Nachhaltigkeit umgesetzt: Roger von LeNa – Lebenswerte Nachbarschaft

lebenswerte Nachbarschaft in Basel durch Verein LeNa

Bei “lebenswerter Nachbarschaft” habe ich zuerst an eine Kommune oder vielleicht auch an eine Art Wohngemeinschaft gedacht. Tatsächlich steckt aber hinter LeNa eine Wohngenossenschaft, die seit 2015 ein innovatives und durchdachtes Wohnkonzept der Zukunft vorantreibt.

Ich war neugierig und habe mich mit dem Vorbild Roger, der von Anfang an bei LeNa dabei ist, getroffen.

Roger-Portmann-Workshop zur Nutzungen des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Das Lebensraum-Konzept LeNa integriert verschiedenste Aspekte des Zusammenlebens, Menschen und Räume miteinander. Durch das Wohnkonzept, welches auf dem Westfeld in Basel im Rahmen eines von der Baugenossenschaft wohnen&mehr realisierten Neubaus bis 2023 entstehen soll, wird Menschen, die am Zusammenleben mit Austausch interessiert sind, eine nachhaltige Nachbarschaft ermöglicht. Ok, den Begriff “nachhaltige Nachbarschaft” hab’ ich gerade erfunden.

Was ich damit meine ist: LeNa macht es möglich umfassend nachhaltig zu leben. Vom Wohnraum, über die soziale Inklusion und die Ernährung, hin zur Mobilität.

Warum braucht es LeNa?

Unsere alltäglichen Strukturen machen es einem teilweise sehr schwer in vielen Facetten unseres Lebens nachhaltig zu sein. LeNa bietet neue Strukturen, die es den Bewohner_innen ermöglichen, ohne ständigen Verzicht und Einschränkungen, ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Leben zu führen.

LeNa nimmt die Herausforderung eines ganzheitlich nachhaltigen Lebensstils an und will damit eine Lösung für unseren übermässig grossen ökologischen Fussabdruck finden, ohne diese Lösung rein auf Verzicht und Einschränkung zu reduzieren. LeNa soll nicht weniger von allem sein – LeNa soll neues Denken und neue Strukturen bringen.

Welche Strukturen denkt LeNa neu?

Strukturen, die LeNa neu denkt und umsetzen wird, beziehen sich zum Beispiel auf die Grösse unseres Wohnraums und wie intensiv wir diesen heizen müssen, auf unsere Lebensmittel, wie und wo diese produziert werden und auf unsere Fortbewegung.

Infrastrukturen werden zusammengelegt und gemeinsam genutzt. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale Vorteile. Denn nicht jeder benötigt ständig eine grosse Küche. Nicht jeder einzelne Haushalt braucht eine eigene Badewanne. Ein Raum muss nicht für immer eine einzige Nutzung zulassen, sondern kann mal Fitnessraum, mal Maler-Atelier oder Partyraum sein.

Eine Herausforderung hierbei ist das allgemeine Vorurteil, dass gemeinsam genutzte Räumlichkeiten wie Bäder oder Küchen, meist in einem schlechten Zustand hinterlassen werden, da sich keiner wirklich verantwortlich fühlt. Diese Herausforderung wird bei LeNa in die Planung miteinbezogen, doch es liegt schlussendlich auch an den Menschen, die sich für eine lebenswerte Nachbarschaft entscheiden, dieses Vorurteil zu widerlegen.

Bei LeNa wird nicht nur der ökologische Aspekt miteinbezogen, sondern der Mensch und seine Beziehungen stehen im Mittelpunkt.

Dorf-Demokratie neu entworfen

Die Bewohner sollen ihren Lebensraum selbst gestalten können. So wird bei LeNa die Nutzung der gemeinsamen Räumlichkeiten durch die Bewohner bestimmt und umgesetzt. Es gilt hierbei auch Regeln für das gemeinsame Zusammenleben selbst zu bestimmen.

Workshop zu lebenswerten Nachbarschaft
Workshop zur Nutzung des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Effizienz gepaart mit Begegnungsmöglichkeiten

Bei LeNa geht es um Begegnungen – dann, wenn man will. Eine grosse Kantine bietet die Möglichkeit das Kochen der 77 Wohneinheiten effizient zu gestalten, sodass nicht jeder der 77 Haushalte ein eigenes Menü kochen muss, nicht 77 einzelne Kaffeemaschinen in Betrieb sein müssen und nicht 77 Personen, Familien oder Paare alleine essen müssen. Ganz nach eigenem Gusto kann man in der grossen Kantine mit den anderen Bewohnern zusammen essen, sich in eine privatere Nische zurückziehen oder das Essen mit in seine Wohnung nehmen.

LeNa-Haus Visualisierung der Hoffassade | Copyright: wohnen&mehr

Begegnungen finden bei LeNa aber nicht nur innerhalb des Wohnkonzepts statt, sondern auch nach aussen. Ein regionales Lebensmittelkonzept bietet Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben, die das frische Gemüse und Obst für alle Bewohner anliefern. Das optimiert den gesamten Prozess der Lebensmittelherstellung vom Anbau bis zum Kompost. Die Bewohner sind aber nicht nur Abnehmer der landwirtschaftlichen Produkte, sondern helfen auch bei deren Fertigung mit. Kann die Mithilfe nicht garantiert werden, wird der landwirtschaftliche Betrieb finanziell unterstützt, sodass die Produktion, trotz weniger Mithilfe gesichert ist. Stadt und Land rücken wieder näher zusammen.

Eine andere Art des Zusammenspiels von Begegnung und Effizienz zeigt sich dann, wenn sich die Lebenssituation einer Bewohnerin ändert, sie aber nicht ihr Wohnumfeld, in welchem sie gut integriert ist, verlassen möchte. Die jährliche Wohnungsbörse bietet den Tausch von Wohnungen an, ohne dass man die lieb gewonnene Umgebung verlassen muss.

Eine einfache Rechnung – die aufgeht

Um die Idee und Vorteile von LeNa zu verdeutlichen, hier ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn jeder in seiner Wohnung 2 Quadratmeter mehr Platz benötigt, um sich zu bewegen, zum Beispiel um Sport zu machen, sind das bei 77 Haushalten schon 154 Quadratmeter, die vielleicht zweimal in der Woche benutzt werden. Wenn man diese Fläche zusammenlegt, spart man Fläche ein und kann einen 50 Quadratmeter grossen Raum zur Verfügung stellen, der von allen für Bewegung genutzt werden kann. Alleine oder gemeinsam.

Der aktuelle Stand bei LeNa

Das Vorprojekt, welches intensiv von den Mitgliedern der LeNa Genossenschaft bearbeitet wurde, wird aktuell durch die Architekten und das Planungsteam von wohnen&mehr überarbeitet, damit die Lösungen abgerundet werden und ins Budget passen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 geplant und Ende 2022 soll der Bezug der Wohnungen starten.

LeNa-Haus Visualisierung der Forumfassade | Copyright: wohnen&mehr

LeNas Geschichte

LeNa besteht als Idee seit 2012 und als Genossenschaft seit 2015. Die Mitglieder waren seitdem auf der Suche nach einem Platz für ihre Idee. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt die Umnutzung des Felix Platter-Areals in Basel bekannt gegeben und LeNa war so von Anfang an interessiert und involviert. Der Beginn einer wunderbaren Kooperation.

Neugierig geworden? Dann mach mit!

Auf der LeNa-Website findest du aktuelle Neuigkeiten zum Projekt und die Möglichkeit selbst ein Teil des Projekts und der Genossenschaft zu werden.

Beim LeN-Apéro, der an jedem 18. eines Monats stattfindet, erhältst du neuste Infos zum Projekt und kannst die Mitglieder kennen lernen.

Die Arbeit der LeNa-Mietglieder beruht auf dem Miliz-Prinzip. Roger arbeitet neben seinem Engagement bei LeNa in Teilzeit im Gastronomie-Bereich und schafft es Dank eines unterstützenden Umfelds sein Engagement seit Jahren aufrecht zu erhalten. Wenn auch du dich für das Projekt LeNa oder für ein anderes Projekt, welches dir am Herzen liegt, engagieren willst, gibt es immer Mittel und Wege, wie du dafür Zeit und Energie finden kannst. Wichtig ist meiner Meinung nach es nicht zu zer-denken, sondern einfach mal anfangen zu machen.

Eure Kimi

 

Weitere Informationen:
LeNa über LeNa
Neustart Schweiz
Basel Westfeld – Felix Platter Areal 

Geld ist nicht neutral – Geld, Klima und Greta – KimiB.Good #7 Teil2

Geld ist nicht neutral Podcast Teil 2

Geld, Menschen, Klima. Alles hängt zusammen.

Durch Divestment, Impact Investment und Geldanlagen in kritisch geprüfte Unternehmen, die der Gesellschaft und dem Klima einen Mehrwert bringen, können wir die Zukunft massgeblich beeinflussen. Erol, von der Raiffeisenbank, hat in Teil 1 meines Podcasts #7 “Geld ist nicht neutral” eine Einführung in das Thema gegeben. Nun folgen zwei Beispiele, die zeigen, was wir alle konkret unternehmen können, um aktiv mit unserem Geld Gutes zu tun.

Was aus einer ganz schön langen Fahrrad-Reise entstehen kann und wie es responsAbility genau schafft, nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu denjenigen zu bringen, die dieses Wachstum brauchen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, erfahrt ihr im Podcast und auf der Website von responsAbility.

