Hilfe, Pflege & Wertschätzung – KimiB.Good #12

Wertschätzung

In Zeiten einer Krise, wie der aktuellen Corona-Krise, merken wir wieder, wie wichtig Solidarität, Hilfe und Pflege sind. Berufe in diesen Bereichen erfahren aktuell viel Wertschätzung – wird das auch nach Corona so bleiben?

Diese Frage habe ich Angelina von “Catch A Hero” gestellt. Wir haben zudem über die Plattform gesprochen, die in künftigen Krisen schnelle Unterstützung bieten kann und wie gegenseitige Hilfe nicht nur physische Unterstützung in schweren Zeiten bietet, sondern uns auch mental stützt.

Wertschätzung und Solidarität – sprich nicht immer nur an sich selbst denken – ist ein Grundpfeiler nachhaltiger Entwicklung. Das Motto “nach mir die Sintflut” hat in unserer Geschichte nie viel Gutes hervorgebracht. Die aktuelle Situation gibt uns die Möglichkeit uns auf Grundwerte zu besinnen, die unsere Zukunft massgeblich mitgestalten sollten. Die Diskussion dreht sich nicht nur um die Wertschätzung von Pflegeberufen, sondern betrifft auch die Gleichstellung der Geschlechter, sowie die Werte, die unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegen.

Bleibt gesund und positiv
Eure Kimi

Den Weg zum Ziel machen. Nachhaltig Reisen – KimiB.Good #11

nachhaltiges Reisen - KimiB.Good Podcast Episode 11

Spätestens seit “Flugscham” den meisten ein Begriff ist, denken die einen oder anderen auch bei der Ferienplanung darüber nach, wie man nachhaltig reisen kann. Meistens sind es die Umweltaspekte, die dabei hinterfragt werden: Muss ich wirklich ständig fliegen? Ist eine Kreuzfahrt mit einem riesen Schiff vertretbar? Muss ich immer das Auto nehmen oder geht auch der Zug?

Foto von Capturing the human heart – unsplash.com

Ich bin leidenschaftliche Motorradfahrerin, daher kenne ich diese Zwickmühle. Doch es gibt auch noch andere Aspekte, die nachhaltiges Reisen ausmachen. Sich Zeit nehmen, den Weg geniessen und vor allem auch die Orte und Länder, die man besucht, wirklich kennen zu lernen. Regionale Produkte, neue Kulturen und Gespräche mit Fremden aus den jeweiligen Regionen können eine Reise einzigartig machen und einen langfristig bereichern.

Der Reiseführer “Join the Journey” vom Ökozentrum ist als Inspiration zum Thema nachhaltig reisen gedacht und bietet neben den Erfahrungsberichten von 10 Teams, die emissionsarm unterwegs waren, auch Ideen, wie eine solche Reise aussehen kann. Die Website zur Challenge “Join the Journey” bietet noch weitere Infos zu den Aufgaben, die den Teams gestellt wurden und zu den Teams selbst.

Foto von Clemens van Lay – unsplash.com

Noch mehr Infos zum Thema und weitere Inspirationen zu eurer Reiseplanung bietet auch mein Podcast zum Thema “Nachhaltiger Tourismus”. Es lohnt sich hier mal rein zu schauen bzw. rein zu hören und sich inspirieren zu lassen – wer weiss, wo es euch dann in euren nächsten Ferien hin verschlägt 🙂

In dieser Podcast-Episode habe ich mich mit einem der 10 Teams getroffen und Jasmin und Chris zu ihrer Reise von Bern an den Gardasee befragt. Sie erklären nicht nur, warum das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolut flexibel ist, sondern geben auch Tipps zum Reisen mit Hund und wie man sein Wissen um Biersorten erweitern kann.

Viel Spass beim Zuhören und inspirieren lassen!
Eure Kimi

Nachhaltigkeits-Quiz. Neues Jahr. Neues Wissen. – KimiB.Good #10


Das Jahr 2020 steht vor der Tür. Viele lassen das letzte Jahr Revue passieren und machen sich Gedanken über die Zukunft. Sollten in den Überlegungen für deine Zukunft auch Themen wie Umwelt, soziale Gerechtigkeit oder nachhaltiges Wirtschaften eine Rolle spielen, können dir die folgenden Fragen und Antworten eventuell als Inspiration dienen.

Egal ob man ein Fan von guten Vorsätzen ist oder nicht: Die Antworten auf die folgenden Fragen können sehr gut dazu dienen im einen oder anderen Bereich ab nächstes Jahr etwas zu ändern und damit etwas zu bewirken – für eine bessere Zukunft.

Nimm dir einfach einen Stift und Zettel zur Hand, schreibe deine Antworten je Frage auf und überprüfe am Ende des Beitrags, ob du alle Fragen richtig beantwortet hast – ich schätze du wirst bei der einen oder anderen Antwort überrascht sein 🙂

10 Fragen

Quelle: unsplash.com Ricoardo Gomez

Frage 1: Wie viel Wasser braucht die Produktion einer Jeans?
a) 11‘000 Liter, also etwa 75 Badewannen
b) 5‘000 Liter, also etwa 34 Badewannen
c) 2‘000 Liter, also etwa 13 Badewannen

Frage 2: Wie viele km reist eine Jeans vom Baumwollanbau bis zum
Verkauf in der Schweiz?

a) 34‘000 Kilometer
b) 40‘000 Kilometer
c) 10‘000 Kilometer

Frage 3: Was verdient eine Näherin in Bangladesh an einer Jeans die in
der Schweiz CHF 60.- kostet?

a) CHF 1.00.-
b) CHF 0.20.-
c) CHF 0.60.-

Quelle: unsplash.com Alexander Andrews

Frage 4: Was bedeutet Fast Fashion?
a) Schnelllebige Mode in der Bekleidungsindustrie
b) Geliefert wird weniger Ware, dafür in grosser Varietät und häufiger
c) Für einen schnelleren Transport wird immer häufiger das Flugzeug
gewählt, das rund 17 mal mehr CO2-Emissionen verursacht.
Mehr Informationen zum Thema “Green & Fair Fashion” in meiner Folge Nr. 9.

