenden CO2 Ausstoss – wie kann ich sicherstellen, dass ich aus meiner Reise keine kleine Umweltkatastrophe mache? Kann ich in meinem Urlaub vielleicht sogar ganz einfach soziale Projekte vor Ort unterstützen? Wo bekomme ich die Informationen darüber her? Ein paar von diesen Fragen habe ich versucht zu beantworten, denn wahrscheinlich zieht es mich irgendwann auch wieder mal ins Ausland.

Während meiner Recherchen bin ich auf den Begriff “Nachhaltiger Tourismus” gestossen. Was ist das aber genau und wie macht man das?

Nachhaltiger Tourismus bedeutet nicht, in den Wald hinter’m Haus zu gehen, dort Bäume zu umarmen und sich dadurch entspannter zu fühlen. Nein.

Touristen auf einer Brücke in einer Schlucht

Wie bei nachhaltiger Entwicklung generell, beschränkt sich nachhaltiger Tourismus nicht nur auf den ökologischen Effekt, also den Effekt des Tourismus auf die Umwelt, sondern bezieht auch wirtschaftliche und soziale Aspekte mit ein. Dieses sogenannte drei Säulen Modell erläutert Robert vom Schweizer Tourismus Verband im Podcast noch etwas genauer.

Einen wichtigen ökologischen Aspekt, den auch Rahel von Trash Heroes Schweiz und Andrea von Surf Soul Adventure in Marokko unabhängig voneinander ansprechen, ist Abfall. Beide bieten Touristen und Einheimischen an, mit ihnen den Abfall, der teilweise vor Ort produziert wird, zum Grossteil aber angeschwemmt wird, aufzusammeln. Mehr dazu erfahrt ihr auch im Podcast.

In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit gibt es eigentlich etwas ganz Einfaches zu berücksichtigen, wie mir Robert erklärt: Lokal kaufen. Seien es Produkte oder Dienstleistungen. Je lokaler das Angebot, desto eher unterstützt man direkt die Region und ihre Bewohner.

Eine Landkarte, die von einer Frau auf einem Holzsteg festgehalten wird

Beim sozialen Engagement wird es etwas komplizierter. Soziale Nachhaltigkeit ist für mich persönlich am schwierigsten zu fassen, denn wenn ich die Umwelt vor Ort nicht mit meinem Abfall belaste oder sie sogar von Abfall befreie und die lokale Wirtschaft unterstütze, indem ich einen Tauchlehrer aus der Region engagiere, sind das für mich Aktionen, die auch zur sozialen Nachhaltigkeit zählen.

Sozial engagiert – wirklich?

Soziales Engagement kann auch anders verstanden werden.

Ehrenamtliches Engagement als Volunteer ist als Voluntourismus bekannt und nimmt in seiner heutigen Ausprägung, im Gegensatz zum klassischen ehrenamtlichen Engagement, nicht gerade hilfreiche Züge an. Warum? Die Freiwilligeneinsätze sind per se lobenswert, jedoch geht der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten und Voluntourismus wird nun überwiegend von Profit-Organisationen organisiert. Der Unterschied? «Etwas Gutes tun» ist im hier eine Ware, die durch die Touristen gekauft wird. Die Wertvorstellungen hinter Voluntourismus und ehrenamtlichem Engagement sind grundverschieden.

Wer das soziale Engagement und die Empfänger der Hilfe in den Vordergrund stellt, macht sicherlich keinen Fehler, sich in den Ferien sozial oder für Naturschutz zu engagieren. Wenn es einem aber wirklich ein anliegen ist, wird man sich nicht mit einem Kurzprojekt zufriedengeben, geschweige denn um die halbe Welt fliegen, um sich dann in Costa Rica für den Naturschutz einzusetzen…

Köpfchen einschalten – soziale Nachhaltigkeit und soziales Engagement haben viel mit gesundem Menschenverstand zu tun. Als Tourist kann man damit anfangen, sich nicht unbedingt wie daheim zu benehmen, sondern wie ein Gast und einen guten Eindruck von sich als Tourist und dem jeweiligen Herkunftsland zu hinterlassen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall für die nächsten Ferien viele schöne Eindrücke, egal wo!

Eure Kimi

Weitere Infos zum Thema

Trash Hero World neu auch in Freiburg, Deutschland
Alternativen zum Massentourismus in Österreich
Label-Übersicht
Fremdenverkehrsbilanz der Schweiz
Jugendherbergen in der Schweiz
Nachhaltig reisen – Artikel von nachhaltigleben.ch
Portal fairunterwegs.org mit u.a. spezifischen Infos zu verschiedenen Ländern
Die Schweiz bekommt nicht genug vom Fliegen – TagesAnzeiger
Nachhaltiger Tourismus für die Schweizer Alpenregion – ETHeritage
15 Tipps für nachhaltigen Urlaub – Utopia.de
5 Tipps für sanften Tourismus – Bellevue NZZ

Nachhaltigkeit umgesetzt: Felix & das Wunder von Mals

Bauer auf meinem Traktor im Sonnenschein

Eine vorbildliche Sache

Ein Ziel von KimiB.Good ist der Austausch mit “Umsetzern”, wie ich sie nenne. Das heisst Austausch mit Menschen, die sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung engagieren oder ihren Lebensstil darauf ausrichten. Egal wie.

Ich will von diesen Leuten lernen, erfahren, wie genau man sich engagieren kann, was es bringt und wie man es in seinen Alltag einbauen kann. Diesen Austausch möchte ich mit euch allen teilen, denn je mehr Menschen den eigenen Lebensstil nachhaltiger gestalten, desto besser für uns alle und unsere Umwelt.

Durch meine Recherchen und Kontakte bin ich mit dem Amt für Umwelt und Energie in Basel (AUE) ins Gespräch gekommen. Das AUE hat ebenfalls das Ziel Menschen vorzustellen, die sich engagieren, etwas bewegen und sich für die Welt von morgen einsetzen.

Wir ziehen also am selben Strang.

Daher möchte ich in der Serie “Nachhaltigkeit umgesetzt” mit den Vorbildern für die Welt von morgen, die das AUE auf ihrer Website vorstellt, über ihr Engagement sprechen und herausfinden, was es heisst Nachhaltigkeit auf vielen verschiedenen Wegen umzusetzen.

Logo Vorbilder für die Welt von morgen

Von den Vorbildern will ich vor allem wissen, wie sie es schaffen sich im Alltag zu engagieren, motiviert zu bleiben und was Fallstricke und Erfolgsfaktoren ihres Einsatzes für die Nachhaltigkeit sind. Natürlich sollen die Antworten uns allen Nutzen stiften: Informieren, Neugier stillen, Tipps verbreiten und motivieren.

In den ersten drei Beiträgen dieser Serie werden ich auch kurz auf den Film eingehen, den ich zusammen mit den jeweiligen Umsetzern (oder Vorbildern, wie das AUE sie nennt) im Zuge der Filmreihe “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” gesehen habe.

Das Wunder von Mals

Der Film, den ich zusammen mit Felix von der Lebensmittelkampagne gesehen habe, dreht sich um ein, wie die Malser im Film selbst sagen, kleines gallisches Dorf in Mitten von Pestizid-bestäubten Apfelplantagen.

Die Problematik in Mals ist folgende:

Innerhalb der letzten 50 Jahre haben sich Wiesen in Felder mit Monokulturen verwandelt, der konventionelle Anbau hat Einzug gehalten und mit ihm der recht freizügige Gebrauch von Pestiziden, die nicht unbedingt alle verwendet werden dürften. Die umliegenden Bio-Anbau-Felder bekommen davon durch Wind und Witterung natürlich auch gratis etwas ab. Mit der Folge, dass die Bio-Produkte der Bio-Bauern plötzlich nicht mehr Bio sind.

Das Problem weitete sich in Mals allerdings weiter aus: Da nicht nur die Bio-Pflanzen, sondern auch die Menschen, die dort leben, gefährdet waren bzw. sind, wollte man das Dorf von Pestiziden befreien. Man wollte und will immer noch zeigen, dass es auch mit Bio geht. Dass die Versorgung und die Wirtschaftlichkeit nicht darunter leiden.