Um in sogenannte grüne Anlagen investieren zu können, müssen nicht unerhebliche Beträge an Investitionen von fossilen Brennstoffe abgezogen werden. Die Bewegung, die dies beschleunigt, heisst Divestment. Der Verein fossil-free unterstützt, neben vielen anderen Organisationen, dass sich institutionelle Anleger, wie Universitäten, religiöse Institutionen und Pensionskassen, von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennen, die nicht ökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind. Über die Zusammenhänge zwischen Geld, Klima und Menschheit habe ich beim Mittagessen im schönen Café Bohemia in Basel mit Dominic diskutiert.

Gute Nachricht oder Panik

Greta Thunberg, das 16-jährige Mädchen aus Schweden, das der Klimabewegung der jungen Generation ein Gesicht gibt und alle Schüler freitags zu “Schulstreiks für das Klima” aufruft, konnte sich am WEF (Word Economic Forum) an die Welt wenden: “I don’t want you to be hopeful. I want you to panic.” Diese Aussage steht eigentlich im Widerspruch zu meinem Konzept der guten Nachrichten, mit dem ich euch zum Nachdenken und Handeln zu bewegen will. Trotzdem ist der Weg von Greta ein wichtiger und richtiger Weg. Die Dringlichkeit mit der wir ***setze hier ein beliebiges Fluchwort ein*** handeln müssen, gibt ihr bedingungslos recht. Es bleibt keine Zeit uns auf die Schulter zu klopfen und darauf auszuruhen, was wir bis jetzt geschafft haben.

Nichtsdestotrotz: Dass sich ein Mädchen, das aus gesundheitlichen Gründen eigentlich lieber mit niemandem reden würde, vor die Welt stellt und uns klipp und klar sagt, dass wir uns und unser Verhalten, unsere Überzeugungen und Lebensstile ändern müssen, um eine bessere Zukunft zu ermöglichen, ist für mich persönlich eine wunderbare Nachricht und enorm positiv für das gesamte, breite Thema Nachhaltigkeit. Sie macht ihre Generation nicht nur auf das Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel aufmerksam. Sie zeigt: Politisches Engagement kennt kein Alter.

Leidensdruck ist nötig für Veränderung

Leidensdruck, eine gewisse Panik – das braucht es um seinen Hintern endlich zu bewegen. Trotzdem habe ich, wenn ich Greta und ihre vielen Anhänger sehe, Hoffnung für die Gegenwart und für die Zukunft. Hoffnung für die Gegenwart, in der eine Generation heranwächst, die sich der prekären Situation bewusst ist, die nicht zweifelt, sondern handelt. Hoffnung für die Zukunft, in der nicht nur geredet, sondern umgesetzt wird.

Um mit Gretas guter Nachricht abzuschliessen: “Humanity as not yet failed.”

Eure Kimi

Frau hält geballte Faust in die Luft

NZZ – Greta Thunberg: WEF war kein Erfolg für das Klima
NZZ – 16-jährige Greta Thunberg am WEF: «Wir müssen den Ausstoss von Treibhausgasen stoppen.»
WEF – World Economic Forum
WWF Leitfaden für Bankkunden
Pensionskassen-Rating 2018/2019 – Inrate
Greta Thunberg: facebook ¦ Instagram ¦ Twitter

Geld ist nicht neutral – KimiB.Good #7 Teil1

Geld ist nicht neutral

Geld ist nicht neutral

Eigentlich möchte man zur Weihnachtszeit nicht unbedingt über Geld nachdenken. Die Menschen, die uns lieb sind, stehen im Vordergrund. Doch unser Geld und in was wir unser Geld anlegen (lassen) hat beträchtliche Auswirkungen auf das Klima und somit auf alle Menschen – auch die, die uns lieb sind.

sustainable investment

Warum das Thema Geld überhaupt wichtig ist

Im Zuge der Klimakonferenz in Katowice (2. – 15. Dezember 2018) wurde noch einmal die Dringlichkeit zu Handeln deutlich: Antonio Guterres (UN-Generalsekretär) machte deutlich, dass Klimawandel eine “Frage von Leben und Tod” für viele Menschen ist. Bei der 24. UN-Klimakonferenz (COP) ging es um konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad.

Doch nicht nur die Klimakonferenz in Katowice macht Druck zu handeln: In seinem Emissions Gap Report legte das Unep Ende November 2018 dar, dass die weltweiten Treibhausgas-Emissionen neue Höchststände erreicht haben. Damit rücke das Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, in noch weitere Ferne.

Dollar signs in all our eyes

Auch der Weltklimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel Anfang Oktober aufgezeigt, dass “schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen” nötig sind, um dieses Ziel noch zu erreichen und katastrophale bzw. nicht mehr vorhersagbare Klimaänderungen bis Ende diesen Jahrhunderts zu vermeiden oder zu minimieren.

Es kann gut sein, dass sich der oder die eine oder andere beim Sonderbericht des IPCC denkt: “Ja gut, Ende diesen Jahrhunderts… da bin ich eh nicht mehr da.” Dieser nach-mir-die-Sintflut-Gedanke wird wohl eher den Leuten ohne Kinder kommen aber auch für die habe ich ein paar interessante Gedanken:

2017 ging als das verheerendste Extremwetterjahr weltweit in die Geschichte ein. Um es kurz in Zahlen zu fassen: Mehr als 11.500 Todesopfer und über 375 Millarden US-Dollar (in Kaufkraftparitäten) Schäden waren zu verzeichnen. Jedes Land ist mittlerweile betroffen. Nicht nur tropische Regionen oder Regionen über die wir eher als Urlaubsziel nachdenken. Es ist vor unserer Haustür angekommen und es wird echt übel, wenn wir nichts machen. Auch noch während unserer Lebenszeit.

One Dollar better spent right

Menschen, Wirtschaft, Zukunft – alles hängt zusammen

Wer sich aber eher weniger um Menschen Gedanken macht, sondern ein Vollblut-Wirtschaftler ist: Sorry, sieht auch hier eher schlecht aus. In den nächsten Jahrzehnten wird die Weltwirtschaft deutliche Rückstösse verzeichnen (z.B. im Import-/Export-Sektor) wenn wir unsere Treibhausgasemissionen nicht entschieden und langfristig in den Griff bekommen.

Ok, vielleicht kommt langsam der “Oh shit… könnte evtl. doch unangenehm für mich werden”-Gedanke. Ja? Sehr gut. Dann hab ich euch und mir jetzt genug eingeschenkt und gehe jetzt zur Lösung und den Good News über. Denn bei all der Dringlichkeit und den katastrophalen Aussichten bringt es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir brauchen ein Bewusstsein für das was um uns herum passiert, um handeln zu können.

Das Geld in deinen Händen

Die Schwierigkeit wirklich etwas zu unternehmen

Also, bewusst ist uns die Sache jetzt. Dann lasst uns mal was machen. Aber was? Wie? Und… meh… ich hab irgendwie kein Bock für das Klima auf mein Auto zu verzichten.

Fragt euch zunächst, wie wichtig euch das Thema Klimawandel ist und was ihr in welchem Ausmass langfristig in eurem alltäglichen Verhalten und Handeln umstellen könnt, damit das Ganze überhaupt Sinn macht. Das Thema hat mehr mit Einstellungsänderung als mit “mal kurz auf was verzichten” zu tun.

Unser Geld kann mehr – the Good News

Einen wichtigen Hebel in Bezug auf den Klimaschutz habe ich anfangs schon erwähnt: Dein Geld. Macht man sich im Bereich Finanzen vor dem Anlegen Gedanken und berücksichtigt das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung von Unternehmen in die man investiert, kann man ordentlich Einfluss auf CO2 Emissionen, sprich auf den Klimawandel nehmen. Das kann sogar gewinnbringend für dich sein.

Landkarte Schweiz mit CO2 Emissionen visualisiert
Quelle: Beat Jans – Für einen klimafreundlichen Schweizer Finanzmarkt

Der Finanzmarkt ist zwar nicht das sicherste Pflaster aber es gibt heute genug solide Quellen die aufzeigen, dass nachhaltige Anlagen und Fonds nicht schwächer oder riskanter sind als konventionelle. Eher im Gegenteil. Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich Sustainable Finance haben häufig bessere Rendite-Profit-Profile und bieten ein geringeres langfristiges Risiko, vor allem wenn man die Risiken des Klimawandels miteinbezieht. Natürlich kommt es auf das einzelne Produkt an. Hierzu erfahrt ihr mehr Details im Podcast “Geld ist nicht neutral Teil1”.

Wer sich über nachhaltige Anlagen informieren möchte, kann entweder zum Experten seines Vertrauens gehen, jedoch ist es nicht verkehrt sich vorab über die eigenen Anlage-Absichten (auch hierzu mehr im Podcast) klar zu werden und sich in die Gründzüge des nachhaltigen Investierens einzulesen:

Für einen klimafreundlichen Schweizer Finanzmarkt

CRIC – Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage

Eurosif – promoting sustainability through european financial markets

Eurosif Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds

Pensionskassen investieren nachhaltiger – Handelszeitung

Nachhaltiganlegen.ch

ToMoRRoW – nachhaltiges Girokonto fürs Smartphone

Alternative Bank Schweiz

Microfinance

Ich wünsche euch natürlich zunächst ein Geld-Gedanken-freies-Fest, einen genialen Rutsch ins neue Jahr und eine ordentliche Portion Neugier, damit ihr im Januar auch in den 2. Teil von “KimiB.Good – Geld ist nicht neutral” rein hört.

Von guten Vorsätzen halte ich nichts aber wie wär’s wenn wir versuchen bei der nächsten Geld-Gelegenheit zweimal zu überlegen 🙂

Eure Kimi

 

Nachhaltigkeit umgesetzt: Marie & Tilla von UP

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit

Marie und Tilla arbeiten beim Verein UP und engagieren sich von Herzen für das Thema Genügsamkeit. Ich habe die beiden Vorbilder des Amts für Umwelt und Energie getroffen und sie zu ihrem Engagement und dem aktuellen Stand bei UP (Umweltplattform.ch) befragt.