Frage 5: Wie vielen Lastwagen kommt die jährliche Food Waste Menge in der Schweiz gleich?
a) ca. 0.5 Mio. Tonnen Food Waste, 30‘000 Lastwagen
b) ca. 1.1 Mio. Tonnen Food Waste, 67‘000 Lastwagen
c) ca. 2.3 Mio. Tonnen Food Waste, 140‘000 Lastwagen

Quelle: unsplash.com Max Delsid

Frage 6: In welchem Schritt der Produktionskette wird am meisten Food Waste verursacht?
a) Gross- und Detailhandel
b) Landwirtschaft
c) Haushalt

Frage 7: Wie viele Tiere isst ein/e Schweizer/in durchschnittlich in seinem/ihrem Leben?
a) Ca. 1185
b) Ca. 1029
c) Ca. 1218

Frage 8: Wenn ich auf Schweizer Cervelat (500 gr. Packung,
Produktion, Verpackung, Transport) verzichte, wie viele km Auto
könnte ich mit einem Kleinwagen fahren, um die gleiche Menge
CO2 auszustossen?

a) 56 km
b) 40 km
c) 25 km

Quelle: unsplash.com Wolfgang Hasselmann

Frage 9: Vergleich der Futtermittelfläche: Für wie viele Menschen kann
ich pro hergestelltes 175gr Schweinesteak eine pflanzliche Mahlzeit zubereiten?

a) 10 Personen
b) 1 Person
c) 20 Personen

Frage 10: Wie viele Handy-Abos gibt es in der Schweiz auf 100 Einwohner/innen?
a) 134 Abos auf 100 EinwohnerInnen
b) 97 Abos auf 100 EinwohnerInnen
c) 85 Abos auf 100 EinwohnerInnen

Was Handys mit Nachhaltigkeit zu tun haben, kannst du in meiner Folge Nr.8 “Technik & Ressourcen” nachhören und lesen.

10 Lösungen

Lösung zu Frage 1: a) 11’000 L Wasser, also 75 Badewannen braucht die Produktion einer Jeans.

Zusatzinfo:
Wasser, das zur Herstellung von Produkten verwendet wird, wird als virtuelles Wasser bezeichnet. Die 11’000 Liter werden für die Bewässerung der Baumwollpflanze gebraucht, für einige Produktionsschritte, für die Verdünnung von verschmutztem Wasser: z.B. ausgespülte Pestizide im Grundwasser oder Abwasser beim Färben, etc.

Lösung zu Frage 2: b) 40‘000 Kilometer, das entspricht etwa einer Reise einmal um den Globus.

Zusatzinfo:
Eine Jeans reist vom
– Anbau der Baumwolle in Kasachstan
– Verspinnen in China
– Bleichen und Färben in Taiwan
– Zusammennähen in Bangladesh
– Verkauf in der Schweiz
rund 40‘000 Kilometer, das entspricht etwa einer Reise einmal um den Globus. Diese Reise macht unsere schnelllebige Mode immer häufiger mit dem Flugzeug. Im Durchschnitt kauft ein Schweizer/ eine Schweizerin 40-70 neue Kleidungsstücke im Jahr und produziert 6 kg Altkleider jährlich.

Lösung zu Frage 3: c) CHF 0.60.-

Zusatzinfo:
Eine Näherin bekommt für eine Jeans, die hier CHF 60.- kostet etwa 0.60 Rappen. Dieser Lohn reicht meist nicht, um den Lebensunterhalt zu decken. Zu den niedrigen Löhnen kommen lange Arbeitszeiten, unzureichender Krankenversicherungsschutz und kaum Mitbestimmungsrecht hinzu.

Lösung zu Frage 4: a) + b) + c)

Zusatzinfo:
Fast Fashion bedeutet alle 3 Antworten in Kombination:
a) Schnelllebige Mode in der Bekleidungsindustrie
b) Geliefert wird weniger Ware, dafür in grosser Varietät und häufiger
c) Für einen schnelleren Transport wird immer häufiger das Flugzeug
gewählt, das rund 17 mal mehr CO2-Emissionen verursacht

Je mehr und häufiger Kleidungsstücke wir kaufen, umso eher fördern wir diese Entwicklung.

Lösung zu Frage 5: c) ca. 2.3 Mio. Tonnen Food Waste, entspricht ca. 140‘000 Lastwagen.
Lösung zu Frage 6: c) im Haushalt

Zusatzinfo:
Die Verteilung von Food Waste sieht folgendermassen aus: 13% Landwirtschaft; 30% in der Verarbeitung; 7% im Gross- und Detailhandel; 5% in der Gastronomie, und 45% im Haushalt. Dabei geben Haushalte pro Jahr zwischen 500 bis 1000 CHF für nicht benötigte Lebensmittel aus. Die unnötige Produktion von Lebensmitteln belastet nicht nur das Portemonnaie, sondern auch Umwelt und Gesellschaft, treibt Preise für
Grundnahrungsmittel in die Höhe, usw.. Die hohe Menge weggeschmissenen Lebensmittel zeigt unsere geringe Wertschätzung.

Lösung zu Frage 7: a) 1185 Tiere isst der Mensch im Laufe seines Lebens im Durchschnitt.

Zusatzinfo:
Auf Tierarten aufgeteilt sind es im Durchschnitt: 720 Hühner, 390 Fische, 33 Schweine, 25 Hasen, 8 Kühe, 6 Schafe, 4 Rehe, 2 Hirsche, 1⁄2 Pferd. Der hohe Fleischkonsum ist ein Zeichen unseres Wohlstandes ABER diese Menge macht es unmöglich Futtermittel ausschliesslich im eigenen Land anzubauen und nötigt uns zur Nutzung fremder Landressourcen. Unmöglich ist bei diesen Mengen auch die artgerecht Haltung der Tiere, sowie die Welternährung sicherzustellen, da Landflächen für die Futtermittelproduktion verwendet werden.
Mehr Informationen zum Thema “Nahrung & Nachhaltigkeit” in meiner Folge Nr. 3.