“Einfach uns mal vorausgehen lassen.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker in Mals

Dieser vorbildliche Gedanke passt allerdings nicht jedem in den Kram. So eskalierte der Konflikt zwischen Vertretern des Bio-Anbaus bzw. des Pestizid-freien Anbaus und den Verfechtern der konventionellen Landwirtschaft nicht nur juristisch, sondern auch auf sehr unschöne, persönliche Art. Menschen wurden bedroht, Eigentum zerstört. Und das nicht von der Pro-Bio Seite…

“Wir lassen nicht locker. Auf keinen Fall.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker und sogenannter Kopf des Widerstands

Der Film zeigt sehr schön, dass selbst die Bewohner eines zurückhaltenden, bescheidenen Dörfchens wie Mals, die einfach in Ruhe die Schönheit ihres Tals geniessen wollen, bereit sind für eine Sache einzustehen, wenn sie davon überzeugt sind. Mals konnte 2016 durch Abstandsregeln die Anwendung von Pestiziden in Mals verhindern. Allerdings ist dieses Verbot von Pestiziden seit April 2018 wieder ausser Kraft.

Filmvorführung im Park

Das Wunder von Mals ist also eigentlich eher die Ausdauerleistung von Mals. Oder wie es im Film genannt wird: “Der Malser Weg”.

Setzt auf Bio: Felix und seine Lebensmittelkampagne

Dranbleiben ist die Devise und der einzige Weg zu langfristigem Erfolg – nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeit. Mals will ein Vorbild sein und mit dem Bio-Anbau in eine nachhaltige Zukunft starten. Sie wollen etwas anders machen und anderen zeigen, dass es geht.

So auch die Vorbilder des AUE: Felix kennt die Problematik von konventioneller Landwirtschaft im Vergleich zum Bio-Anbau. Vor allem aus Griechenland. Dort bezieht er überregionale Lebensmittel wie z.B. Öl und bring sie in die Schweiz. Ohne Pestizide versteht sich.

Abbildung von biologisch angebautem Olivenöl aus Griechenland

Was genau das bringt?

Durch Felix erhalten die Bio-Bauern aus Griechenland vom Abnehmer, also Felix, mehr für ihr Bio-Öl und wir können das wertvolle Produkt dann zu einem normalen Bio-Preis hier bei uns kaufen.

“Meine Vision ist eine regionale und saisonale Ernährung an jedem Ort dieser Welt zu ermöglichen und Lebensmittel anderer Orte direkt von ausländischen Höfen zu beziehen” Felix Schröder

Auf Lebensmittel und im speziellen auf die Problematik, dass man keinen Bezug zum jeweiligen Bauer hat, von dem die überregionalen Lebensmittel stammen, ist Felix durch eine Lebensmittelgemeinschaft und Diskussionen mit dieser Gemeinschaft gekommen.

Wie aber schafft es Felix sein Engagement für biologisch angebaute, überregionale Lebensmittel in seinen Alltag zu integrieren und was macht er sonst noch so nebenbei? Erfahren habe ich von Felix, dass er sich seit 4 Jahren voll seinem Engagement widmet, mit dem Ziel, davon auch Leben zu können. Zurzeit ist das noch nicht der Fall und wenn das Einkommen nicht da ist, muss natürlich der Lebensstandard angepasst werden.

Felix hat das sehr schön als “von einer 5-sterne Villa in eine 3-sterne Villa umziehen und das Frühstück nicht mehr ans Bett bekommen, sondern sich am all-inclusive Buffet satt essen” bezeichnet. Will wohl meinen, dass es ihm immer noch gut geht und man auch nicht unbedingt jeden Luxus-Schnick-Schnack braucht.

Spass bei Seite: Felix wird in den nächsten Monaten noch einen ausgedehnten Logistik-Versuch starten und Mitte nächsten Jahres entscheiden, ob die Lebensmittelkampagne für ihn auch beruflich eine Zukunft darstellt oder (wieder) zu einem Hobby wird. Das heisst auch, dass sich Felix neben diesem Hobby anderen Dingen zuwenden kann. Was diese anderen Dinge sind, konnte mir Felix noch nicht sagen. Eines ist allerdings sicher: Es hat mit der Welt für morgen zu tun. Eine Rückkehr zu seinem erlernten Beruf, Flugzeugtechniker, kommt für ihn nicht in Frage.

“Ich hatte den Luxus mich ein paar Jahre voll auf mein Projekt konzentrieren zu können.”
Felix Schröder

Für Alle die sich auch in Projekten engagieren wollen empfiehlt Felix zunächst auszuloten, wie gross die persönlichen Kapazitäten dafür sind. Sprich, wie viel ist einem das Engagement oder das Projekt wert, wie viel Zeit kann man investieren und ist man eventuell auch bereit zurückzustecken und eben von der 5-Sterne Villa in eine 3-Sterne Villa zu ziehen. Klar ist: Es gibt für jede Kapazität auch eine Möglichkeit etwas für die Welt von morgen zu tun. Selbst wenn es kleine Schritte sind wie Müll zu trennen oder einen Kompost anzulegen.

Ich für meinen Teil kann euch auf jeden Fall empfehlen auch bei der Filmreihe des AUE vorbeizuschauen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich:

11.09.2018 Bike vs Cars
18.09.2018 Transformance
21.09.2018 Vorbilder für die Welt von morgen
17.10.2018 Zeit für Utopien
24.10.2018 The Climate Changers

Ich werde mir die Filme “Zeit für Utopien” und “The Climate Changers” anschauen und wünsche allen, die auch vorbei schauen viel Spass und würde mich über ein nettes Schwätzchen mit euch freuen – was so viel heisst wie: Ich bin dankbar für jede Meinung zu meinem Blog und dieser Serie 😉

Eure Kimi

The big picture: Climate change – KimiB.Good #4

schmelzende Eisberge im Wasser

Here’s the podcast!

My last podcast episode and article are related to food topics and how food production and consumption are linked to sustainability. I have noticed that our food system has major impacts on our climate. And so has our waste system as well as our whole economic system.

It seems essential for me to step back and take a look at the bigger picture.

For me, climate change is the big picture when talking about sustainability. In the course of the 2030 Agenda for Sustainable Development, the UN set 17 global goals in 2015 – the Sustainable Development Goals. These goals are a UN initiative and aim to transform our world towards a more sustainable development. They are all interlinked and almost all goals link somehow to climate change.

As you might guess, climate change is a huge topic and it is necessary to define what is meant by talking about that term.

What are we talking about

Climate change, global warming, weather, climate – they seem to tell us the same story but they refer to events with broadly different spatial- and timescales.

“Weather refers to atmospheric conditions that occur locally over short periods of time—from minutes to hours or days. Familiar examples include rain, snow, clouds, winds, floods or thunderstorms. Remember, weather is local and short-term. Climate, on the other hand, refers to the long-term regional or even global average of temperature, humidity and rainfall patterns over seasons, years or decades.” (Source: NASA, 2018)

Global warming includes upward temperature trend across the earth since the industrial revolution in the early 20th century, due to the increase in fossil fuel emissions. Worldwide the average surface temperature has gone up by about 0.8 °C since 1880, relative to the mid-20th-century baseline (of 1951-1980).

Climate change covers a broad range of global phenomena, which add heat-trapping gases to our atmosphere. These phenomena include the increased temperature trends described by global warming, but also encompass changes such as sea level rise, ice mass loss in Greenland, Antarctica, the Arctic and mountain glaciers worldwide, shifts in plant blooming and extreme weather events.

Climate change. Facts.