Das Engagement von Marie und Tilla bei UP

Was beinhaltet das Projekt UP?

Zum einen organisieren wir von UP in verschiedenen Städten der Schweiz Pop-UP Events, die wir “Fun and Action Events” nennen. Das sind kurze, lustige, spannende und innovative Events zum Thema Nachhaltigkeit. Insbesondere widmen wir uns dabei dem Thema Genügsamkeit bzw. Suffizienz. Diese veranstalten wir, um möglichst viele Menschen für diesen Lebensstil zu begeistern und sie zum Nachdenken anzuregen, ohne aufdringlich zu sein oder ständig von Verzicht zu sprechen.

In kleineren Städten unterstützen wir auch Projekte der lokalen Bevölkerung zum Thema Nachhaltigkeit, das nennen wir Co-Creation. Wir helfen dann dabei, die Projekt-Ideen konkret umzusetzen, indem wir interessierte, motivierte Menschen zusammenbringen, sowie unser Know-How und unser Netzwerk zur Verfügung stellen. Diese Projekte fördern im Idealfall auch einen suffizienten Lebensstil in der lokalen Community. Wir sind aber sind natürlich auch anderen Nachhaltigkeitsthemen gegenüber offen, denn es ist uns wichtig, dass die Projekte von der lokalen Bevölkerung getragen werden.

In welchen Städten seid ihr mit euren Events tätig?

Wir sind in zwei grösseren und vier kleinen Städten unterwegs. Die beiden grösseren sind Basel und Zürich. Zu den kleineren Städten gehören Solothurn, Locarno und La Chaux-de-Fonds. In Davos waren wir auch lange aktiv.

Neben unseren fun&action Events zur Genügsamkeit unterstützen wir in den Grossstädten Projekte, die sonst kaum Unterstützung erhalten. In den kleineren Städten liegt der Fokus eher auf den Aufbau von konkreten lokalen Projekten.

Wer steckt hinter UP?

Wir sind ein Team aus 6 Frauen. Eine Koordinatorin, eine Kommunikationsverantwortliche und in jeder Region jeweils eine Eventmanagerin. Wir können aber unsere Events und Projektunterstützung nicht ohne die vielen Freiwilligen von UP auf die Beine stellen. Pro Stadt sind das von ca. 5-10 Personen, die sehr aktiv freiwillig mithelfen.

Wie lange besteht das Engagement?

Tilla und ich sind in Teilzeit bei UP angestellt. Tilla ist seit Februar 2018 als Eventmanagerin für Basel dabei und ich, Marie, bin als Kommunikationsverantwortliche seit Mai 2017 dabei.

Die Plattform UP gibt es seit dem Frühling 2016 und war zu Beginn ein Projekt der Umweltallianz, welches auch durch die Organisationen der Umweltallianz finanziert wurde. Seit 2018 finanzieren wir uns aus anderen Quellen von nationalen und lokalen Stiftungen und Ämter.

Wie kam es zum Engagement?

Uns beiden ist es wichtig, dass wir beruflich etwas machen, wohinter wir stehen können. Etwas mit Sinn. Der Umweltschutz liegt uns sehr am Herzen und auf der Suche nach einem Job in diesem Bereich und einer Organisation hinter der wir stehen können, sind wir beide, unabhängig, auf eine Stellenausschreibung von UP gestossen, haben uns beworben und glücklicherweise dürfen wir jetzt für UP arbeiten.

Heutige Situation

Wie läuft es heute mit dem Projekt?

Es läuft generell gut bei UP. Wir werden uns allerdings für nächstes Jahr an die Überarbeitung unserer Strategie setzen, um den Fokus von UP in Basel und Zürich wieder etwas klarer fassen zu können und unsere Energie zu bündeln, um unser wichtigstes Bestreben, nämlich Menschen für einen genügsamen Lebensstil zu begeistern, umsetzen zu können.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Was wir im Laufe der Zeit gemerkt haben ist, dass der Prozess neue gute Ideen, für zum Beispiel Events, zu generieren viel Energie kostet und wir schon umgesetzte gute Ideen, die funktioniert haben, auch weiter verwenden könnten. Hier wird sich in Zukunft wahrscheinlich auch an der Ideen-Effizienz etwas ändern. Dadurch lässt sich auch die Wirkung unserer Events verstärken, was wiederum auf unser Ziel einzahlt.

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche, Erfolge?

Ein Erfolg der nicht lange zurückliegt, ist das Oster-Eier-Event von Anfang Dezember. Wir haben uns auf der mittleren Brücke in Basel als Osterhasen verkleidet und mit spielerischer Konsum-Kritik die Passanten auf Eier-Suche geschickt. Die Eier enthielten Zeitgeschenke. Solche ein Zeitgeschenk konnten die Passanten dann auch aufschreiben und ihren Liebsten schenken. Ganz im Sinne der Genügsamkeit. Die Aktion war ein toller Erfolg, da wir im Zentrum des Konsums viele Menschen erreicht haben, die sich mit dem Thema Genügsamkeit sonst nicht auseinandersetzen. Die Aktion kam gut an und es haben viele Leute mitgemacht.

Wir schaffen es immer wieder mit solchen Events den Leuten bewusst zu machen, was Genügsamkeit im positiven Sinn bedeuten kann, ohne belehrend zu sein.

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit
Legende: An unserem letzten Event in Basel haben Passanten an einer lustigen Ostereiersuche mitgemacht und Zeitgeschenke an ihre liebsten geschenkt. Somit haben wir sie auf positiver Weise auf das Thema Überkonsum
während der Weihnachtszeit aufmerksam gemacht.

Gab es auch Herausforderungen und Rückschläge?

Bei UP hängt, wie bei anderen Organisationen, die auf Freiwilligenarbeit aufgebaut sind, viel von einzelnen Menschen und ihrem Netzwerk ab. Verlässt eine Person, die eine stärkere Beziehung zu den lokalen Freiwilligen hat, die Organisation, kann es gut sein, dass viele Freiwillige abspringen. Das kann man nicht verhindern und man muss dann stark an den neuen Beziehungen arbeiten. Das ist immer wieder eine Herausforderung. Der Vorteil bei uns ist aber, dass wir kaum Verpflichtungen von den Freiwilligen einfordern, um sie nicht zu sehr zu belasten. Damit fahren wir sehr gut.

Wir haben auch gemerkt, dass man als Eventmanager/-in die Stadt in der man tätig ist, kennen muss und wissen muss, was die Stadt oder die Region benötigt.

Engagement als Beruf(-ung)

Beschäftigung des Vorbilds neben dem Engagement

Wir sind beide in Teilzeit angestellt bei UP. Daher sind wir in der angenehmen Position, dass wir neben der Anstellung bei UP auch noch Zeit für andere Aktivitäten und anderes Engagement haben.

Wie lässt sich das Engagement in das Leben integrieren?

Es ist eine Entscheidung, die wir getroffen haben. Eine Entscheidung sich für Dinge einzusetzen oder für etwas zu arbeiten, hinter dem wir stehen und was für uns sinnvoll ist. Das Geld, also der monetäre Lohn, spielt eine klar nachgelagerte Rolle. Es kommt also auf das eigene Wertesystem an. Will man sich effektiv und langfristig engagieren, muss man sich die Frage stellen: Ist mir soziales Engagement bzw. der Einsatz für den Umweltschutz wichtiger als langfristig nach monetärem Reichtum zu streben? Es kommt darauf an, was einem wirklich etwas wert ist.

Nachfrage Veranstaltungen des Vorbilds

Wir haben am 12. Dezember eine Food-Waste-Party in einem Vegi-Restaurant in Locarno veranstaltet. Dort haben wir mit “gerettetem” Gemüse eine Suppe für alle gekocht. Am 13. Dezember haben wir unseren ersten Event in Solothurn umgesetzt. Wir haben an einem Stand am Weihnachtsmarkt das Thema Zeitgeschenke vorgestellt und Workshops organisiert. Weitere Veranstaltungen finden Interessierte auf unserer Website oder auch auf der facebook Seite von UP.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Dominic von fossil-free

Die Mitglieder von fossil free in Basel engegieren sich für Divestment aus fossilen Brennstoffen

Auch nach der Filmreihe des Amts für Umwelt und Energie (AUE) in Basel, “Kraft der Lokalen“, haben mich die Vorbilder des AUE nicht losgelassen. So viele Menschen, die sich in verschiedensten Bereichen engagieren, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu treiben – da kann ich nicht anders: Ich habe mich mit weiteren Vorbildern getroffen und sie nach dem aktuellen Stand ihres Engagements gefragt und wie sie es schaffen es in ihren Alltag zu integrieren.

Dieses Mal habe ich mich anlässlich der zurzeit stattfindenden Klimakonferenz in Katowice mit Dominic vom Verein fossil-free getroffen.

Dominics Engagement bei fossil-free

Was beinhaltet das Projekt fossil-free?

Fossil-free ist ein Verein und Teil einer globalen Kampagne, die von der Umweltorganisation 350.org ins Leben gerufen worden ist. Wir sind in der Schweiz vor allem in Zürich aktiv. Ich bearbeite mit ein paar Mitstreiterinnen den Raum Basel mit besonderem Augenmerk auf die Pensionskasse Basel-Stadt.Es gibt auch noch Gruppen zum Beispiel in der Romandie.

Penstionskasse Basel-Stadt schluss mit fossilen Brennstoffen
Was ist das Ziel eures Engagements?

Wir wollen Divestment aus fossilen Brennstoffen gezielt lokal vorantreiben und auf wichtige Investoren wie Pensionskassen zugehen, um sie vom Divestment zu überzeugen. So können wir pro Region fokussiert vorgehen und dies überall auf der Welt bzw. überall dort, wo wir schon aktiv sind. Wir fordern von den jeweiligen Unternehmen oder Institutionen, dass sie ihre Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen.