Lösung für Frage 8: b) Stolze 40 km bei Schweizer (!) Fleisch

Zusatzinfo:
Im CO2 Ausstoss Vergleich kann man für eine 500gr Packung Schweizer Cervelat 40 km mit einem Kleinwagen fahren. Dies liegt hauptsächlich am Tierfutter, dass meist im Ausland angebaut und importiert wird. Würden wir das gesamte Tierfutter, das wir für unsere Fleischproduktion benötigen, in der Schweiz anbauen, bräuchten wir allein hierfür die dreifache Fläche der Schweiz.

Lösung zu Frage 9: c) 20 Personen

Zusatzinfo:
Die Frage berücksichtigt den Vergleich der Futtermittelfläche zur Fläche für den Anbau pflanzlicher Lebensmittel für Menschen. Auf Grund dessen, dass das Tier auch wachsen muss (Veredelungsverlust) wird für die Herstellung eines 175gr Steaks so viel Fläche verbraucht, wie für den Anbau von Mais für etwa 20 Personen Polenta.

Lösung zu Frage 10: a) 134 Abos auf 100 EinwohnerInnen

Zusatzinfo:
Durchschnittlich liegt die Nutzungsdauer von Handys bei 18 Monaten. In der Schweiz gibt es mehr Handy-Abos als EinwohnerInnen. Mehr Informationen zum Thema seltene Erden in Handys in der KimiB.Good Folge Nr.8 “Technik & Ressouren”.

Unterstützung für diese Folge

Die Inhalte des Nachhaltigkeits-Quiz wurden freundlicher Weise vom Oekozentrum zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Das Oekozentrum engagiert sich in der Nachhaltigkeitsbildung und bietet viele verschiedene Möglichkeiten an, sich mehr Wissen zu diesem Thema anzueignen.

Vielen Dank auch an die Quiz-Teilnehmer, die mir im Podcast Rede und Antwort standen und die teilweise selbst in Initiativen in Basel aktiv sind: Basel Unverpackt, Urban Agriculture Basel, Nuglar Gärten.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und ein glückliches und top informiertes Jahr 2020!
Eure Kimi

Geschenke-Tausch: Soziale Gerechtigkeit und Umweltvorsorge kinderleicht

Die Weihnachtszeit sollte besinnlich sein. Ruhe, Zeit mit der Familie und anderen Freude schenken, in welcher Form auch immer, sollten im Vordergrund stehen. Doch wir alle wissen: Oft reduziert sich die vorweihnachtliche Zeit auf das hektische Suchen nach Geschenken. Konsum nimmt überhand und Themen wie soziale Gerechtigkeit und Umweltvorsorge rücken eher in den Hintergrund.

Mit Geschenke-Tausch gegen unnötigen Konsum

Dem wirkt die Geschenke-Tausch Aktion entgegen, die durch das Arbeitslosenkomitees Basel organisiert wird. Seit dem 10. November können Kinder von 3 bis 10 Jahren gut erhaltene Spielsachen abgeben und erhalten einen Bon, der sie zur Teilnahme an der Tausch-Aktion berechtigt.


Spielzeug-Abgabe
ab 18. November Kindernäscht
Gerbergasse 14
Montag-Freitag 8-18 Uhr
Samstag 9-16 Uhr

Spielzeugabgabe
offenen Kirche Elisabethenstrasse 14
Mittwoch 20. und 27. November
Mittwoch 4. und 11. Dezember
Jeweils von 14-17 Uhr


Am 4. und 11. Dezember sind also die nächsten Geschenk-Tausch-Tage: In der offenen Kirche Elisabethen in Basel können sich die Kinder ein anderes neuwertiges, gebrauchtes Spielzeug aussuchen. Der Überschuss an Spielsachen wird an Kinder aus ärmeren Verhältnissen verteilt. Jährlich kommen so rund 350 Kinder in den Genuss eines Geschenks. Mehr Informationen zur Aktion gibt es auf der Website der Geschenke-Tausch-Aktion.

Kinder bei der Geschenke-Tausch Aktion in Basel
Quelle: http://geschenktauschaktion-bs.ch/getausch/index.php/Main/HomePage

Lernen was ausgleichende Gerechtigkeit bedeutet

Die Aktion bringt nicht nur Freude an einem neuen Spielzeug, das die Kinder entdecken können, sondern es ermöglicht soziales Lernen und zeigt den Kindern, was ausgleichende Gerechtigkeit bedeutet. Zudem werden die Spielsachen erneut wertgeschätzt und nicht einfach entsorgt, wenn sich die Kinder nicht mehr dafür interessieren.

Win-win-win

Die Aktion ist also ein Win-Win-Win Situation: Die teilnehmenden Kinder haben Freude an einem neuen, gebrauchten Spielzeug und erfahren was es heisst etwas Gutes, im sozialen und ökologischen Sinne, zu tun. Kinder aus ärmeren Verhältnissen wird eine vorweihnachtliche Freude gemacht und die Umwelt profitiert durch weniger Abfälle.

So rückt der teils übermächtige Konsum in den Hintergrund und das Schenken von Freude und Wertschätzung wieder in den Vordergrund.

Eine wunderbare Idee, die wir Erwachsenen vielleicht auch für uns entdecken können…

Mehr Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit, nachhaltigen Konsum und viele andere spannende Themen findet ihr auf der Umweltagenda Basel.

Viel Spass beim Geschenke-Tausch und ein frohes, besinnliches Fest!
Eure Kimi

Mobilisieren will gelernt sein

Ohne Freiwilligenarbeit geht bei Nichtregierungsorganisationen im Umweltbereich nichts. Doch wie mobilisiert man potenzielle Helferinnen und Helfer? Ein Netzwerktreffen für ökologisch Engagierte und Interessierte aus der Region Basel vom 6. November 2019 gab Tipps für ein erfolgreiches Vorgehen, machte Mut für Kooperationen und ermöglichte das direkte Gespräch mit anderen Umweltaktiven.

Text und Fotos von Pieter Poldervaart

«Gohts no?!»