There are actually a lot of facts on climate change. I will present a summary of 10 facts which might illustrate the urgency to act for all of us.
To all sceptics: Right below the facts, I will shortly explain how science and the scientific methods work. Sure you can still deny the existence of human caused climate change but you might feel a little lonely and stubborn at some point. Nevertheless, the decision is up to you. Personally, I do not doubt the existence of climate change and that humankind plays an essential role.

a grafitti saying I do not believe in global warming half swamped

97 percent: The percentage of scientists who agree that warming trends over the past century are very likely caused by human activity.
But it is always a good idea to take a look at the opposite view: form your own opinion on scientific consensus.

1950: Year when atmospheric CO2 levels broke records from the previous 400,000 years, sharply rising and continuing to grow.

8 inches: Rise in global sea levels over the last century. The rate of rise has nearly doubled in the last two decades.

Meer mit Eisschollen

16: Number of record-breaking hottest years since 2000. 2016 was the hottest year yet.

1.5 degrees: The average worldwide temperature increase in Fahrenheit compared to a century ago.

400 parts per million: Average concentration since 2016 of CO2 in the atmosphere, compared to 275 PPM for past 400,000 years.

9: The 9 most explosive fires in America’s history have all occurred since 2000, with 2015 having the biggest fire (10.1 million acres burned) in American history.

Forest fire

19th century: When the heat-trapping nature of CO2 was first demonstrated.

30 percent: The increase in acidity of the world’s oceans.

$180 billion: Estimated economic losses to the United States by end of the century if no action is taken on climate change

beach with a lot of trash

How to get to these facts

How do scientists know about climate change and the facts mentioned above? The way scientists work, in a nutshell, is called “the scientific method“.

This method is the gold standard for exploring everything around us and apparently humankind. It’s the process that scientists use to understand everything from animal behavior to the forces that shape our planet—including climate change.

The process includes the following steps:

  1. Form a hypothesis (a statement that an experiment can test)
  2. Make observations (conduct experiments and gather data)
  3. Analyze and interpret the data
  4. Draw conclusions
  5. Publish results that can be validated with further experiments (rinse and repeat)

These steps may vary from discipline to discipline but overall these are the steps to gather scientific knowledge. And not only by going through them one time. The more observations are done, the more data is gathered the better is the scientific understanding and the more valid are the drawn conclusions.

Referring to climate change, I did not count the numbers of studies which deal with global warming and climate change issues but there are consensus studies which prove that the scientific consensus on whether climate change is happening and humankind is a major contributor is between 90 and 100%.

Using the scientific method, scientists have shown that humans are extremely likely the dominant cause of today’s climate change. It all starts in the late 1800s. In 1958 Charles Keeling of the Mauna Loa Observatory in Waimea, Hawaii, started taking meticulous measurements of carbon dioxide (CO2) in the atmosphere, showing the first significant evidence of rapidly rising CO2levels and producing the Keeling Curve  climate scientists know today.

Keeling Kurve die den Anstieg von CO2 in der Atmosphäre anzeigt

Whether or not you belief in the scientific method and their conclusions, something is happening with our planet and it tends to be more extreme than everything humankind has experienced so far.

… and in Switzerland

The climate in Switzerland varies a lot due to altitude and season but there are certain changes which can only be explained in terms of the increase in greenhouse gases. According to MeteoSwiss, there are three critical changes for Switzerland so far:

  1. Average annual temperature increased around 2°C since 1864 (as by 2018)
  2. There has been significantly less snow since the 1980s
  3. Changes in precipitation are becoming apparent
a graph which shows the climatic changes of Switzerland
Figure 1: The temperature series from Basel since 1755 demonstrates that the Swiss climate is subject to strong fluctuations. In the first 200 years of the measurement series, the fluctuations were primarily due to natural causes. In the last few decades, temperatures have broken through the bandwidth of long-term, natural fluctuations in an upward direction (climate change). The graph shows deviations in °C from the 1864-1900 mean.

Myths about climate change in a nutshell

There might be even more myths than facts about climate change. I’ll try to collect some of the more important myths and provide short and precise enlightenment.

  1. “CO2 is not a pollutant. It’s a GREEN gas which plants, crops and trees need to grow.”
    Yes, plants need CO2 for photosynthesis as humans need oxygen for respiration. In fact, the world’s forests store and cycle huge amounts of carbon. However, there’s a limit to the amount that they can absorb, and with deforestation increasing this limit is getting lower. It’s not the nature of CO2 that causes problems; it’s the quantity: there hasn’t been this level of CO2 in the atmosphere for 800,000 years.
  2. “Climate change has been here AT LEAST 5 million years.”
    In its basic sense this statement is true. Climate change is currently happening to an extent that cannot be explained by natural factors alone. Global temperatures have been rising for over a century, accelerating in the past 30 years, and are now the highest since records began. The global scientific community widely agrees that the warming we are experiencing is man-made.
  3. “A few degrees is nothing.”
    During the last ice age, which ended 12,000 years ago, the world’s average temperature was only 4-5°C cooler than it is today. Yet those few degrees have made a drastic difference: parts of Britain were under a mile of ice, and sea levels were about 100 metres lower than they currently are. Just a few degrees can have very dramatic effects, and what’s happening now is at a far greater rate than we’ve ever seen. To avoid the worst impacts, all nations agreed to the 2 degree (or even 1.5 degree) treshold in the Paris Agreement.
  4. “Wind farms and solar are expensive and inefficient. Nuclear, coal and oil are the only realistic way to provide for our energy needs.”
    Solar power has been the cheapest form of energy generation (per unit of energy generated) for a long time and onshore wind costs about the same as gas. Some great news over the past decade is that the costs of renewables have fallen faster than predicted. By the way, nuclear power is the most expensive one. However, the most important measure is energy efficiency. Technology like double glazing and loft insulation may not sound glamorous, but it reduces our bills and helps save the planet at the same time.
  5. “Everything is affected by climate change, but things adapt!”
    Nearly true. We all know about the adaptation part since we heared about Darwin’s natural selection rule. But there is a tiny difference to the statement in the headline which changes a lot of its meaning: Everything is affected by climate change, and some things adapt. To survive, life on earth has two options: Move or adapt. If you cannot adapt and there is no suitable habitat for you left, you die. And in the end, this rule applies if you are a plant, an animal or a human being.
  6. “Global warming was made up as a way to make money.”
    Oh come on! There are so many easy ways to make money. Tobacco, alcohol, weapons and allegedly necessary consumer goods for example. Do you really think “they” would do such an effort? No way.
  7. “The only way this planet will survive is us humans getting wiped out.”
    I cannot deny that I may have had this thought too at some point. But isn’t is a bit cowardly to ruin something and give up afterwards? Now comes the hardest part. Doing it right. So roll up your sleeves and get it done, chicken.

The good news

Even if we reduce our carbon footprint and reach the goals of the Paris Agreement, our past has its effects we cannot stop. However, Carbon Dioxide Removal (CDR) technologies are on the rise and, as we have seen in history before, technology is able to develop in major leaps if the conditions are right. Sure the conditions are not yet in favour of everything which tackles climate change but we are making progress. Politically, economically and most important in our thinking and awareness.

For more concrete CDRs, please read Jacob Devaney’s article “Good News About Climate Change!”.

As you may have experienced while trying to achieve a goal together with other people, the first thing to be set is cooperation. By working together, we can pave a path forward to a future in which businesses rely on renewable energy, cities rethink waste disposal and transportation, and communities and individuals take simple actions to save the planet.

Cheers,
Kimi

Further links

https://www.ted.com/playlists/78/climate_change_oh_it_s_real

https://www.wwf.org.uk/effectsofclimatechange

https://www.weforum.org/agenda/2017/01/tech-innovations-save-us-from-climate-change/

Climate Change – KimiB.Good #4

Floes swimming in the sea

 

Here’s the atricle!

In this 4th episode of KimiB.Good, I would like to talk about the big picture. In terms of sustainability, climate change seems to me like the big picture because nearly every sustainable development goal is linked to climate change. These goals were set by the United Nations to transform our world towards a more sustainable development.

This time I joined and interviewed innovate project leaders at the Climate Lounge Pad Boot Camp and asked them about their project scope, their motivation and their learnings. I also moderated a round table at the 3rd Basel Sustainability Forum and asked experts and students to answer some of my questions concerning climate change.