Wie kam es zu deinem Engagement bei fossil-free und seit wann bist du dabei?

Die Kampagne wurde 2012 in den USA ins Leben gerufen und ist seit 2015 weltweit aktiv.

Ich habe vor vier Jahren das Buch “This Changes Everything – Capitalism vs. The Climate” von Naomi Klein gelesen und gleichzeitig bin ich Vater geworden. Diese Kombination hat mich dazu angeregt aktiv zu werden. Ich bin dann durch 350.org auf die Divestment-Kampagne aufmerksam geworden und habe online nach Aktivitäten in der Schweiz gesucht. Auf der fossil-free Website bin ich dann auf den Klimatag, anlässlich der Pariser Klimakonferenz aufmerksam geworden und habe an diesem Anlass in Zürich die Vereinsmitglieder direkt angesprochen und gefragt, ob ich sie unterstützen kann. Seitdem bin ich dabei und kümmere mich vor allem darum, dass die Pensionskasse Basel-Stadt ihre Investments aus fossilen Brennstoffen abzieht.

fossil-free fordert Divestment der Pensionskasse Basel-Stadt

Heutige Situation

Wie läuft es heute bei fossil-free in Basel?

Das Projekt läuft gut und wir sind immer wieder aktiv. Natürlich gibt es Phasen, in denen wir mal mehr und mal weniger für die Kampagne unternehmen aber das liegt in der Natur der Freiwilligenarbeit. Es gab ein Jahr, in dem etwas weniger gelaufen ist und sich die Situation für den Verein weiterentwickelt hat aber nun sind wir wieder aktiv.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Es gab immer wieder Schwankungen in der Anzahl von Personen, die uns unterstützt haben aber unser Kern-Team aus drei Personen ist stabil geblieben und wir sind alle immer noch sehr motiviert und aktiv. Wir freuen uns immer über Unterstützer/-innen, auch für eine etwas kürzere Dauer.

Verein fossil-free in Basel

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche/Erfolge?

Ja, letztes Jahr haben wir uns an Versicherte der PKBS (Pensionskasse Basel-Stadt) gewendet und mit ihnen zusammen eine Petition auf die Beine gestellt, in der Versicherte selbst fordern, dass die PKBS aus dem Investment in fossile Brennstoffe aussteigt.

Wir haben dann eine Übergabe mit der Geschäftsführung der PKBS vereinbart und konnten uns in einem offenen Gespräch auf Augenhöhe mit ihnen austauschen, unsere Forderungen anbringen und über Divestment-Strategien diskutieren.

Ein weiteres tolles Erlebnis für mich war zu sehen, wie kurz die Wege in Basel sein können. Ich hatte Kontakt mit Politikern, die sich für das Thema einsetzen und konnte beim VPOD (Gewerkschaft für Staatsangestellte) einen Vortrag zu Divestment halten und danach wurde direkt eine Resolution verfasst, um das Thema zu unterstützen.

Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?

Man muss den Druck stets hoch halten, damit sich etwas ändert. Das ist eine ständige Herausforderung, macht unsere Arbeit aber auch so wichtig. Wir agieren auch nicht alleine, sondern sind zum Beispiel Teil der Klimaallianz, in der sichviele Organisationen zusammengeschlossen haben, um den Klimaschutz in der Schweiz voranzutreiben und die sich für Divestment einsetzt. So wird der Druck aus vielen verschiedenen Richtungen aufrechterhalten. Es läuft also an den unterschiedlichsten Stellen etwas zum Thema Divestment. Unser Beitrag ist dann oft auch zu zeigen, dass die angesprochenen Organisationen/Institutionen nicht alleine sind, sondern es viele Beispiele aus unterschiedlichen Ländern gibt, welche bereits vollständig aus Investitionen in fossile Brennstoffe ausgestiegen sind (nachzulesen unter: https://gofossilfree.org/divestment/commitments/). Zudem wird die Gewichtung unserer Forderungen durch die Verbindung mit einer globalen Kampagne meist grösser.

Herausfordernd ist auch, dass die Unternehmen und Institutionen, die wir ansprechen immer auf Zeit spielen. Davon haben wir leider, was den Klimawandel betrifft, immer weniger.

Engagement als Nebenberuf(-ung)

Was machst du wenn du nicht gerade Institutionen vom Divestment überzeugst?

Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und Vater von zwei Kindern J

Wie lässt sich freiwilliges Engagement ins Leben integrieren?

Ich würde sagen, wenn man eine Gruppe von Leuten findet, mit denen es Spass macht sich zu engagieren, dann ist es einfach das in sein Leben zu integrieren auch wenn man vollberuflich tätig ist und Familie hat. Vor allem merkt man in einer Gruppe auch, dass man gemeinsam wirklich etwas bewirken kann und vor allem schneller etwas bewegen und lösen kann. Sich in eine Gemeinschaft zu begeben, die sich einem Engagement widmet, hilft die Schockstarre zu überwinden, die man vielleicht hat, wenn man den neusten IPCC Bericht liest und einem die Dringlichkeit des Handelns bewusst wird. Zudem ist Spass beim Engagement für ein solches Thema wichtig, weil man sonst eventuell schnell frustriert ist und das Engagement nicht aufrecht erhält, was jedoch essentiell ist.

Es ist schwierig pauschal einen Tipp zu geben, wie man freiwilliges Engagement in sein Leben integrieren kann, da jeder anders ist. Ich tausche mich zum Beispiel sehr gerne mit Leuten aus, spreche aber ungern Fremde auf der Strasse an, um ihnen zum Beispiel Flyer zu geben.

Kommende Veranstaltungen von fossil-free

Im Veranstaltungskalender auf der fossil-free Website kann man sich über die aktuellen Veranstaltungen informieren.

Unabhängig von fossil-free haben ein paar Leute, die ich durch fossil-free kennengelernt habe den “Klimaznacht” ins Leben gerufen. Zu diesem Abendessen ist jeder herzlich willkommen und wir sprechen, wie der Name schon sagt, bei einem Abendessen über Klima-Themen und suchen nach neuen Ideen und Wegen aktiv zu werden.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Esther, Samuel und die Climate Changers

Anders als bei den vorhergehenden Filmen der Reihe “Kraft der Lokalen“, “Das Wunder von Mals” mit Felix und “Zeit für Utopien” mit Aaron und Till, konnte ich diesmal direkt mit den Filmproduzenten sprechen.

Samuel, freischaffender Journalist, der sich überwiegend mit Themen in Bezug auf Umwelt und nachhaltige Entwicklung befasst, erzählte Esther, Grafikdesignerin und Filmemacherin, bei einem Mittagessen von seinem Vorhaben. Es ist 2015 und er will nach Paris, um die historische Klimakonferenz COP21 zu dokumentieren, die zu einem neuen internationalen Klimavertrag führen soll. Das Mittagessen findet zwei Wochen davor statt und Esther ist sofort Feuer und Flamme für die Idee, Samuels Vorhaben filmisch zu begleiten.

Die beiden haben nicht die offizielle Klimakonferenz innerhalb der Hallen dokumentiert, sondern die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten auf der Strasse.

Rote Rosen vor dem Eifelturm als Symbol der COP21 Bewegung

Die Klimakonferenz in den Pariser Strassen

Tausende Aktivisten, Gruppen verschiedenster Art, Workshops, Präsentationen, Flash Mobs – alles fand auf den Pariser Strassen, abseits der Diskussionen der Konferenzteilnehmer statt. Esther und Samuel zeigen in ihrem Film “The Climate Changers”, eindrucksvoll und teilweise sehr ergreifend, die Stimmen und Motive derjenigen, die Handeln und sich nicht mehr nur Gedanken machen wollen. Gedanken um ca. 26 Millionen Klimaflüchtlinge pro Jahr, gravierende ökologische Konsequenzen des Klimawandels wie Fluten, Dürren und Stürme sowie über mögliche Lösungen, die jeder Einzelne umsetzen kann.

Man hat den Eindruck, dass die Leute auf den Strassen von Paris die Dringlichkeit der Situation verstanden haben und statt nur zu diskutieren, auch handeln wollen. Und zwar jetzt.

Alle gehen auf die Strasse

Klimawandel ist schon lange kein rein ökologisches Problem mehr. Es betrifft Umwelt, Wirtschaft und Menschen in gleichem Ausmass. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort “Klimagerechtigkeit“.

Für Klimagerechtigkeit

Studenten, Fracking-Geschockte und –Geschädigte, Gläubige, Blogger, Journalisten, Interessierte, Engagierte, Aktivisten, Idealisten. Ihre Projekte und Motive sind so unterschiedlich, dass man kaum glauben kann, dass sie alle auf verschiedensten Wegen ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich darüber absolut einig sind:

Für Klimagerechtigkeit sorgen und die Welt vor einer Erwärmung von über 1.5 Grad bewahren.

 

Wenn nicht wir, wer dann?

Ob “Sustaina Clause”, Zero-Waste-Aktivist aus Afrika, Ex-Politiker von den Philippinen, #muslims4climate, Gegner des Damm-Baus in Brasilien, Unterstützer der indigenen Gruppen in Indonesien oder bekannte Künstler – alle wissen um die Klima-Problematik und keiner von ihnen stellt sich überhaupt noch die Frage ob oder was man machen sollte – Lösungen müssen her.