Ob empört ausgerufen oder für sich gedacht, dieser Aufschrei steht häufig am Anfang einer Umweltinitiative. Es können Fluglärm, ungenügende Abfalltrennung oder Energieverschleiss sein, meist braucht es Emotionen, damit jemand aktiv wird. Das machte auch Martin Diethelm deutlich. In seinem Referat anlässlich des Netzwerktreffens, zu dem das Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt, die Quartierkoordination Gundeldingen sowie die Stadtteilsekretariate Kleinbasel und Basel-West am 6. November ins Kleine Klingental eingeladen hatten, betonte er, wie wichtig der «Faktor Herz» beim Mobilisieren ist. Diethelm muss es wissen, beschäftigt er sich als Gründer der Firma Kampagnenforum doch seit bald 20 Jahren mit der Frage, wie sich Empörung in Spenden, Unterschriften oder eine Demo-Teilnahme ummünzen lässt.

Blanca Hernández, Birsmattehof

Ich habe gesehen, wie wichtig ein systematisches Vorgehen ist, wenn man neue Menschen ansprechen oder eine Kampagne aufziehen will. Zudem gab es bei den Instrumenten mehrere Aspekte, die wir so noch nie auf dem Radar hatten.

AIDA und noch mehr Systematik

Nach wie vor gültig ist das AIDA-Modell als Werbewirkungsprinzip: Am Anfang müsse Aufmerksamkeit (Attention) erzeugt werden, dann das Interesse (Interest) geweckt und der Wunsch (Desire) nach einer Änderung hervorgerufen werden, was am Schluss im besten Fall zu einer Handlung (Action) führe. Diethelm ergänzte noch den Begriff Befriedigung (Satisfaction): Im Idealfall führt beispielsweise eine Spende oder die Teilnahme an der Pflanzung einer Hecke auch zur Befriedigung, die wiederum Voraussetzung für ein längerfristiges Engagement sei.

Diethelm erklärt das AIDA-Modell

Ohnehin ist Systematik ein wichtiges Element im Werkzeugkasten professioneller Mobilisierungsagenturen. So erklärte Diethelm den «Planungsstern», der zeigt, wie verschiedene Einflussfaktoren dazu führen, dass ein Anliegen langfristig zum öffentlichen Thema wird. «Besonders häufig unterschätzt wird die sogenannte soziale Grosswetterlage», meinte der Campaigner, der bei Greenpeace seine Sporen abverdient hatte. Ein Ereignis wie Fukushima habe hierzulande etwa dazu geführt, dass statt der damals geplanten zwei bis drei neuen Atomkraftwerke der Ausstieg aus der Atomwirtschaft mehrheitsfähig und eingeleitet wurde. Ein solches Möglichkeitsfenster ist derzeit auch die weltweite Klimabewegung, die mit der schulstreikenden Greta Thunberg ihren Anfang genommen hatte.

Nicolai Diamant, MacherSchaft

Mobilisieren ist ein exzellentes Thema, das bestimmt allen etwas gebracht hat. Denn sämtliche Organisationen sind auf Ehrenamtliche angewiesen. Zudem inspiriert es, so viele Menschen aus einem ähnlichen Umfeld anzutreffen.

Strategien für Junge und Expats gesucht

Als weiteres systematisches Instrument nannte Diethelm die «Ladder of Engagement», also die Strategie, potenziell interessierten Menschen Sprosse um Sprosse neue Angebote zu präsentieren, die sie immer enger in die Organisation einbinden. Denn habe man bei einer Person einmal «den Fuss drin», also das Interesse geweckt, sei es einfacher, sie um weitere Leistungen anzufragen. Den Anfang macht die Medienarbeit. Eine zweite Sprosse erklimmt man, wenn man Sympathien generiert und dank Likes auf Facebook und anderen Social Media zu neuen Adressen kommt, die man direkt anschreiben kann. «Mails sind nach wie vor das beste Tool für einen direkten Kontakt», so der Kommunikationsexperte. Mit einem Mail oder einem Newsletter könne man in regelmässigen Abständen neue Mitmachmöglichkeiten vorstellen, von der spezifischen finanziellen Unterstützung über die Teilnahme an Veranstaltungen bis zum Besuch einer Sitzung – wo die Person allenfalls persönlich angeworben werden kann. Damit sich jemand stärker auf eine Organisation einlasse, sei die Identifikation wichtig: Wenn etwa eine Texterin anbietet, sämtliche schriftlichen Dokumente des Vereins zu redigieren, ist das eine äusserst wertvolle und darüber hinaus langfristige Leistung. Als letzter Schritt kann eine so eingebundene Person vielleicht motiviert werden, selbst eine Führungsaufgabe zu übernehmen und etwa dem Vorstand beizutreten. Idealerweise arbeite der Verein aber so, dass sämtliche Angebote – ob niederschwellig oder sehr verbindlich – parallel ablaufen und damit für jede Zielgruppe die passende Möglichkeit bereitstehen.

Ein Problem ist die Tatsache, dass sich vor allem Junge nicht mehr so gern an einen Verein binden und dort langfristige Aufgaben übernehmen. Expats wiederum leben berufsbedingt nur einige Monate oder Jahre in derselben Region, haben aber womöglich durchaus Interesse und Kompetenzen, sich zu engagieren.Nach Diethelms Präsentation konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer frei zirkulieren, an sieben Flipcharts zu je einer Frage diskutieren und Antworten auf die jeweils gestellte Frage notieren. Die 45 Minuten wurden intensiv genutzt, die Gruppen mischten sich ständig neu und führten spontan zu weiteren Gesprächskreisen. In der Schlussrunde präsentierten die Betreuerinnen und Betreuer der sieben Flipcharts die Ergebnisse:

Kenne ich die Engagement-Treppe? Wenn ja, woher?

Kaum jemand kennt das oben erwähnte Mobilisierungsinstrument der «Ladder of Engagement». Zudem macht es die heutige «Instant-Gesellschaft» schwer, Menschen über Einzelaktionen hinaus an eine Organisation zu binden. Als sinnvoll erachtet wird es, die eigenen Erfahrungen aus der Vereinstätigkeit an Dritte weiterzugeben und regelmässig Feste und ungezwungene Treffen abzuhalten – lustvolles Engagement beflügelt.