Climate Launchpad

The Climate Launchpad is the world’s largest green business ideas competition. The mission is to unlock the world’s cleantech potential that addresses climate change. The competition creates a stage for those ideas and it is split into the submission, the Boot Camp and the finals where the participants pitch their projects to a interdisziplinary jury.

My interview partners at the Climate Launchpad Boot Camp are:

Elena Eigenheer – Youtrition
Briac and Jonathan –  hiLyte-Power
Bhupinder and Bejal – Green Data by Swiss Vault Systems
Nathalie Fickenscher-Carbonelle – fermentaya 

3rd Basel Sustainability Forum

The Basel Sustainability Forum is an annual conference, covering different sustainability topics year by year. In 2018 the conference in Basel presents the current status of research and policy on climate change in Switzerland and beyond, and it addressed some controversial topics, such as the pricing and consumption of fossil fuels affecting pathways towards decarbonization, the right of developing economies to follow their own development path, the competition between economic interests and their social or environmental consequences, and a certain competition between a global climate change agenda and the 2030 Agenda for Sustainable Development.

Hope you’ll enjoy the interviews and thanks in advance for your comments.

Cheers,
Kimi

Man ist was man isst – KimiB.Good #3

Grosser Burger in dem ein Messer steckt

Hier geht’s zum Podcast!

Essen ist etwas Wundervolles. Zumindest für mich. Ich esse sehr gerne gut und bin davon überzeugt, dass eine gesunde Ernährung essentiell für ein aktives und glückliches Leben ist. Warum? Weil Essen die älteste und damit bewährteste Medizin ist. In Kombination mit Bewegung werden Körper und Geist fit gehalten und das Leben begibt sich in eine positive Aufwärtsspirale. Natürlich nicht nach einer Woche, einem Monat oder einem Jahr. Da heisst es dran bleiben!

Ich möchte euch aber keinen Vortrag über mehr Sport und 5 Portionen Gemüse oder Früchte am Tag halten. Ehrlich gesagt, ich bin kein grosser Früchte-Fan. Ich möchte über Nahrung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sprechen. Natürlich ist es auch nachhaltig, gesund zu essen und sich damit gesund und fit zu halten.

Gemüse und Eier auf einem Holz-Schneidebrett mit Messer und Pfanne
Foto von Kathie Smith via unsplash.com

Nahrung und Nachhaltigkeit ist ein unglaublich grosses Thema. Mir fallen da direkt Themen wie Veganismus, Urban Agriculture, Fleisch-Konsum, grosse Handelsfirmen, Fair Trade, Lebensmittelverschwendung, aber auch Greenwashing, der Bauern-Laden hier um die Ecke oder die Kräuter auf meinem Balkon ein. Ihr seht, dieser Beitrag könnte enorm lang werden. Dazu fehlt mir allerdings leider die Zeit.

Ich möchte vielmehr auf zwei Mythen eingehen, die mir sehr oft begegnen und einen grossen Einfluss haben. Sollten euch andere Fragen zum Thema Ernährung und Nachhaltigkeit auf dem Herzen liegen, hoffe ich, euch mit den ganz unten aufgeführten Links weiterhelfen zu können.

Mythen & Fakten

Ein Mythos, der sich sehr hartnäckig hält und der mir immer wieder zu Ohren kommt, ist:

Vegetarier und Veganer bekommen durch den Verzicht auf Fleisch zu wenig Proteine.

Proteine sind wichtig, ja. Vor allem, wenn man viel Sport treibt und zum Ziel hat, Muskelmasse aufzubauen, was durchaus erstrebenswert ist, da Muskelmasse auch im Ruhezustand Kalorien verbrennt. Eine der grössten Studien zu diesem Thema hat allerdings gezeigt, dass es nicht Proteine sind, die Veganern oder Vegetariern fehlen, nein. Sie bekommen täglich, wie Fleisch-Esser auch, mehr als nötig. Ein anderer Nahrungsbestandteil ist das Problem: Ballaststoffe.

Eine reichhaltige Gemüse-Auslage
Foto von Ja Ma via unsplash.com

Ballaststoffe finden sich ausschliesslich in pflanzlicher Nahrung: Fleisch, Eier, Milch, Fast Food… All das enthält keine Ballaststoffe. Vom gesundheitlichen Aspekt her gesehen, geht es also nicht darum, ob man Fleisch, Fisch, etc. isst oder nicht, sondern wie viel und was man sonst noch alles isst.

Bleiben wir kurz beim Fleischkonsum. Ein äusserst populäres und oft heftig diskutiertes Thema. Ich persönlich esse Fleisch und Fisch. Von Blutwurst bis  zu Meeresfrüchten. Alles Geschmackssache. Nichtsdestotrotz kann ich meine Augen nicht vor den Fakten verschliessen:

Metzger, der ein Stück Fleisch festhält, das auf einer Ablage liegt
Foto von Armando Ascorve via unsplash.com
  • vor 100 Jahren haben wir nur halb so viel Fleisch verzehrt
  • Um die Massen an Fleisch zu produzieren, halten wir die Tiere oft in Tier-unwürdigen Massentierhaltungen und pumpen sie mit Medikamenten voll, damit sie dieses Leben bis zum Schlachttag durchhalten – nicht wirklich lecker
  • 1 kg Steak benötigt durchschnittlich 15000 Liter Wasser für Futterpflanzen, das Tränken der Tiere und zum putzen der Ställe
  • Zum Vergleich: 1 kg Brot benötigt 1300 Liter Wasser – im Hinblick auf die Ressource Wasser, die für viele Menschen immer knapper wird, eine ziemliche Verschwendung
  • Abwasser und Dünger der Futterfelder verunreinigen unser Grundwasser mit z.B. Nitraten und senken den Sauerstoffgehalt, sodass z.B. Flussmündungen zu Todeszonen für Tiere werden – und unsere Trinkwasserquelle Nr.1 ist unser Grundwasser
  • Das Problem mit den weitreichendsten Auswirkungen ist das Futter: Soja
  • Für Soja als Viehfutter wird v.a. in Lateinamerika der Regenwald abgeholzt – was schrecklich für die Biodiversität der Erde ist, aber auch die “grüne Lunge” der Erde zerstört und somit jedem Einzelnen von uns schadet
  • Soja wird als Monokultur angepflanzt, die durch Dünger und Pestizide wunderbar wächst, ist der Boden aber einmal überlastet, muss neuer Regenwald geholzt werden, um neue Felder zu errichten
  • Die Kleinbauern, die z.B. in Lateinamerika Landwirtschaft betreiben werden oft von ihrem Land vertrieben, um für grosse Soja-Farmen Platz zu machen oder es lohnt sich für sie nicht mehr selbst anzubauen. Sie werden zu Arbeitnehmern der Grossfarmen und arbeiten dort für einen Hungerlohn und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Folge: Die Armen werden ärmer, wenige werden reich.
  • Die Nutztierhaltung setzt mehr Klimagase frei als alle Transportwege der Welt zusammen
  • Der Hunger weltweit wird durch den Futteranbau verstärkt, indem das Land nicht für Nahrung für den Mensch, sondern für das Vieh genutzt wird:
    • 1 ha Futterpflanzen können ca. 2 Personen mit Fleisch ernähren
    • 1 ha Gemüse kann ca. 1 Familie ernähren
    • 1 ha Kartoffeln kann ca. 1 Fussballmannschaft ernähren
  • Der Platz für unser Essen wird durch steigenden Fleischkonsum immer knapper und die Bevölkerung der Erde wächst gleichzeitig – der Hunger steigt
  • Last but not least zerstört Fleischkonsum Märkte in Ländern, die auf den Aufbau von diesen Märkten angewiesen sind: Da in Europa vor allem Pouletbrust gerne gegessen wird und der Rest des Poulets eher nicht, wird dieses tiefgekühlt nach Afrika verschifft und dort günstiger als die regionalen Produkte verkauft – die lokale Bevölkerung kann nicht mehr von Viehzucht leben
Kühe auf einer Weide im Sonnenuntergang
Foto von Stijn Te Strake via unsplash.com

Ja, es gibt mehr als genug negative Fakten zum Fleischkonsum. Trotzdem esse ich Fleisch. Warum? Ist es Gewohnheit, Kultur, Starrsinn? Egal was es ist. Die Fakten sprechen für sich und ob es einem passt oder nicht, Veränderung ist mehr als angebracht. Ist ja nicht so, als würden wir verhungern, wenn wir weniger oder gar kein Fleisch mehr essen.