Die Bilder, Worte und Stimmungen, die Esther und Samuel im Film “Climate Changers” festgehalten haben sind eindrücklich und motivierend. Doch im Laufe des Films kommt die Frage auf: Was bleibt davon? Wie kann diese Aufbruchsstimmung aufrechterhalten werden? Vor 3 Jahren standen alle Zeichen auf Hoffnung. Heute, kurz vor der nächsten Klimakonferenz in Polen, mit einem amerikanischen Präsident, der den Pariser Vertrag kündigen will, vielen konservativen politischen Bewegungen, die uns an eine düstere Zeit erinnern und einer Wirtschaft, die es noch nicht schafft ein langfristiges Denken zu entwickeln, machen sich Frust und Ernüchterung breit.

Für etwsa einstehen und handeln

Wenn ich so darüber nachdenke – das ist irgendwie immer so mit wichtigen Dingen. Sie fallen einem nicht in den Schoss. Man muss sich anstrengen, beharrlich sein, durchhalten. Es wird immer, in jeder wichtigen Sache unseres Lebens, Höhen und Tiefen geben. Das ist völlig normal. Wichtig ist einzig und allein nicht aufzugeben. Den Idealismus am Leben zu erhalten.

Diese – ja man könnte schon fast sagen Lebensweisheit – lässt sich auf das gesamte Leben anwenden. Auch ich muss mich immer wieder motivieren engagiert zu bleiben und mich nicht auf die faule Haut zu legen und mir dabei zu denken: “Die anderen kümmern sich schon darum.”

Es kommt darauf an, ob wir alle Climate Changers werden oder nicht

Die Euphorie von Paris mag verflogen sein, doch durch “Climate Changers” werden wir daran erinnert und bleiben motiviert. Die regionalen Bewegungen bestehen weiterhin. Esther und Samuel werden bald ein weiteres Filmprojekt abschliessen, BaselWandel wird viele weitere Projekte unterstützen, die Lebensmittelkampagne wird Kleinbauern gerechte Preise ermöglichen und der Hambacher Forst wird nicht abgeholzt.

Was einzelne Personen erreichen können, zeigen nicht nur die Vorbilder des AUE, sondern auch Esther und Samuel in ihrem nächsten Film. Die beiden haben David Höner, den Gründer von “Cuisine sans frontières” (Küche ohne Grenzen) bei seiner Arbeit in Ecuador begleitet. Sie zeigen die Zerstörung durch die Erdölindustrie im Amazonasgebiet und fragen nach möglichen Alternativen. Zugleich porträtieren sie einen Mann, der mit einer Idee, seiner Erfahrung und einem Netzwerk von lokalen Helfern Alternativen für die indigenen Gruppen vor Ort schaffen will.

“Es braucht viele kleine Teilchen, die sich bewegen, damit das Wasser zu kochen beginnt” Esther Petsche

Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich nicht durch ein Wochenende vollgepackt mit Demonstrationen, ein paar Klimakonferenzen oder vielen grossen Worten, die zu Lebensweisheiten zusammengeschmiedet werden.

Nein. So funktioniert das leider nicht.

Es ist, wie schon gesagt, nicht so einfach. Wandel ist manchmal leise, manchmal laut. Mal macht er grosse Sprünge, oft kleine Schritte. Das Wichtigste, was einen Wandel per Definition ausmacht, ist langanhaltende Veränderung. Ein langer Atem. Nicht aufgeben. An das glauben, was man tut und für was man sich einsetzt. Wenn wir das in unserem Leben durchziehen und der nächsten Generation glaubwürdig mitgeben können – dann denken ich haben wir alle eine Chance.

Um “Sustaina Clause” aus dem Film sinngemäss zu zitieren:
“Es geht um dich und das was du mit deinem Leben machst.”

Egal wofür euer Herz schlägt, bleibt dran!

Eure Kimi

Das Multitalent Wald – KimiB.Good #6

Froschperspektive eines Waldes

Wald und Nachhaltigkeit

Im Wald liegt der Ursprung des Nachhaltigkeits-Gedankens: 1713 veröffentlichte Carl von Carlowitz das erste forstwirtschaftliche Werk überhaupt. Carlowitz forderte darin erstmals eine vernünftige Nutzung der Wälder. Er verlangte, dass immer nur soviel Holz geschlagen werden sollte, wie durch nachfolgende Aufforstung nachwachsen könne. Die Forderung eine Ressource nur in solchem Ausmass zu nutzen, dass sie sich eigenständig wieder regenerieren kann, also nicht übernutzt wird, liegt heute jedem, zumindest ökologischen Nachhaltigkeits-Gedanken zu Grunde.

Landschaftsfoto eines Waldes in dem Bergen

Der Wald ist mehr als ein Naherholungsgebiet – Ökosystemdienstleistungen

Im Wald begann also der Wandel hin zur Nachhaltigen Entwicklung. Jedoch hat der Wald nicht nur deshalb für mich persönlich eine grosse Bedeutung. Ich habe gefühlt meine halbe Kindheit in Wäldern verbracht, dort Tiere und Pflanzen beobachtet, im Dreck gespielt und meiner Fantasie freien Lauf gelassen.

Der Wald bietet jedoch viel viel mehr als nur Erholung und Spielstätte. Der Wald ist Lebensraum für viele verschiedene Pflanzen und Tiere und trägt damit massgeblich zur Biodiversität bei. Die Leistungen, die der Wald für uns erbringt, lassen sich gut mit den vier sogenannten Ökosystemdienstleistungen beschreiben. Diese Leistungen umfassen alle den Menschen Nutzen stiftenden Wirkungen ökologischer Systeme.

  • Versorgungsleistungen: Der Wald stellt uns natürliche Ressourcen zur Verfügung, wie zum Beispiel Holz und Nahrung.
  • Regulierungsleistungen: Der Wald reguliert das Klima und den Wasserhaushalt weltweit und sorgt für die natürliche Reinigung von unserer Luft.
  • Unterstützende Dienstleistungen: Der Wald bildet unter anderem durch die herunterfallenden Blätter, die durch Mikroorganismen zersetzt werden, einen Teil des Bodens und liefert damit Nährstoffe für neue Pflanzen, Bäume, Organismen und Tiere. Die Bäume sorgen durch die Festigung des Bodens durch Wurzeln und ihre Stämme für Schutz vor zum Beispiel Lawinen und Erdrutsche. Die wichtigste unterstützende Dienstleistung des Waldes bzw. der Bäume ist aber sicherlich die Primärproduktion. Die Primärproduktion ist vereinfacht gesagt die Produktion von Biomasse (Pflanzenwachstum) durch Pflanzen und Bäume mithilfe von Sonnenlicht. Dieser biochemische Prozess  bildet die Basis für den organischen Kohlenstoffkreislauf, also auch die Kohlenstoffspeicherkraft des Waldes und läuft im Wald über die Photosynthese ab. Bei der Photosynthese wird Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt, die wiederum zum Aufbau von Kohlenhydraten mittels CO2 und Wasser verwendet wird. Um hier abzukürzen und es zu vereinfachen kann man sagen, dass die Photosynthese für unsere Nahrung und unseren Sauerstoff sorgt. Also ziemlich wichtig.
  • Kulturelle Dienstleistungen: Dieser Punkt beinhaltet den Freizeit- und Erholungswert eines Waldes.

Allein durch die Betrachtung der Leistungen eines Waldes wird deutlich, wie wichtig Wälder für unser Überleben sind.

Speziell für die Wälder in der Schweiz gibt es noch weitere Zahlen und Fakten.

Nahaufnahme einer Pflanze an einem Baumstamm

Veränderung der Waldflächen

Die Fläche an Wald, die Europa und andere Teile der Welt bedeckt, hat sich jedoch im Laufe der Zeit stark geändert. Nach grossen Abholzungswellen im Mittelalter haben sich die Waldflächen in Europa ab 1900 vergrössert. Über das 20. und 21. Jahrhundert hat sich die Waldfläche in Europa um 1/3 vergrössert – wahrlich eine gute Nachricht. Man hat, auch dank Carlowitz, nicht nur erkannt, dass die Wälder und somit die Ressource Holz geschont werden muss, sondern hat auch das Material Holz in manchen Produktionen durch moderne Materialien ersetzt. Durch anhaltende Aufforstung und Umstrukturierungen der Agrarpolitik ergrünt Europa aufs Neue.

Es gibt jedoch einen Wermutstropfen: Die neuen Wälder sind ökologisch gesehen verarmt. Sie beherbergen weniger Arten, durch das anhaltende Wachstum unserer Städte werden natürliche Lebensräume voneinander getrennt und das Asphaltieren versiegelt den Boden, sodass Wasser nicht mehr versickern kann und es häufiger zu Überschwemmungen kommt.

Wald mit Nebel

Wald und Klima

Abgesehen von der Artenvielfalt hat das Wachsen und Schrumpfen unserer Wälder einen direkten Einfluss auf unser Klima, durch Austausch von Kohlenstoff mit der Atmosphäre. Wälder nehmen COdirekt aus der Atmosphäre auf, um zu wachsen. Bei der sogenannten Veratmung geben sie einen Teil davon wieder ab, weitere Teile werden bei der Verrottung von Pflanzenteilen freigegeben. Bäume, die wachsen nehmen mehr Kohlendioxid auf, als sie abgeben. Bei absterbenden Bäumen oder durch Abholzung und Brandrodung wird jedoch mehr CO2 frei als zuvor von den Bäumen verbraucht wurde.

Vorgänge der CO2 Speicherung im Wald
Quelle: Wiki Bildungsserver 2011

Unterschiedliche Wälder – Vegetationszonen

Wenn wir über das globale Klima sprechen, reicht es allerdings nicht, nur über den Europäischen Wald zu sprechen. Es gibt unterschiedliche Arten Wälder auf der Welt – je nach Vegetationszone:

Weltkarte mit Vegetationszonen
Quelle: Wikipedia 2007

Es gibt Wälder, die durch ihre aktuelle Übernutzung eine grosse Gefahr für unser globales Klima darstellen. Dazu gehören der Regenwald im Amazonasbecken, Regenwälder in Asien, vor allem Indonesien und die Borealen Wälder die von Alaska und Kanada über die skandinavischen Länder bis nach Russland an das Beringmeer reichen und nach dem Regenwald das zweitgrösste Waldökosystem der Welt darstellen.