Habe ich die Engagement-Treppe schon einmal angewendet, und wenn ja, mit welchem Nutzen?

Um derart systematisch zu arbeiten, braucht es gewisse Kapazitäten, die manchen Nichtregierungsorganisationen (NRO) fehlen. Ein «Haus der Vereine» könnte da Abhilfe schaffen, ebenso der Sharing-Gedanke – also Infrastruktur und Wissen mit anderen NRO zu teilen. Eine Herausforderung ist es, potenzielle Mitstreiterinnen und Mitstreiter zwar persönlich anzuschreiben, aber dennoch nicht zu aufdringlich zu wirken.

Was sind meine Strategien und Massnahmen für mehr Engagement?

Wer sich für etwas ehrenamtlich einsetzt, will den Sinn hinter dem Projekt spüren. Eine begeisternde Idee und erreichbare Ziele und Zwischenziele sind sehr wichtig. Es lohnt sich auch zu fragen, was die Freiwilligen von ihrem Mitmachen haben: Befriedigung, neue Erfahrungen oder Erlebnisse, ein Praktikum oder sogar einen wirtschaftlichen Vorteil. Allenfalls kann es sinnvoll sein, einzelne Freiwillige eng zu coachen, damit sie sich die Arbeit auch zutrauen – und so ausführen, wie es dem Verein am besten dient.

Meine Erfahrungen beim Mobilisieren: Was würde ich besser machen?

Am effektivsten ist die persönliche Ansprache: Es lohnt sich, das Anliegen im eigenen Umfeld zu thematisieren. Zu prüfen sind auch Partnerschaften: Im Vorfeld der Klimademo 2019 etwa wurden für die Velo-Sternfahrt verschiedenste Organisationen angesprochen, die auf den Routen der Sternfahrt Unterstützung boten. Wichtig ist auch, sich unter Gleichgesinnten zu vernetzen, Beispiele sind der Dachverband Naturforum Regio Basel oder die Plattform BaselWandel.
Positive Erfahrungen werden auch mit zielgruppen- und genderspezifischen Aktionen gemacht. Kleine Aktionen sind durchaus wertvoll. Schliesslich lohnt es sich, auf Multiplikatoren zu setzen, etwa Kinder, welche die Botschaft dann an ihre Eltern herantragen.

Welcher Stellenwert hat Inspiration und Engagement bei meiner Arbeit, in meiner Organisation, bei mir selbst?

Lustvoll und effizient, das sind zwei Voraussetzungen, wie gemeinsam gearbeitet werden sollte, damit das Mitmachen Spass macht. Denn Verbissenheit lässt die Strahlkraft auch von wichtigen Botschaften verblassen. Nötig sind natürlich auch Kompetenzen, zudem bekannte Gesichter, die sich öffentlich mit der Botschaft identifizieren, und schliesslich die Authentizität, mit der die Botschaft vertreten wird. Auch diese Diskussionsgruppe betonte, wie wichtig kleine Erfolge und ihre Kommunikation sind. Aus ihnen können grössere Erfolge wachsen, wobei die gesteckten Ziele immer erreichbar bleiben müssen.

Welche Kampagnen kenne ich und was habe ich davon noch in Erinnerung?

Ob Stop-Aids, Anti-Shell, Nestlé-tötet-Kinder oder HEKS (Wellkarton als Kinderzimmer), meist sind es Bilder, die in Erinnerung bleiben. Selbst die Gilets Jaunes zeigen, dass es das Visuelle ist, was Eindruck macht – wobei der finanzielle Aufwand minimal bleiben kann. Flotte Sprüche («Trinken mit Linken», «Im Minimum en Gummi drum») bleiben ebenfalls im kollektiven Gedächtnis haften. Ein Problem bleibt, wie die Generation der U20 bis U30, die Plakate, Zeitungen und Nachrichten häufig ignorieren, mit solchen Botschaften angesprochen werden können.

Welche Rolle haben die Medien für die Mobilisierung?

Medienarbeit muss weitergedacht werden als vor 20 Jahren. Nach wie vor sind Berichte in Radio und Zeitungen sehr wertvoll, doch auch die eigenen Newsletter, Publikationen und Webseiten müssen gepflegt werden. Als weitere Bereiche der Medien sind Social Media und Inserate zu verstehen. In Bezug auf Basel wurde geklagt, es fehle eine interessierte Medienlandschaft, welche die Themen der Vereine aufnehme – teilweise aufgrund mangelnder Kapazitäten der Redaktionen. Diese Schwachstelle kann aber auch zur Chance werden, indem gut verfasste, aktuelle Medienmitteilungen gelegentlich praktisch unverändert abgedruckt werden.

Repair | Connect | Repeat – die ReparierBar in Basel

lächelnder älterer Mann mit Werkzeug in der hand

Reparieren statt wegwerfen. So heisst die Devise der ReparierBar in Basel. Am Samstag 16. November 2019 könnt ihr von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr eure kaputten Gegenstände bei der Macherschaft, Gärtnerstrasse 46, 4057 Basel, vorbei bringen und zusehen, wie sie für euch repariert werden oder sogar selbst mit anpacken. Ohne Anmeldung. Ohne Kosten. Mit viel Wertschätzung für lieb gewonnene Gegenstände.

Das ist die ReparierBar in Basel

Seit 2014 müssen wir unser kaputtes Hab und Gut nicht mehr mühsam einsenden oder sogar wegwerfen – wir können an einem Samstag in die ReparierBar spazieren und alle möglichen kaputten Dinge dort reparieren lassen.

So funktioniert’s

Du packst deinen kaputten Gegenstand ein und kannst ohne zu wissen, was genau kaputt ist in die ReparierBar kommen. Dort kümmert sich ein handwerklich begabtes Mitglied der ReparierBar um deinen Gegenstand. Du kannst bei der Reparatur zuschauen oder sogar mithelfen. Deinen zu reparierenden Gegenstand kannst du zwar nicht vor Ort lassen und es repariert wieder abholen aber die Erfolgsquote liegt bei über 50%. Die Wahrscheinlichkeit, dass du also mit einem Gegenstand nach Hause gehst, der so gut wie neu ist, ist also gross.