Es gibt hierbei aber auch eine gute Nachricht: Sojafutter ist das Problem, welche unglaublich viele negative Wechselwirkungen hat. Essen wir Fleisch, das mit biologisch angebautem Futter produziert wurde, fördern wir, dass die Tiere wieder Gras auf der Weide essen, statt Soja in Pallet-Form. Wird diese Art der Tierhaltung gefördert, stellen wir uns als Nachfrager gegen Massentierhaltung, begünstigen eine weitaus geringer Produktion an Fleischprodukten und verhelfen dem Preis für Fleisch auf eine angemessenere Höhe. Fleisch in der Schweiz z.B. gilt als besonders teuer. Ja, das ist es auch. Aber ich sag’ euch, es schmeckt mir direkt doppelt so gut, wenn ich weiss, dass es hier von der Weide kommt und ich mit dem Preis die Arbeit wertschätze, die dahinter steckt.

Zum Abschluss zu diesem Thema: Wenn Tier, dann alles! Unsere Grosseltern haben alles vom Tier gegessen. Es wäre ihnen nie in den Sinn gekommen zu sagen: “Ih, Rinderzunge finde ich eckelig. Das esse ich nicht.” Probier es aus! Zum Beispiel bei Mark + Bein in Basel oder deinem Metzger um die Ecke.

Interaktive Grafik zum Fleischkonsum

Ein Mythos, der hoffentlich bald gegessen ist:

Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Lebensmitteln nicht mehr geniessbar.

Das-stimmt-einfach-nicht! Bitte den Kopf einschalten. Oder in diesem Fall eher Nase, Augen und Zunge. Vertraut euren Sinnen und testet die Produkte, bevor ihr sie wegwerft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Produkt ist lediglich eine Hersteller-Empfehlung, die aufgrund von Erfahrungswerten und rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben wird. Es ist kein Verfallsdatum. Verpackte Lebensmittel müssen diese Kennzeichnung tragen. Mit Mindesthaltbarkeitsdatum ist der Zeitpunkt gemeint, bis zu dem das Lebensmittelunternehmen garantiert, dass das Produkt bei richtiger Lagerung und geschlossener Verpackung seine spezifischen Eigenschaften behält (z. B. Geschmack, Aussehen, Konsistenz, Nährwerte …). Ist ein Verbrauchsdatum angegeben (Bei z.B. rohem Fleisch und Fisch, sowie Rohmilch) sollte man sich allerdings daran halten, da die Lebensmittel nach Ablauf dieses Datums gesundheitsschädlich sein können.

Frontalansicht eines Kühlregals mit Käseprodukten
Foto von Igor Ovsyannykov via unsplash.com

Lebensmittel zu testen, bevor sie endgültig im Abfall landen lohnt sich, denn:

  • 1/3 aller Lebensmittel geht verloren – sogenannter Foodwaste – das entspricht 300kg pro Person pro Jahr x 770’000 Einwohner/-innen in der Schweiz = 2’310’000’000 kg
  • Die Europäische Kommission schätzt dass in der EU pro Person und Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden. Das macht insgesamt 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
  • 53 % aller weggeworfenen Lebensmittel gehen dabei auf das Konto der privaten Haushalte. In einem durchschnittlichen Haushalt wird ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weggeworfen, vieles davon ungeöffnet.
  • 30 % landen bei Landwirtschaft und Produzenten im Müll, 12 % in der Gastronomie und 5 % im Handel.
Quelle: foodwaste.ch 2018

Noch ein paar gute Nachrichten zum Schluss

Die Diskussion um Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit ist nicht neu und es gibt zum Glück schon viele Massnahmen, die uns bewusster essen lassen (sollten). Zum Beispiel gibt es in vielen Städten Unternehmen, die ihre Reste spenden oder Privatpersonen, die ihre nicht benötigten Lebensmittel in sogenannten Fairteilern zur Verfügung stellen. Ein schönes Beispiel ist die App “toogoodtogo“, die es ermöglicht, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Ein Interview mit Franzi von “toogoodtogo” könnt ihr euch im Podcast zu dieser Folge anhören. Auch politisch bewegt sich etwas: Zürich hat sich mit 60% der Stimmen für eine nachhaltige und faire Ernährung ausgesprochen und dies in den Grundsätzen verankert. Auch Detailhändler wie Coop wissen schon länger, dass sie eine grosse Verantwortung zu tragen haben und nehmen diese wahr. Insgesamt scheinen wir auf einem guten Weg zu sein. Trotzdem liegt es an jedem Einzelnen die weitere Verbesserung selbst in die Hand zu nehmen.

Aufsicht auf drei angerichtete Küchlein verziert mit Früchten rund um den Teller
Foto von Toa Heftiba via unsplash.com

Mein appetitliches Fazit

Es ist natürlich jedem selbst überlassen, was er oder sie isst. Mit einem guten Gewissen schmeckt es allerdings einfach besser. Ich tausche mich sehr gerne mit meinen vegetarischen und veganen Freunden aus und muss sagen, dass deren Rezeptideen sehr bereichernd sind. Gerade was die Vielfalt angeht. Ich kann jedem von euch empfehlen, sich der vegetarischen und veganen Küche zu öffnen und einfach mal zu experimentieren. Das tut nicht nur der Umwelt gut, sondern auch eurem Magen und ganzen Körper. Ich für meinen Teil werde nach meinen Recherchen zu diesem Artikel noch bewusster Fleisch und sicherlich auch weniger davon essen. Die Herausforderung wird sein, dass auch langfristig umzusetzen und zur Gewohnheit werden zu lassen. Fleisch ist für mich wieder zu einer Delikatesse geworden, die ich mir bewusst gönne. Bezogen auf andere Lebensmittel möchte ich die nachhaltigen Möglichkeiten nutzen, die mir zur Verfügung stehen. Ich möchte mir ein Gemüse-Abo der Nuglar-Gärten holen, ein paar eigene Gemüsesorten wie Tomaten und Peperoni auf meinem Balkon anpflanzen und mehr Zeit fürs Einkaufen einräumen, damit mir die Hektik keinen Strich durch die Rechnung macht.

Tomatenstrauch mit Tomaten in verschiedenen Reifestadien
Foto von Markus Spiske via unsplash.com

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Lasst es euch schmecken, egal auf welche Art und Weise. Aber denkt dran: Man ist, was man isst. Bon Appetit!

Eure Kimi

Weitere Infos und Links

Nahrung & Nachhaltigkeit – KimiB.Good #3

Grosser Burger in dem ein Messer steckt

In der dritten Episode von KimiB.Good geht es um Nahrung und Nachhaltigkeit. Ich habe mit Experten und Umsetzern aus verschiedenen Lebensmittel-Bereichen gesprochen und euch die Interviews mit spannenden Fakten, nützlichen Infos und inspirierenden Einsichten zusammengestellt.

Meine Interviewpartner sind:

Viel Spass beim Zuhören und natürlich freue ich mich über eure Kommentare!

Eure Kimi

Trau dich! Es lohnt sich – immer.

Mann der Erde zwischen den Händen verreibt

Ich dachte eigentlich, dass ich nicht so der Wettbewerb-Typ bin. Das war mir immer zu viel gegeneinander und die Vorstellung immer danach zu streben die Beste zu sein, fand ich eher beklemmend als fördernd.