Im Amazonasbecken und Indonesien ist der Regenwald durch konkrete Gefahren bedroht:

  • Ausweitung der Rinderzucht
  • Industrielle Produktion von Soja, Palmöl, Papier und Zellstoff
  • Eisenerz und Holzkohle für industriell genutztes Eisen
  • Errichtung von Staudämmen zur Stromproduktion

Flugfoto der Auswirkungen von Waldrodung in Indonesien

Die Borealen Wälder werden zzt. nicht nachhaltig abgeholzt um die industrielle Forstwirtschaft voran zu treiben, Öl zu fördern, Papier, Verpackungen und Bauholz herzustellen. Hier wird nicht auf die, durch die nördliche Lage, längere Wachstumszeit von neuen Bäumen geachtet. Besonders dramatisch daran ist, dass nicht nur Bäume sondern auch der Waldboden dadurch zerstört wird. Der Boreale Waldboden speichert 95% des gesamten Kohlenstoffvorkommens der Erde. Tauen die Böden durch Zerstörung und Übernutzung wird dieser Kohlenstoffspeicher aufgelöst und der Klimawandel in enormem Ausmass vorangetrieben. Quelle: Greenpeace 2018

Aussicht über einen borealen Wald

Rund 31 % der weltweiten Landoberfläche sind mit Wäldern bedeckt – davon liegt mehr als die Hälfte in nur fünf Staaten (Russland, Brasilien, Kanada, USA und China). In weltweit 50 Staaten war im Jahr 2015 mindestens die Hälfte der Gesamtfläche bewaldet, ebenfalls 50 Staaten gelten als waldarm (< 10 %). Die weltweiten Waldverluste schreiten seit Jahrzehnten voran. Allerdings hat sich das Tempo verringert: Während in den Jahren 1990 bis 2000 im Durchschnitt noch 0,18% des weltweiten Waldbestandes pro Jahr verloren gingen (7,3 Mio. ha), waren es im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 jährlich 0,08% (3,3 Mio. ha). Dabei sind die Tropen – insbesondere in Südamerika und Afrika – am stärksten betroffen. Seit 1990 ist hier eine Fläche in der Größe Mexikos verloren gegangen (195 Mio. Hektar). Quelle: bpb 2018

In Europa hat ein Umdenken stattgefunden und es schreitet, wenn auch langsam, voran. Erfolge werden sichtbar. Dieses Umdenken muss sich global ausweiten um weitere negative, wenn nicht katastrophale Auswirkungen zu vermeiden. Das Umdenken nicht einfach ist, ist klar – aber niemand hat gesagt, dass es einfach ist die Welt zu retten.

Ein Besuch im Wald

Ich will mit diesen Fakten kein Gefühl der Hilflosigkeit vermitteln. Doch mir ist es wichtig, nachdem ich diese Fakten recherchiert habe, dass ich sie uns allen ins Bewusstsein rufe. Was ihr damit anfangt ist natürlich eure Sache aber vielleicht regt es dazu an, beim nächsten Kauf, der mit Holz oder Produkten wie Palmöl oder Soja zu tun hat, zweimal nachzudenken.

Foto von einem Weg im herbstlichen Wald

Um zurück zu dem Wald vor unserer Haustür zu kommen, möchte ich euch bestärken: Geht raus, stattet dem Wald in eurer Umgebung einen Besuch ab und geniesst ihn in vollen Zügen. Damit wir ihn alle geniessen können, lohnt es sich aufeinander Rücksicht zu nehmen und gewisse Spielregeln einzuhalten, damit wir alle lange etwas von unserem Wald haben.

Ich bin dann mal spazieren 🙂
Eure Kimi

 

Weiterführende Link

Doku-Serie – Unsere Wälder (TerraX)
Zertifizierung im Wald – FSC und PEFC
Wald Schweiz – Verband Waldeigentümer
Waldflächen in der Schweiz 
Ab in die Wälder – Schweizer Tourismus
Wald und Holz – Bundesamt für Umwelt

Nachhaltigkeit umgesetzt: Aaron, Till und die Utopien

Zeit für Utopien bei BaselWandel

Mein zweiter Beitrag der Serie „Nachhaltigkeit umgesetzt“ bezieht sich wieder auf einen Film,   den ich zusammen mit Aaron und Till vom Verein BaselWandel im Quartiertreffpunkt Lola gesehen habe. Auch diese Filmvorführung mit anschliessender Diskussion wurde vom AUE (Amt für Umwelt und Energie Basel) organisiert. Die Filmreihe heisst “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” und endet am 24. Oktober mit der letzten Vorführung, ebenfalls im Lola.

BaselWandel ist ein Netzwerk, das Begegnungen schafft. Für Leute mit Ambitionen und Projekten aus verschiedenen Kontexten, die sich austauschen und einander unterstützen wollen. Der Verein versteht sich auch als offene Plattform für die Umsetzung von Ideen, die sich auf Vernetzung, Information oder Unterstützung beziehen. Somit fördert der Verein viele kleine Utopien, die alle im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung stehen. Im Verein sind zurzeit ca. 80 Personen und 10 Organisationen Mitglied.

BaselWandel lässt sich gut über drei Säulen beschreiben:

  1. Vernetzung von verschiedenen Organisationen und Aussenstehenden, um Synergien und Inspiration zu schaffen.
  2. Informationsplattform, um die Öffentlichkeit über die Projekte und Organisationen zu informieren. Zu diesem Zweck gibt es bald einen neuen Webauftritt vom Verein mit Organisationsprofilen und Beschreibungen der einzelnen Projekte.
  3. Unterstützung durch Räumlichkeiten, Know-How und mittelfristig auch durch Workshops bieten.

Auf die Frage, wie die beiden ihr Engagement bei BaselWandel mit ihrem Beruf unter einen Hut bekommen, haben beide eine klare gemeinsame Antwort: Es braucht Leidenschaft und Herzblut. Ohne das wird man sich nicht dauerhaft einsetzen, da es einem kein wirkliches Anliegen ist.

Zeit für Utopien gibt es bei BaselWandel zum Beispiel jeden ersten Montag im Monat in der Müllheimerstrasse 77, 4057 Basel. Dann werden Projekte vorgestellt und in einer offenen Runde diskutiert. Man bekommt neue Inputs und kann sein Netzwerk ausbauen. Mich werdet ihr dort sicher auch demnächst treffen können 😊

Weitere Veranstaltungen sind gerade in Planung. Am besten abonniert ihr den BaselWandel Newsletter oder schaut auf der BaselWandel facebook Seite vorbei, denn da läuft in naher Zukunft einiges!

Film ab! Revival der Kleinbauern

Nein, der Film philosophiert nicht über eine Welt, in der alles rosig ist und die wir wahrscheinlich nie erreichen werden. Im Gegenteil. Der Film zeigt ganz konkret, wie eine etwas utopischere, im Sinne von bessere, Welt heute schon aussieht.

Der Film beginnt mit der Geschichte einer Aussteigerin. Eine ehemalige Angestellte, die nicht mehr damit weitermachen konnte sich für einen Konzern und dessen Produkte aufzuopfern. Stattdessen stellte sie irgendwann ihr eigenes Wohl und das einer Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Sie begann einem Bauer-Ehepaar bei der Bewirtschaftung ihres Hofladens und ihrer Ziegenherde zu helfen. Sie sieht glücklich aus. Das kann natürlich täuschen. Immerhin ist es ein Film. Doch die Sätze die fallen bleiben lange in meinem Gedächtnis:

Ich will Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.

Sie beschreibt ihre jetzige Situation nicht mit dem Wort „Verzicht“, sondern mit „innerem Reichtum“.

Der Film geht über zu weiteren Beispielen, in denen die Menschen etwas anders machen. Sich nicht vom vorherrschenden System mitreissen lassen, sondern ihr eigenes Ding durchziehen. Egal ob Ex-Angestellte aus Bayern oder knapp 3 Millionen Bewohner aus Südkorea: Sie alle unterstützen kleinbäuerliche Strukturen und sorgen für faire Preise, sodass die Kleinbauern und Fischer ihre biologischen Anbaumethoden weiter fortsetzen können. Diese fairen Preise sind vor allem dann möglich, wenn Verbraucher und Erzeuger direkt in einen Verarbeitungsbetrieb investieren – ohne Mittelsmänner/-frauen. Die Marge ist dann nämlich nicht der wichtigste Faktor, der jede Handlung bestimmt.

Zusammen leben

Nicht erst seit dem Pariser Abkommen ist einer breiteren Bevölkerung klar, dass die CO2 Reduktionsleistungen, die wir umsetzen müssen, um katastrophale Auswirkungen zu mindern, ein enormes Umdenken verlangen. Das was wir vollbringen müssen, um unsere Welt für unsere Kinder und deren Kinder zu erhalten, ist mit dem heutigen System und mit dem heute immer noch vorherrschenden Denken nicht umsetzbar.

Die Kalkbreite in Zürich zeigt eine alternative Art des Zusammenlebens, die im wahrsten Sinne des Wortes „zusammen leben“ bedeutet. Mehr gemeinschaftlicher als privater Raum, die allgemeine Ablehnung ein Auto zu besitzen und Entscheidungen, die gemeinsam für die Gemeinschaft getroffen werden. Für manche hört sich das tatsächlich nach Utopie an. Mich hat es zunächst kurz abgeschreckt. Ich mag es, mich zurückziehen zu können, keine Verpflichtungen anderen gegenüber zu haben und nicht alles immer erst diskutieren zu müssen, bevor entschieden wird. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Dinge, die alle betreffen. Wenn ich mir das klar mache, macht es absolut Sinn in einer Gemeinschaft zu leben. Natürlich gibt es auch hier, wie überall, Vor- und Nachteile, doch es scheint, als ob die Vorteile für die Bewohner klar überwiegen.