Quelle: unsplash – Alexander Andrews

Ein Vorbild gegen unnötigen Konsum

Die ReparierBar ist dabei keine Konkurrenz zum qualifizierten Handwerk, sondern will unnötigen Konsum nicht weiter anheizen und einer Wegwerf-Gesellschaft entgegenwirken. Velos, Schuhe, Handys und Brillen werden nicht repariert und sollten beim Experten abgegeben werden. Alles andere kann gerne vorbei gebracht werden. Mit ihrem Reparier-Engagement ist das Team der ReparierBar auch ein Vorbild von heute für morgen. In der Umweltagenda findet ihr noch weitere spannende Infos zur ReparierBar, zu anderen Vorbildern von heute für morgen und viele Veranstaltungen und Aktionen, die sich um das Thema Nachhaltigkeit drehen.

Quelle: unsplash – neonbrand

Mehr als eine Reparatur

Die ReparierBar bietet mehr als nur Reparaturen. Man kommt mit anderen in Kontakt, tauscht Know-How aus und lernt, wie mit Materialien und Werkzeugen umgegangen wird.

Probier’ es doch einfach mal aus und komm am Samstag 16. November 2019 von 11-14 Uhr in der Macherschaft vorbei. Das Team der ReparierBar freut sich auf deinen Besuch!

Nachhaltiger Konsum zum Anfassen – am Event «konsumGLOBAL»

Eine Gruppe junger Personen an einem Event der Umweltagenda

Ich habe schon einmal auf die Umweltagenda, die verschiedene Events im Bereich Nachhaltigkeit in der Region Basel beinhaltet, und die «Vorbilder von heute für morgen» des Amt für Umwelt und Energie aufmerksam gemacht. Heute möchte ich dir einen bestimmten Event der Umweltagenda vorstellen, der sich für dich, deine Umwelt und den Wandel unserer Wirtschaft richtig lohnen kann.

Eine Reise um die Welt in 90 Minuten

Am 21. Oktober hast du die Chance am Event «konsumGLOBAL» in Basel unserem Konsum auf den Zahn zu fühlen. Das Ökozentrum zeigt dir von 18:00 – 19:30 Uhr durch verschiedene Angebote, welche globalen Auswirkungen unser Konsum in der Schweiz hat, was eigentlich alles in unseren Produkten drin steckt und wie du nachhaltigen Konsum konkret umsetzen kannst.

Es gibt keine dummen Fragen, wenn es um unseren Konsum und dessen Auswirkungen geht

Der Event besteht aus Diskussionen, Rollenspielen und drei Stationen, die in der Stadt verteilt sind. Du lernst Konsum-Alternativen kennen und kannst unter anderem in detektivischer Arbeit in Einzel- oder Gruppenarbeit herausfinden, welche Inhaltsstoffe in unseren Produkten stecken. 

Dein Wissen ist der Schlüssel

Um überhaupt entscheiden zu können welche Produkte du kaufen willst, und somit welche Form von Wirtschaft du unterstützen möchtest, brauchst du das Wissen über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt und den möglichen Alternativen.

Mit dem Wissen, das dir der Event vermittelt, bist du gewappnet, um deine eigenen Konsum-Entscheidungen zu treffen. Du hast es dann in der Hand – nachhaltig konsumieren oder nicht.

Alternative Konsummöglichkeiten kannst du direkt vor Ort kennenlernen

Wer steckt dahinter?

Das Ökozentrum in Langenbruck forscht und engagiert sich seit 40 Jahren für eine nachhaltige Entwicklung. Mit verschiedenen Projekten in den Bereichen Forschung und Entwicklung, sowie Bildung und Gesellschaft deckt das Ökozentrum nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft ab. Als eines von vielen Vorbildern für die Welt von morgen bietet das Ökozentrum auch ausserhalb des Events Informationen und schulische und ausserschulische Bildungsangebote rund um das Thema Nachhaltigkeit an.

Erfahre mehr über die verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit, die in der Region Basel angeboten werden, in der Umweltagenda.

Green & Fair Fashion – KimiB.Good #9

KimiB.Good Folge 9 - Sustainable Fashion

Mit Nachhaltigkeits-Beraterin Claudia Staub habe ich im Podcast über die Lieferketten der Textilindustrie gesprochen. Aber was steckt nun alles in unserer Kleidung drin?

1500 Franken geben wir durchschnittlich im Jahr in der Schweiz für unsere zweite Haut aus. Das sind ca. 15 Kilogramm und entspricht ca. acht Hemden, einem Wintermantel, einer Jacke, fünf Hosen, sechs T-Shirts, vier Pullovern, zehn Paar Socken, zehn Unterwäschegarnituren und einem Abendkleid. Doch wissen wir eigentlich was hinter unseren Kleidungsstücken steckt?

Das steckt in meinem T-Shirt

  1. Baumwollanbau: Rund 2000 Liter Wasser verbraucht die Herstellung eines T-Shirts (eine Jeans braucht ca. 7000 Liter) vom Baumwollanbau bis zum letzten Waschgang. Dabei ist vor allem problematisch, dass Baumwolle in Gebieten angebaut wird, die unter hohem Wasser-Stress stehen. In Usbekistan führt u.a. die Baumwollproduktion dazu, dass eines der grössten Binnenmeere unserer Erde, der Aralsee, 60% seiner Fläche durch Austrocknung eingebüsst hat. Zudem kommen Problemfelder wie Pestizide und Kinderarbeit beim Baumwollanbau hinzu.
  2. Spinnen: In Indien wurde die Zwangsarbeit nach dem ‚Sumangali‘-System zwar verboten, doch in ländlichen Regionen werden den “glücklichen Bräuten” (was Sumangali bedeutet) immer noch Summen für ihre Hochzeit versprochen, die sie in diesem Umfang nie erhalten. Dafür arbeiten die minderjährigen Mädchen um die 12 Stunden Tag und Nacht, können sich nicht frei bewegen, leben in den Spinnereien unter sehr schlechten Bedingungen und werden verbal sowie sexuell angegriffen.
  3. Färben: Bis zu 3500 giftige, teilweise krebserregende Stoffe, werden zur Färbung von Textilien eingesetzt. Am Tag können das bis zu 2500 Kilogramm Chemikalien sein, die in den chinesischen Fabriken ungefiltert in Flüsse, Seen und schlussendlich in unsere Meere gelangen. Teilweise kann man an der Farbe der Flüsse erkennen, welche Trendfarben in der nächsten Saison en vogue sind.