Jedoch ändern sich Ansichten mit der Zeit

Vor gut einem Jahr hat mich eine gute Freundin auf einen Wettbewerb der FHNW, die Swiss Student Sustainability Challenge, aufmerksam gemacht. Meine Idee von „KimiB.Good“ war noch nicht wirklich vorhanden, nur ein vages Interesse, Nachhaltigkeit und Kommunikation zu verbinden.

Getrieben durch die unermüdliche Motivation meiner Freundin, begann ich ein Konzept zu erstellen, es zu verfeinern, mit anderen darüber zu besprechen und – siehe da – ich hatte einen vorzeigbaren Plan, eine Präsentations-Idee und ging zum ersten Pitch der Challenge.

Die Natur des Wettkampfs ist das Gewinnen aber auch das Verlieren

Wobei „verlieren“ eher das falsche Wort ist. Ich habe bei der Swiss Student Sustainability Challenge keinen Förderpreis gewonnen. Zunächst war ich recht frustriert und wollte nichts mehr mit Wettbewerben und meinem Konzept zu tun haben. Ich war ja überzeugt von meiner Idee und konnte nicht ganz nachvollziehen, dass andere das nicht sind.

Dann, nach ein paar Tagen, habe ich mir das Feedback der Jury noch einmal durchgelesen und ein paar Punkte konnte ich doch gut nachvollziehen. Andere nicht. Und das ist auch in Ordnung so. Fest stand: Mein Konzept habe ich dank den vielen Hilfestellungen der FHNW ausgearbeitet und verfeinert. Ich war bereit damit weiterzugehen, nicht aufzugeben und neue Wettbewerbe zu bestreiten.

Das Wichtigste ist: Weitermachen!

Mit meinem Konzept, einem Businessplan und einer emotionalen Präsentation im Gepäck, bin ich weitergezogen und habe das nächste Förderprogramm angesteuert. Dieses Mal war es ein Heimspiel – das Förderprogramm der Universität Basel. BOOST ist ein Programm zur Förderung von Studierendenprojekten rund ums Thema Nachhaltigkeit an der Universität Basel. Ein voller Erfolg! Ich habe einen Förderpreis gewonnen und dazu einen riesigen Motivationsschub, der mich mein Projekt wirklich in die Tat umsetzen liess.

Wenn ich das kann, kannst du das auch

Nicht nur beim BOOST und der FHNW Challenge kann man sich jetzt wieder anmelden. Es gibt noch andere Förderprogramme wie den ClimateLaunchpad. Dies ist die wichtigste Initiative der Europäischen Union zur Entwicklung von Innovationen im Klimabereich. Gesucht werden grüne Geschäftsideen aus den Bereichen Energie, Wasser, Abfall, Transport, Verhaltensveränderung und urbaner Entwicklung.

Mitmachen lohnt sich – immer

Der ClimateLaunchpad stellt professionelle Unterstützung für die angemeldeten Startups bereit. Man muss also nicht unbedingt gewinnen, um gefördert zu werden. Coachings und Beratung sind mindestens genau so viel Wert wie finanzielle Förderung, da spreche ich aus Erfahrung.

Dieser Wettbewerb ist was Besonderes

Der ClimateLaunchpad besteht aus 4 Etappen:

  1. Anmeldungsphase, die bis zum 10. Mai 2018 läuft
  2. Boot Camp, welches am 31. Mai bis 1. Juni in Basel stattfindet
  3. Schweizer Finale, das ebenfalls in Basel am 31. August veranstaltet wird
  4. Internationales Halbfinale & Grand Finale, in Edinburgh, Schottland Anfang November 2018

Dieser Wettbewerb hat demnach eine internationale Komponente und vergibt für den 1. Rang ein Startup Begleitprogramm im Wert von 6’ooo CHF. Rang 2 und 3 werden ebenfalls in Abstufung unterstützt und für alle 3 Ränge werden die Reise- und Übernachtungskosten für das Finale in Edinburgh gesponsert. Wenn das nicht verlockende Aussichten sind. Natürlich gibt es auf der Website noch weitere Informationen zum ClimateLaunchpad. Anmelden könnt ich euch direkt hier.

Und alles mit einer Idee – oder auch ohne

Das Schöne an Wettbewerben wie BOOST oder dem ClimateLaunchpad ist, man braucht kein ausgefeiltes Konzept. Die Idee kann vage sein. Wie sie bei mir zu Beginn der Swiss Student Sustainability Challenge war. Die Förderprogramme vergeben nämlich nicht nur Preisgelder, sie wollen, dass eure Ideen wachsen und zu konkreten, guten Taten werden.

Du hast aber keine konkrete Idee, möchtest aber gerne ein Projekt starten? Kein Problem!

Mach mit beim Ideenworkshop am 16.04.2018 im Rahmen der Denk-weiter-Wochen der Universität Basel.

Die „Denk-weiter-Woche 2018 – Tatort Mobilität“ findet kommende Woche an der Universität Basel statt und hält viele interessante, auch interaktive, Workshops, Veranstaltungen und Events für euch parat.

Gutes Tun verbindet alle

Die Förderprogramme, die ich hier angesprochen habe, sind zwar Wettbewerbe aber das angenehme an ihnen ist, dass alle an einem Strang ziehen. Alle wollen mit unterschiedlichen Ideen und Konzepten etwas verbessern und gegen Missstände vorgehen. Das verbindet und das merkt man auch. Die Atmosphäre während den Workshops und Präsentationen ist enorm freundlich. Man tauscht sich aus, berät einander und arbeitet am Ende vielleicht sogar zusammen.

Ich kann es euch wirklich ans Herz legen

Macht mit! Ich kann euch versprechen, ihr werdet auf jeden Fall davon profitieren. Von den Menschen, den Ideen, dem Austausch, der Motivation, dem Netzwerk und wenn ihr dran bleibt, nicht aufgebt und den ein oder anderen Ratschlag, der euch sinnvoll erscheint, umsetzt, vielleicht auch vom Förderpreis.

Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn ich ein paar von euch animieren konnte, mutig zu sein und bei einem der genannten Programme mitzumachen. Lasst mich gerne in den Kommentaren oder in einer persönlichen Nachricht wissen, wie es für euch gelaufen ist. Solltet ihr noch unsicher sein, meldet euch bei mir. Ich unterstütze euch gerne 🙂

Ich wünsche euch viel Erfolg!

Eure Kimi

Wirtschaft sollte sich im Kreis drehen – KimiB.Good #2

Kreisförmige Strasse in einem Waldstück aus Vogelperspektive

Hier geht’s zum Podcast zur Folge “Kreislaufwirtschaft”

In der 1. Folge von KimiB.Good habe ich über Abfallreduktion, Recycling und Abfallvermeidung geschrieben bzw. mich mit mehreren Personen dazu unterhalten. Eine Frage hat mich allerdings auch nach meinen Recherchen und den Interviews nicht losgelassen:

Warum werfen wir überhaupt Materialien weg?

Auf der Suche nach Antworten zu dieser Frage, bin ich auf das Thema Kreisläufe und Kreislaufwirtschaft gestossen. Ich habe den Begriff “Kreislauf” sofort mit den Kreisläufen in der Natur verbunden. Ein Blatt zum Beispiel hat einen natürlichen Kreislauf, den man auch Lebenszyklus nennt. Es wächst am Baum von der Knospe zum Blatt heran, fällt im Herbst auf den Boden, wird durch Insekten und Bakterien zu Erde, um dann seine Nährstoffe dem Baum wieder zur Produktion von neuen Blättern zur Verfügung zu stellen.

Grafik die Kreislauf- und Linien-Wirtschaft verdeutlicht
Quelle: BAFU 2016

Man könnte also sagen, das Blatt stellt seine Wiedergeburt sicher.

Kreislaufwirtschaft bedeutet nichts anderes: Die in einem Produkt  verwendeten Rohstoffe werden über seinen Lebenszyklus hinaus wieder möglichst vollständig dem Produktionsprozess zugeführt, wobei es das Ziel ist, die Ergiebigkeit oder Nachhaltigkeit dieser Ressourcen zu verbessern. Eine 100%ige Rückführung ist, ganz nach dem Motto “ein bisschen Schwund ist immer”, eher utopisch. Aber das, was wir heute mit den Produkten machen, die wir immer wieder kaufen, geht meilenweit an Utopie vorbei.