Wenn ich so weiter darüber nachdenke: Wie cool wäre es mit meinen besten Freunden in einem Mehrfamilienhaus oder mehreren Häusern nebeneinander zu wohnen. Da wär‘ ich sofort dabei. Man kann sich gegenseitig helfen, zusammen feiern und Projekte umsetzen – und wenn man mal die Nase voll hat, zieht man sich einfach in seine eigenen 4 Wände zurück. Wie viel einfacher es dann zum Beispiel wäre Kinder aufzuziehen… wie früher, als man noch in Familiengemeinschaften mit mehreren Generationen zusammengelebt hat.

Post-Wachstums-Ökonomie & Kooperativen

Es fallen auch komplexe Wörter im Film „Zeit für Utopien“. Zum Beispiel Post-Wachstums-Ökonomie. Eine sympathische Frau erklärt in den „heiligen Hallen“ der Frankfurter Börse, dass der Kapitalismus an sein Ende kommen wird. Sie sieht nicht aus wie ein Hippie oder ein Punk. In Ihrer Stimme liegt Sicherheit und Bestimmtheit. Sie verdeutlicht: Die Brücke zwischen Kapitalismus, der durch knappe Ressourcen keine Zukunft hat, und Post-Wachstums-Ökonomie ist zurzeit noch nicht modelliert. Noch einfacher gesagt:

Der Bremsweg ist nicht bekannt. Nur dass wir bremsen müssen weiss jeder.

Durch diese Wissenslücke entsteht Unsicherheit, denn eine Vollbremsung hätte eine sehr grosse Wirtschaftslücke zur Folge.

Eine Bewegung, die sich an vielen verschiedenen Orten zeigt, könnte den Bremsweg einleiten: Kooperativen. Im Film wird eine Teefabrik in Frankreich gezeigt, die um ihre Selbstverwaltung gekämpft und gewonnen hat, zudem begleitet man eine Mitarbeiterin von Fairphone auf ihrem Weg zu verschiedenen Kooperativen in Afrika. Diese beiden Beispiele zeigen mir: Moderne Produktionsbedingungen, in denen die Aufgaben und Umstände von oben diktiert werden, entfremden die Menschen von ihrer Arbeit.

Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, erklärt das im Film mit dem Wort „Resonanz“.

Resonanz erfährt man, wenn man als Handwerker ein Produkt herstellt und das Ergebnis betrachtet – oder wenn Menschen kooperieren.

Kooperation ist das Schlüsselwort in diesem Film. Ob kooperiert wird, damit man mehr Selbstbestimmung im Job erlangt, man statt 30% faire 95% des Goldpreises erhält, welches im weiteren Verlauf in Smartphones eingebaut wird oder eine gemeinschaftliche Landwirtschaft aufbaut, wie die Gemeinschaft „Ochsenherz“ in Wien – Kooperation ist eigentlich unser default setting, unsere Standardeinstellung.

Menschen sind intuitiv kooperativ.

So Joachim Bauer.

Erst durch Angst und übergreifender Konkurrenz werden wir zu Egoisten. Dabei startet eine Abwärtsspirale, denn diese Rahmenbedingungen erzeugen Dauerstress und wir wissen unterbewusst, dass wir durch egoistisches Handeln die Welt ruinieren.

Das leuchtet mir ein. Ich bin keine Maschine. Du auch nicht. Wir brauchen Zufriedenheit in unserem Leben und zwar auf einer anderen Ebene als Profit.

Fazit: Her mit den Utopien!

Ohne Utopien oder Vorstellungen von Utopien und Menschen, die daran glauben und dafür kämpfen hätte es wohl nie die Abschaffung der Apartheid gegeben, keine Gleichberechtigung und auch keine Vereine wie BaselWandel.

Für Aaron ist Konsens ein guter Startpunkt für Utopien. Till stellt in seiner persönlichen Utopie den Menschen in den Vordergrund: Andere als Menschen sehen. Unabhängig von ihrer Rolle und der jeweiligen Situation.

Wir brauchen Utopien, denn dabei kann eine andere, bessere Welt entstehen.

Noch eine Chance auf „Kraft der Lokalen“

Ich würde mich freuen euch beim letzten Film der Filmreihe „Kraft der Lokalen“ zu treffen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich und inspirierend:

Mittwoch, 24.10.2018 „The Climate Changers“

Bis Mittwoch und immer schön utopisch bleiben,

Eure Kimi

Nachhaltiger Tourismus – KimiB.Good #5

Foto von Kelvin Zyteng vom Oeschinensee in der Schweiz

Fernweh vs. Heimatliebe

Der Sommer nähert sich nun langsam dem Ende und damit auch die Urlaubs-Hochsaison. Viele Leute, mit denen ich diesen Sommer gesprochen habe, waren auf der ganzen Welt unterwegs. Ich nicht.

Habe ich etwas verpasst? Werde ich langsam alt, weil ich gerne Heimaturlaub mache? Nein. Also ja. Jeder wird alt. Und sicherlich habe ich gewisse Dinge verpasst. Im Umkehrschluss haben alle, die weiter weg geflogen oder gefahren sind auch etwas verpasst. Und auch die werden alt.

Letztes Jahr habe ich zwei Kurzurlaube in Irland und in Marokko gemacht. Ich hatte eine sehr gute Zeit und es war spannend mal etwas anderes zu sehen. Allerdings war ich auch jedes Mal froh wieder zu Hause zu sein.

Da die Schweiz meine Wahlheimat ist, weiss ich genau warum ich hier lebe. Der Hauptgrund sind die natürlichen Gegebenheiten. Viel Wald, viele Berge und Seen. Für dieses Jahr habe ich mich daher dazu entschlossen, meinen Urlaub in der Schweiz, evtl. noch in den umliegenden Ländern, zu verbringen. Das hat diverse persönliche Vorteile für mich. Es ist aber auch nachhaltiger, als in ein Flugzeug zu steigen, um Entspannung an einem anderen, weit entfernten Ort zu suchen, oder nicht?

Haus am Arnisee vor einem Berg

Ferien und Transport

Die Wahl des Verkehrsmittels ist nicht ganz einfach. Es kommt auf viele verschiedene Faktoren an wie z.B. ob wir allein oder zu viert im Auto sitzen. Versucht man aber alle möglichen Faktoren von Anfang, z.B. Stromerzeugung für den Zug, bis zum Ende, z.B. Auswirkungen der Kondensstreifen beim Flugverkehr, zu berücksichtigen, schneiden Eisenbahn und Reisebus (durch seine hohe Auslastung bzw. Anzahl Mitfahrer) am besten ab.

Rückseite eines VW Busses, in dem jemand auf einer Matratze liegt

Schweizer/-innen sind ganz weit vorn wenn es ums Fliegen geht. Ich treffe kaum einen Schweizer oder eine Schweizerin, die nicht einmal im Jahr einen längeren Flug auf sich nimmt, um die Ferien möglichst weit entfernt der Heimat zu verbringen. Dabei ist die Schweiz so ein traumhaftes Urlaubsland. Hier macht Heimaturlaub wirklich Freude und ist abwechslungsreich: Fährt man ins Tessin ist man gefühlt in Italien. An der französischen Grenze sprüht alles vor französischem Charme und die Deutschschweiz überzeugt mit unzählbaren Aktivitäten, ob im Flachland oder in den Alpen. So, nun aber genug der Werbung für die Schweiz als Urlaubsland. Wer dennoch fliegt: Je länger der Aufenthalt, desto besser und gegen die verursachten Flug-Sünden gibt es Ablass: Der CO2 Ausstoss des Flugs kann berechnet und dann durch Unterstützung durch in- oder ausländische Projekte kompensiert werden.

Froschperspektive eines fliegenden Flugzeugs im Wolkenhimmel zwischen Hochhäusern

Nachhaltiger Tourismus – mehr als Umweltschutz

Abgesehen vom eher technisch anmutenden CO2 Ausstoss – wie kann ich sicherstellen, dass ich aus meiner Reise keine kleine Umweltkatastrophe mache? Kann ich in meinem Urlaub vielleicht sogar ganz einfach soziale Projekte vor Ort unterstützen? Wo bekomme ich die Informationen darüber her? Ein paar von diesen Fragen habe ich versucht zu beantworten, denn wahrscheinlich zieht es mich irgendwann auch wieder mal ins Ausland.

Während meiner Recherchen bin ich auf den Begriff “Nachhaltiger Tourismus” gestossen. Was ist das aber genau und wie macht man das?

Nachhaltiger Tourismus bedeutet nicht, in den Wald hinter’m Haus zu gehen, dort Bäume zu umarmen und sich dadurch entspannter zu fühlen. Nein.

Touristen auf einer Brücke in einer Schlucht

Wie bei nachhaltiger Entwicklung generell, beschränkt sich nachhaltiger Tourismus nicht nur auf den ökologischen Effekt, also den Effekt des Tourismus auf die Umwelt, sondern bezieht auch wirtschaftliche und soziale Aspekte mit ein. Dieses sogenannte drei Säulen Modell erläutert Robert vom Schweizer Tourismus Verband im Podcast noch etwas genauer.

Einen wichtigen ökologischen Aspekt, den auch Rahel von Trash Heroes Schweiz und Andrea von Surf Soul Adventure in Marokko unabhängig voneinander ansprechen, ist Abfall. Beide bieten Touristen und Einheimischen an, mit ihnen den Abfall, der teilweise vor Ort produziert wird, zum Grossteil aber angeschwemmt wird, aufzusammeln. Mehr dazu erfahrt ihr auch im Podcast.