4. Nähen: Unglücke wie der Einsturz des Rana Plaza Gebäudes am 24.04.2013 in Bangladesch mit 1127 tödlich Verunglückten und tausenden Verletzten kommen zum Glück nicht täglich vor, doch die Gefahr besteht. Die schlechten Arbeitsbedingungen mit einem Lohn unter dem Existenzminimum, massiven Überstunden und teilweise lebensgefährlichen Sicherheitsbedingungen werden vor allem im Vergleich deutlich:

Quelle:
https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/konsum/kleiderproduktion-modische-kleider-miserable-loehne

5. Kauf und Aussortieren: Bei einem Discounter T-Shirt bleibt denkbar wenig Lohn für Näherinnen übrig. Bei einem T-Shirt Preis von mindestens 30-40 CHF spricht man von einem gerechten Preis für ein fairgehandeltes T-Shirt. Fragt sich nur, wie man tatsächlich fairgehandelte und giftstofffreie Kleidung erkennen kann. Hierzu gibt Greenpeace gute Hilfestellung zu verschiedenen Zertifizierungen.
46’000 Tonnen Altkleider entsorgen Schweizerinnen und Schweizer jährlich. Nur 55 Prozent der ausgemusterten Ware wird als Second-Hand-Kleider verkauft. 35 Prozent verarbeiten die Industrien zu Rohstoffen, etwa Putzlappen oder Karton, und rund 10 Prozent der Kleiderspenden landen im Abfall.

6. CO2 Emissionen: Ein T-Shirt legt im Durchschnitt 20’000 Kilometer zurück, bis wir es im Laden kaufen können. Doch das ist nicht der einzige Posten, der CO2 Emissionen verursacht:

Quelle:
https://www.polarstern-energie.de/magazin/so-viel-energie-steckt-in-einem-t-shirt-wirklich/

Die guten Nachrichten

Nun wissen wir Bescheid. In einem T-Shirt zum Beispiel, steckt viel Arbeit, Energie und diverse wertvolle Rohstoffe. Warum also nicht bei meinem nächsten Einkauf oder beim nächsten Ausmisten das Kleidungsstück, das ich in den Händen halte etwas mehr wertschätzen. Und vor allem möchte ich mir in Zukunft, nicht nur bei Kleidung, zwei essentielle Fragen stellen, bevor ich entscheide: Brauche ich das wirklich? Wie viel ist es mir dann wert? Ich denke meine Kaufentscheidungen werden sich durch diese beiden Fragen wesentlich ändern.

Nicht nur bei mir hat das Wissen über Textillieferketten etwas bewegt. Die Textilindustrie ist schon länger daran, Lösungen zu entwickeln, um die Transparenz zu erhöhen und damit sozialen und ökologischen Problemen entgegenzuwirken. So wird zum Beispiel daran gearbeitet durch Digitalisierung eine ressourcenschonende Bekleidungsfertigung zu etablieren. Der Bund arbeitet in sogenannten Zukunftslabs mit Vertretern der Industrie, der Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen zusammen, um Ziele für eine faire und ökologischere Textilproduktion zu formulieren und umzusetzen.

Wie Claudia im Podcast erwähnt, hat sich seit dem Rana Plaza Unglück 2013 einiges geändert und Konsumentinnen wie ich sind aufmerksamer geworden, was die verschiedenen Problemstellungen im Textilbereich angeht. Allerdings bleibt noch sehr viel zu tun. Für alle die sich selbst nach nachhaltigen Modemarken umschauen wollen gibt es zum einen eine Zusammenstellung nachhaltiger Modelabels und eine Übersicht über nachhaltige Schuhlabels.

Was ich jedoch aus der ganzen Diskussion mitnehme und irgendwie am wichtigsten finde: Das Nachhaltigste ist seine Kleidung und Schuhe bewusst zu kaufen, länger zu tragen und sie durch Upcycling weiter zu verwenden.

Eure Kimi

Weitere nützliche Infos

Weniger ist mehr – Technik & Ressourcen – KimiB.Good #8 Teil 2

Reparieren statt neu kaufen lohnt sich

Im zweiten Teil meines Podcast zum Thema Technik & Ressourcen geht es weniger um den Ressourcenverbrauch bei Smartphones, wie im ersten Teil, sondern darum Dinge zu reparieren.

Gerade Smartphones werden bei uns heufig nach zwei, drei Jahren aussortiert. Dann muss das neuste Modell her. Im ersten Teil meiner 8. Folge hat mir Samuel das Shiftphone vorgestellt, das modular aufgebaut ist und man somit nicht auf technische Neuerungen verzichten muss. Obwohl man eigentlich noch ein “altes” Handy hat.

Im zweiten Teil habe ich mich mit Tore von kaputt.de unterhalten. Die Plattform ermöglicht es Handybesitzerinnen einen passenden Reparaturservice zu finden. Für alle, die es mal ausprobieren wollen, gibt es sogar einen exklusiven Gutscheincode, der 9,9% Rabatt auf die Bestellung im kaputt.de Shop bietet. Besser als nichts 🙂

Der Gutscheincode lautet: kimimeetskaputt.de

Ich habe mich aber nicht nur für die Reparatur meines alten Handy interessiert. Was ist, wenn ich andere Dinge habe, die ich reparieren könnte, es aber alleine nicht hin bekomme? Tatsächlich gibt es auch dafür eine schöne Lösung: Repair Café heisst sie. In der Schweiz sowie in Deutschland sind diese Cafés dafür da, gemeinsam Dinge zu reparieren, etwas gegen Müllberge, geplante Obsoleszenz und stetig steigenden Ressourcenverbrauch zu unternehmen – und das alles kostenlos. Ausserdem trifft man neue Leute und bekommt gute Tipps. Eine klasse Idee!