Schematische Grafik zur Verdeutlichung von Kreislaufwirtschaft
Quelle: BAFU 2016

Das weit verbreitete Verständnis von Wirtschaft ähnelt eher einer Linie.

Ressourcen werden gefördert, Arbeit wird erbracht und das Ganze wird zu Produkten verarbeitet. Dies geschieht innerhalb eine Wertschöpfungskette eines Produkts: Durch jeden Arbeitsschritt, wird der Wert des Produkts erhöht. Diese Produkte werden von uns gekauft und genutzt. Sind sie abgenutzt oder brauchen wir sie schlicht und einfach nicht mehr, werden sie entsorgt. Dabei werden ökonomische, umwelttechnische und soziale Kosten der Produkte verkannt und mit dem Produkt einfach ins Jenseits befördert.

Die guten Nachrichten

Die heutige Schweizer Abfallwirtschaft ist ein gut funktionierendes Gesamtsystem und viele Stoffkreisläufe sind durch gut etablierte Rücklauf- und Verwertungssysteme weitgehend geschlossen, wie beispielsweise bei Getränkeverpackungen, Papier oder Altmetallen. Es bestehen jedoch bei der Schonung der natürlichen Ressourcen durch die Abfallwirtschaft noch Lücken und ungenutzte Potenziale. Verbessern kann sich die Schweiz insbesondere in den Bereichen Bauabfälle, Kunststoffe, Phosphor und seltene technische Metalle.

Kurzer Einschub: Zum Thema seltene technische Metalle lohnt sich ein Blick auf das Fairphone, solltet ihr gerade darüber nachdenken, ein neues Handy zu kaufen.

Es geht voran

Es bewegt sich etwas. Grünes Wirtschaften ist trotz abgelehnter Initiative (eventuell hier Initiative in einer Klammerbemerkung nennen, das mögen Schweizer) ein Zukunftsmodell und wird nicht nur diskutiert, sondern teilweise auch schon umgesetzt. Vom kleinen Start-Up, über den neu gegründeten Verein, zum grossen Konzern, alle denken darüber nach. Das ist ein erster, wichtiger Schritt. Als Beispiele lassen sich hier der Verein “Go for Impact” oder die Start-Ups Kreislauf.bio (Interview mit Roger im Podcast zum Thema Kreislaufwirtschaft) oder Stadtpilze.ch nennen.

Vorteile einer Kreislaufwirtschaft

Ich bleibe beim Positiven und unterstreiche, was die Vorteile eines kreisförmigen Wirtschaftssystems sind:

  • Unabhängigkeit des Wirtschaftswachstums von einer immer stärkeren Nutzung von Ressourcen
  • Senkung der Umweltbelastungen, die durch Abbau und Verwendung nicht erneuerbarer Ressourcen und Abfallbeseitigung entstehen
  • Möglichkeiten, Umsätze weniger durch den Verkauf von Produkten und mehr durch das Anbieten von Dienstleistungen zu generieren
  • Höhere Versorgungssicherheit und Kostenkontrolle
  • Signifikanter Beitrag zur Minderung des Klimawandels durch drastische Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung und Entsorgung (z.B. Verbrennung) von Produkten
  • Höhere Ressourcensicherheit, da weniger benötigt werden, und sinkende Abhängigkeiten von Importen dank niedrigerem Rohstoffbedarf
  • Ökonomische Vorteile: Neue Möglichkeiten für Wachstum und Innovation sowie Einsparungen aufgrund höherer Ressourceneffizienz
  • Soziale Vorteile, zum Beispiel Schaffung neuer Arbeitsplätze für alle Kompetenzniveaus und Veränderungen im Konsumentenverhalten
    (Quelle: Green Facts und Urbact 2018)

Warum ist dann noch alles in Linie aufgebaut?

So viele Vorteile – warum läuft dann immer noch alles wie bisher? Es gibt neben den deutlichen Vorteilen auch einige nicht unerhebliche Hindernisse, die die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft beeinträchtigen:

  • Ineffiziente Vorschriften zur Förderung der Wirtschaft, wie z.B. Subventionen für erneuerbare Energien, Emissionshandel, die Ökodesign-Richtlinie, Energieeffizienznormen und Zielvorgaben für das Recycling von Materialien
  • Preise spiegeln nicht den wahren Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen wider. Die Preisbildung ist ein komplexer Prozess, auf den verschiedene Faktoren einen Einfluss haben, nicht nur der Wert der Sache oder Dienstleistung, den wir ihr zuschreiben würden. Daher sind Preise auch nicht geeignet, über die Knappheit der Ressourcen Auskunft zu geben.
  • Politische Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit müssen erst mal davon überzeugt werden, dass ein alteingesessenes Wirtschaftssystem einer kompletten Umkremplung bedarf und die absoluten physikalischen Grenzen der nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen nach Handlung verlangen
  • Geeignete Marktsignale entwickeln, damit z.B. Preise den Ressourcenverbrauch eines Produkts widerspiegeln können
  • Vor allem Entscheidungsträgern verständlich machen, dass Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch eine notwendige Vorbedingung für die Senkung von globalen sozialen Ungerechtigkeiten ist und Vereinbarungen zustande bringen, ist keine leichte Aufgabe
  • Weil Materialien tendenziell günstiger und die Herstellungsprozesse effizienter geworden sind, herrscht in der Wirtschaft eine Wegwerfmentalität. Langlebigkeit eines Produkts ist eher ein Nachteil. Finanziell mag sich das für Produzenten und Konsumenten auf kurze Sicht auszahlen, die Kosten hat allerdings die Umwelt zu tragen, die uns alle auf lange Sicht beeinflusst oder besser gesagt, am Leben hält
  • Rebounding-Effekt, was in diesem Zusammenhang vereinfacht gesagt bedeutet: Ich spare zum Beispiel durch die Anschaffung eines Elektroautos so viel CO2 ein, dass ich mir ein paar Flüge mehr im Jahr genehmige. Für Firmen, die ein Kreislauf-Modell umsetzen, bedeutet es, dass durch die Langlebigkeit ihrer Produkte, Innovationen, die das Produkt noch einmal umweltverträglicher machen würden, nicht oder sehr spät umgesetzt werden
  • Oft ist die Unternehmensführung durch kurze Zeithorizonte mit der grundlegenden Änderung des Geschäftsmodells überfordert, da eine solche Veränderung meist hohe Anfangsinvestitionen mit sich bringt und Fähigkeiten von internen Mitarbeitenden übersteigen kann
  • Bei jedem Einzelnen bremst die Macht der Gewohnheit und das fehlende Bewusstsein für die Gesamtkosten eines Produktezyklus das
    Interesse an einer Umsetzung kreisförmiger Wirtschaft

Anfangen in Kreisen zu denken

Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion sind untrennbar miteinander verknüpft. Werden keine kreislauffähigen Produkte angeboten, kann sie auch keiner von uns kaufen. Fordern wir diese Produkte nicht ein, wird kein Unternehmen seine Produktion umstellen.

Kreislaufwirtschaft vernetzt. Konsumenten und Produzenten. Regional wie global. Kreislaufwirtschaft zieht sich durch den gesamten Produktlebenszyklus. Von der Produktionsphase, die globale Ressourcen verwendet über die Preisbildung, die den Wert von nicht erneuerbaren Ressourcen, deren Abbau, sowie Transport und die durch die Nutzung verursachte Umweltschäden miteinbeziehen muss bis hin zur örtlichen Abfall-Herausforderung. Innovation ist hier das Stichwort. Diese Innovationen müssen vorangetrieben und geteilt werden – nicht patentiert. Initiativen des EU-Programms helfen aktuell schon dabei, globale Innovationen für eine Kreislaufwirtschaft zu tätigen, indem zum Beispiel Wirtschaftsanreize für Hersteller gesetzt werden. Doch wie gesagt: Es liegt nicht nur an den Produzenten.