Bis jetzt habe ich noch kein Repair Café besucht, ich kannte sie ja auch nicht… aber sollte ich mal etwas reparieren wollen und weiss nicht wie, ist eines der Cafés sicher meine nächste Anlaufstelle. Probiert es doch auch mal aus. Aus eigener Erfahrung fühlt es sich ziemlich gut an, wenn man etwas repariert hat. Egal ob alleine oder mit Hilfe. Ist das gute Stück wirklich nicht mehr zu retten, kann man sich auch mit guten Gewissen etwas Neues anschaffen.

Ich wünsch’ euch auf jeden Fall viel Spass beim werkeln.

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Moni von Zero Waste Basel

Aktion am Stand von Zero Waste

Zero Waste – das dürfte mit der Weile jedem ein Begriff sein. Keinen Müll verursachen ist die Devise. Eine ganz und gar nicht einfache Ambition, wo doch alles doppelt und dreifach in Plastik, andere Kunststoffe, Papier oder Karton eingepackt ist. Moni ist Mitglied der Lokalgruppe in Basel von ZeroWaste Switzerland und eines der zahlreichen Umweltvorbilder des Amt für Umwelt und Energie Basel.

Ich habe Moni nach ihrem Engagement und den Hintergründen gefragt und ein paar sehr informative Antworten erhalten. Falls ihr noch mehr zum Thema Abfall, Abfallvermeidung und Abfallverwertung wissen wollt, hört euch meinen Podcast “Is’ doch alles Müll – I beg to differ!” an.

Was steckt hinter ZeroWaste Basel?

Moni: ZeroWaste Basel ist die Lokalgruppe von ZeroWaste Switzerland in Basel. Unser Ziel ist es die Bevölkerung zu sensibilisieren und dazu zu motivieren, ihren Abfall nachhaltig zu reduzieren. Dazu organisieren wir regelmässig Treffen und Workshops.

Aktion von zero waste Basel

Wie lange engagierst du dich schon bei ZeroWaste?

Moni: Seit Gründung von ZeroWaste Basel im Oktober 2016 und seit Anfang 2017 als offizielle Botschafterin.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für die Reduktion von Abfall einzusetzen?

Moni: Das Thema Umweltschutz und Müllvermeidung haben mich schon lange interessiert. Kurz nachdem ich auf die ZeroWaste Bewegung gestossen bin hat sich die Gruppe in Basel gegründet und ich konnte mich dort einbringen.

zero waste Picknick

Wie läuft es heute mit ZeroWaste?

Moni: Es gibt regelmässige Veranstaltungen zum Austausch, DIY-Workshops oder andere Aspekte, die ZeroWaste betreffen. Wir haben mehr als 800 Mitglieder in unsere Facebook-Gruppe und über 300 Personen haben unsere Facebook-Seite abonniert. Das zeigt uns, dass das Thema sehr aktuell ist und die Leute Informationen zu dem Thema suchen.

Wie hat sich ZeroWaste im Laufe der Zeit verändert?

Moni: Wir haben bemerkt, dass viele Teilnehmer an den Events nicht nur den Austausch suchen, sondern auch aktiv werden wollen. Deshalb haben wir vermehrt DIY-Workshops angeboten, z.B. wie man Putzmittel, Zahnpasta oder Deo selbst macht. Zusätzlich zeigen wir neu auch nicht nur wie man Müll vermeidet, sondern auch wie viel Müll tatsächlich entsteht und was damit passiert, z.B. indem wir Touren durch die Müllverbrennungsanlage in Basel organisieren.

Aktion und Stand von Zero Waste

Gab es in der Zwischenzeit bei euch bestimmte Erfolge, die ihr gefeiert habt?

Moni: Das Thema ZeroWaste und Müllvermeidung erregt immer mehr Interesse, auch durch die vielen Bilder in den Sozialen Medien von müllübersäten Stränden und Tieren, die mit Plastik im Magen verenden. Wir erhalten dadurch vermehrt Anfragen, darüber in grösserem Rahmen zu informieren und Workshops durchzuführen. Das hilft uns das Thema weiter bekannt zu machen und ein grösseres Publikum zu erreichen.

Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?

Moni: Littering ist mit Sicherheit eine der grössten Herausforderungen. Vor allem im Sommer ist es ein besonders grosses Problem, da durch Littering am Rheinbord in Basel viel Müll im Fluss landet. Bisher hat noch keine Massnahme das richtig eindämmen können.

Was machst du neben deinem Engagement bei ZeroWaste?

Moni: Frisch aus dem Mutterschaftsurlaub zurück und in verschiedenen Projekten engagiert.

Wie lässt sich dein Engagement bei ZeroWaste in dein Leben integrieren?

Moni: Sehr gut. Man muss sich gut organisieren und sich auch bewusst machen, wie viel Zeit und Energie man investieren kann und möchte. Das kann sich auch durchaus ändern. Daher ist es schön, dass wir ein tolles Team sind und uns gegenseitig unterstützen.

Zero Waste bei der Arbeit

Wo kann ich mich über eure Veranstaltungen informieren?

Moni: Auf der ZeroWaste Basel facebook Seite informieren wir über alle Veranstaltungen. Wir freuen uns immer über neue Gesichter!

Hast du einen Tipp für jemanden, der vielleicht noch nicht die nötige Motivation gefunden hat, sich in einem Bereich zu engagieren?

Moni: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle angehen sollte, um für uns, unsere Kinder, Geschwister, Nachbarn usw. eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Jeder kann mit ein paar einfachen Massnahmen etwas tun, ob es nun den CO2-Fussabdruck zu verkleinern ist, weniger Müll zu machen oder die Biodiversität zu fördern.