Quelle: UN environment 2018

Du willst die Hindernisse angehen und die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft vorantreiben? Super, dann tu’ es!

Wir sind alle Verbraucher von Produkten und Dienstleistungen. Damit haben wir, vor allem als Masse, die Macht, den Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Ein Kernelement hierbei ist unsere Haltung und unser Verhalten. Lassen wir uns übermässig von Moden und Marketing beeinflussen, ohne kritisches Nachdenken und Wertschätzung unserer Habseligkeiten, bleibt es bei der herrschenden Wegwerfgesellschaft. Da der Druck der Verbraucher dann fehlt, wird kein Unternehmen, oder nur sehr wenige Idealisten, den Aufwand betreiben, ihre Prozesse kreisförmig zu gestalten.

Mir persönlich ist wichtig, dass wir das Bewusstsein für den Unterschied zwischen Linien-Wirtschaft und Kreislaufwirtschaft entwickeln. Ich möchte mich und euch alle ermutigen unsere provokative Rolle als Verbraucher wahrzunehmen und unsere täglichen Routine zu überdenken, damit wir etwas verantwortungsvollere Entscheidungen treffen. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, jedoch gibt es jetzt schon Länder, Unternehmen und Möglichkeiten, die uns dabei unterstützen.

Cradle to cradle Produkte achten auf Design und Materialien, die im Kreis genutzt werden können. “Die Produktionsverfahren, der Gebrauch und die Wiederverwertung der Produkte werden nach dem Modell gestaltet, die Qualität der Rohstoffe über mehrere Lebenszyklen zu erhalten.
Das bedeutet: Kein Abfall, alles ist zugleich Nährstoff. Die richtigen Materialien werden in definierten Kreisläufen (Metabolismen) zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt.” (Quelle: EPEA Switzerland 2018)

Wo es Cradle to cradle Produkte zu kaufen gibt? Zum Beispiel hier:

Cradlelution
Avocadostore
Trigema (Damen)
Trigema (Herren)
Climatex
Frosch Reinigungsmittel
Bauwerk Parkett
Giroflex Büromöbel

Und der Rest der Welt?

Der Aktionsplan der EU gibt zum Beispiel Ratschläge, wie man als Verbraucher Produkte und Dienstleistungen wählen kann, die besser für die Umwelt sind und gleichzeitig für Einsparungen und höhere Lebensqualität sorgen.

China führte 2006 Massnahmen zur Stärkung der wirtschaftlichen Effizienz mit geringem Ressourcenverbrauch und der Reduktion von Verschmutzung ein, die als Pilotprojekt für eine globale Wirtschaft auf Weltebene gelten.

In Japan führte man das Konzept der Gesunden Kreislaufgesellschaft als zentralen Ansatz ein, um die Ressourcenproduktivität zu verbessern und negative Umwelteinflüsse zu minmieren.

In den Niederlande werden durch wiederverwendete Produktströme aus den Metall- und Elektrosektoren rund 16% der neuen Produkte hergestellt. Rund 81% der Produkte dieser Sektoren werden zur Wiederverwertung genutzt. (Quelle: URBACT)

In der EU wurden Grundsätze der Kreislaufwirtschaft in gewerbliche Praktiken, umweltfreundliche öffentliche Beschaffung und in den Bau- und Wassersektoren integriert. In ihrem Bericht von 2017 ermutigt sie Investoren und Innovatoren dazu, das Modell Kreislaufwirtschaft zu fördern und zeigt konkrete Schritte dafür auf.

Der Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung gab aktuell einen praktischen Leitfaden heraus, der konkrete Geschäftsbeispiele und fünf wesentliche Schritte für den Übergang von einer Linien-Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft ermöglicht.

Mein Fazit

Wir scheinen uns lange genug im Kreis gedreht zu haben. Es ist an der Zeit grosse Prozesse im System zu ändern – unsere Wirtschaft in eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft umzuwandeln. Das hört sich allerdings fast schon grössenwahnsinnig an? Durch meine Recherchen für diesen Beitrag ist mir klar geworden: Es ist machbar. Jeder mit seinem Beitrag. Jeder in seinem Einflussbereich. Und wenn es “nur” beim Einkaufen ist oder ich selbst ein Produkt wiederverwende. Das Bewusstsein ist das Wichtige, denn es wird sich früher oder später in konkreten Handlungen äussern. Wenn wir Kreislaufwirtschaft als Standard unseres Wirtschaftssystems verinnerlichen, geben wir diese Einstellung unseren Kindern und alle nachfolgenden Generationen mit auf den Weg. Eine schöne Vorstellung, die mich vor Freude im Kreis hüpfen lässt 😉

Eure Kimi

Hier findet ihr noch weitere nütze Informationen zum Thema Kreislaufwirtschaft

KimiB.Good Podcast Episode #2 Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft erklärt von Raphael Fasko (Rytec)

Aktionsplan der EU zur Kreislaufwirtschaft

Kurzfilm Kreislaufwirtschaft – Moving towards a circular economy by EU Environment

Aktuelle wissenschaftliche Projekte:
Hoffmann: Towards a sustainable circular economy

Frankenberger: Laboratory for circular economy

 

Wirtschaft sollte sich im Kreis drehen – KimiB.Good #2

Kreisförmige Strasse in einem Waldstück aus Vogelperspektive

 

Nachhaltig zu konsumieren ist heute schon möglich. Es gibt immer mehr nachhaltige Produkte und Produzenten, die darauf wert legen. Mal ernsthafter, mal eher greenwashiger. Doch wie schaffen wir es, dass ein ganzheitliches Denken, ein Denken in Kreisläufen, ohne die derzeit herrschende Verschwendung, der Standard in unserem Wirtschaftssystem wird?

Kreislaufwirtschaft

Im zweiten Podcast von KimiB.Good dreht sich alles um Kreisläufe.
Ich spreche mit Experte Raphael von der Firma Rytec über die theoretischen Hintergründe des Systems Kreislaufwirtschaft und wage mit ihm einen Blick in die Zukunft. Mach-Typ Roger zeigt in seinem Interview lebhaft, wie man Kreislaufwirtschaft praktisch umsetzen kann und stellt sein Projekt Kreislauf aus Bern vor. Kleine Warnung vorweg: Nichts für empfindliche Mägen 😉

Mehr Informationen zum Thema findet ihr auch in meinem Blogbeitrag.

Viel Spass beim Zuhören, Lesen und Kommentieren!

Eure Kimi

 

Kim über KimiB.Good – Episode “Null”

Produzentin Kim bei der Aufnahme eines Podcasts

Darf ich vorstellen: KimiB.Good

Der Kanal mit den guten Nachrichten, rund um’s Thema Nachhaltigkeit.

Das kommt heraus, wenn man den Klassiker von Chuck Berry “Johnny B Goode”, ein paar Jahre Erfahrung im Bereich Kommunikation, Spass an der Produktion von Podcasts und Artikeln, grosses Interesse am Thema Nachhaltige Entwicklung, eine gute Portion Neugier und das Bedürfnis nach guten Nachrichten in einem Konzept zusammenmischt.

Hier geht’s zum Podcast

In dieser Episode “Null” stelle ich mich und meinen Kanal KimiB.Good vor. Warum mache ich das überhaupt? Was bewegt mich dazu? Was will ich damit erreichen? Hört es euch an und gebt mir euer Feedback als Kommentar oder E-Mail.

Viel Spass beim Zuhören!

Mit freundlicher Unterstützung der Swiss Sustainability Challenge der FHNW konnte ich ein Video aufnehmen, das mein Projekt vorstellt. Zu diesem Zeitpunkt war das Konzept zwar noch nicht spruchreif aber das Video möchte ich euch nicht vorenthalten.

Viel Spass beim Zuschauen!

Eure Kimi

Ihr wollt direkt mehr? Dann hört euch die 1. Episode von KimiB.Good “Is’ doch alles Müll – I beg to differ!” an.