In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit gibt es eigentlich etwas ganz Einfaches zu berücksichtigen, wie mir Robert erklärt: Lokal kaufen. Seien es Produkte oder Dienstleistungen. Je lokaler das Angebot, desto eher unterstützt man direkt die Region und ihre Bewohner.

Eine Landkarte, die von einer Frau auf einem Holzsteg festgehalten wird

Beim sozialen Engagement wird es etwas komplizierter. Soziale Nachhaltigkeit ist für mich persönlich am schwierigsten zu fassen, denn wenn ich die Umwelt vor Ort nicht mit meinem Abfall belaste oder sie sogar von Abfall befreie und die lokale Wirtschaft unterstütze, indem ich einen Tauchlehrer aus der Region engagiere, sind das für mich Aktionen, die auch zur sozialen Nachhaltigkeit zählen.

Sozial engagiert – wirklich?

Soziales Engagement kann auch anders verstanden werden.

Ehrenamtliches Engagement als Volunteer ist als Voluntourismus bekannt und nimmt in seiner heutigen Ausprägung, im Gegensatz zum klassischen ehrenamtlichen Engagement, nicht gerade hilfreiche Züge an. Warum? Die Freiwilligeneinsätze sind per se lobenswert, jedoch geht der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten und Voluntourismus wird nun überwiegend von Profit-Organisationen organisiert. Der Unterschied? «Etwas Gutes tun» ist im hier eine Ware, die durch die Touristen gekauft wird. Die Wertvorstellungen hinter Voluntourismus und ehrenamtlichem Engagement sind grundverschieden.

Wer das soziale Engagement und die Empfänger der Hilfe in den Vordergrund stellt, macht sicherlich keinen Fehler, sich in den Ferien sozial oder für Naturschutz zu engagieren. Wenn es einem aber wirklich ein anliegen ist, wird man sich nicht mit einem Kurzprojekt zufriedengeben, geschweige denn um die halbe Welt fliegen, um sich dann in Costa Rica für den Naturschutz einzusetzen…

Köpfchen einschalten – soziale Nachhaltigkeit und soziales Engagement haben viel mit gesundem Menschenverstand zu tun. Als Tourist kann man damit anfangen, sich nicht unbedingt wie daheim zu benehmen, sondern wie ein Gast und einen guten Eindruck von sich als Tourist und dem jeweiligen Herkunftsland zu hinterlassen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall für die nächsten Ferien viele schöne Eindrücke, egal wo!

Eure Kimi

Weitere Infos zum Thema

Trash Hero World neu auch in Freiburg, Deutschland
Alternativen zum Massentourismus in Österreich
Label-Übersicht
Fremdenverkehrsbilanz der Schweiz
Jugendherbergen in der Schweiz
Nachhaltig reisen – Artikel von nachhaltigleben.ch
Portal fairunterwegs.org mit u.a. spezifischen Infos zu verschiedenen Ländern
Die Schweiz bekommt nicht genug vom Fliegen – TagesAnzeiger
Nachhaltiger Tourismus für die Schweizer Alpenregion – ETHeritage
15 Tipps für nachhaltigen Urlaub – Utopia.de
5 Tipps für sanften Tourismus – Bellevue NZZ

Nachhaltigkeit umgesetzt: Felix & das Wunder von Mals

Bauer auf meinem Traktor im Sonnenschein

Eine vorbildliche Sache

Ein Ziel von KimiB.Good ist der Austausch mit “Umsetzern”, wie ich sie nenne. Das heisst Austausch mit Menschen, die sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung engagieren oder ihren Lebensstil darauf ausrichten. Egal wie.

Ich will von diesen Leuten lernen, erfahren, wie genau man sich engagieren kann, was es bringt und wie man es in seinen Alltag einbauen kann. Diesen Austausch möchte ich mit euch allen teilen, denn je mehr Menschen den eigenen Lebensstil nachhaltiger gestalten, desto besser für uns alle und unsere Umwelt.

Durch meine Recherchen und Kontakte bin ich mit dem Amt für Umwelt und Energie in Basel (AUE) ins Gespräch gekommen. Das AUE hat ebenfalls das Ziel Menschen vorzustellen, die sich engagieren, etwas bewegen und sich für die Welt von morgen einsetzen.

Wir ziehen also am selben Strang.

Daher möchte ich in der Serie “Nachhaltigkeit umgesetzt” mit den Vorbildern für die Welt von morgen, die das AUE auf ihrer Website vorstellt, über ihr Engagement sprechen und herausfinden, was es heisst Nachhaltigkeit auf vielen verschiedenen Wegen umzusetzen.

Logo Vorbilder für die Welt von morgen

Von den Vorbildern will ich vor allem wissen, wie sie es schaffen sich im Alltag zu engagieren, motiviert zu bleiben und was Fallstricke und Erfolgsfaktoren ihres Einsatzes für die Nachhaltigkeit sind. Natürlich sollen die Antworten uns allen Nutzen stiften: Informieren, Neugier stillen, Tipps verbreiten und motivieren.

In den ersten drei Beiträgen dieser Serie werden ich auch kurz auf den Film eingehen, den ich zusammen mit den jeweiligen Umsetzern (oder Vorbildern, wie das AUE sie nennt) im Zuge der Filmreihe “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” gesehen habe.

Das Wunder von Mals

Der Film, den ich zusammen mit Felix von der Lebensmittelkampagne gesehen habe, dreht sich um ein, wie die Malser im Film selbst sagen, kleines gallisches Dorf in Mitten von Pestizid-bestäubten Apfelplantagen.

Die Problematik in Mals ist folgende:

Innerhalb der letzten 50 Jahre haben sich Wiesen in Felder mit Monokulturen verwandelt, der konventionelle Anbau hat Einzug gehalten und mit ihm der recht freizügige Gebrauch von Pestiziden, die nicht unbedingt alle verwendet werden dürften. Die umliegenden Bio-Anbau-Felder bekommen davon durch Wind und Witterung natürlich auch gratis etwas ab. Mit der Folge, dass die Bio-Produkte der Bio-Bauern plötzlich nicht mehr Bio sind.

Das Problem weitete sich in Mals allerdings weiter aus: Da nicht nur die Bio-Pflanzen, sondern auch die Menschen, die dort leben, gefährdet waren bzw. sind, wollte man das Dorf von Pestiziden befreien. Man wollte und will immer noch zeigen, dass es auch mit Bio geht. Dass die Versorgung und die Wirtschaftlichkeit nicht darunter leiden.

“Einfach uns mal vorausgehen lassen.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker in Mals

Dieser vorbildliche Gedanke passt allerdings nicht jedem in den Kram. So eskalierte der Konflikt zwischen Vertretern des Bio-Anbaus bzw. des Pestizid-freien Anbaus und den Verfechtern der konventionellen Landwirtschaft nicht nur juristisch, sondern auch auf sehr unschöne, persönliche Art. Menschen wurden bedroht, Eigentum zerstört. Und das nicht von der Pro-Bio Seite…

“Wir lassen nicht locker. Auf keinen Fall.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker und sogenannter Kopf des Widerstands

Der Film zeigt sehr schön, dass selbst die Bewohner eines zurückhaltenden, bescheidenen Dörfchens wie Mals, die einfach in Ruhe die Schönheit ihres Tals geniessen wollen, bereit sind für eine Sache einzustehen, wenn sie davon überzeugt sind. Mals konnte 2016 durch Abstandsregeln die Anwendung von Pestiziden in Mals verhindern. Allerdings ist dieses Verbot von Pestiziden seit April 2018 wieder ausser Kraft.

Filmvorführung im Park

Das Wunder von Mals ist also eigentlich eher die Ausdauerleistung von Mals. Oder wie es im Film genannt wird: “Der Malser Weg”.

Setzt auf Bio: Felix und seine Lebensmittelkampagne

Dranbleiben ist die Devise und der einzige Weg zu langfristigem Erfolg – nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeit. Mals will ein Vorbild sein und mit dem Bio-Anbau in eine nachhaltige Zukunft starten. Sie wollen etwas anders machen und anderen zeigen, dass es geht.

So auch die Vorbilder des AUE: Felix kennt die Problematik von konventioneller Landwirtschaft im Vergleich zum Bio-Anbau. Vor allem aus Griechenland. Dort bezieht er überregionale Lebensmittel wie z.B. Öl und bring sie in die Schweiz. Ohne Pestizide versteht sich.

Abbildung von biologisch angebautem Olivenöl aus Griechenland

Was genau das bringt?

Durch Felix erhalten die Bio-Bauern aus Griechenland vom Abnehmer, also Felix, mehr für ihr Bio-Öl und wir können das wertvolle Produkt dann zu einem normalen Bio-Preis hier bei uns kaufen.

“Meine Vision ist eine regionale und saisonale Ernährung an jedem Ort dieser Welt zu ermöglichen und Lebensmittel anderer Orte direkt von ausländischen Höfen zu beziehen” Felix Schröder

Auf Lebensmittel und im speziellen auf die Problematik, dass man keinen Bezug zum jeweiligen Bauer hat, von dem die überregionalen Lebensmittel stammen, ist Felix durch eine Lebensmittelgemeinschaft und Diskussionen mit dieser Gemeinschaft gekommen.

Wie aber schafft es Felix sein Engagement für biologisch angebaute, überregionale Lebensmittel in seinen Alltag zu integrieren und was macht er sonst noch so nebenbei? Erfahren habe ich von Felix, dass er sich seit 4 Jahren voll seinem Engagement widmet, mit dem Ziel, davon auch Leben zu können. Zurzeit ist das noch nicht der Fall und wenn das Einkommen nicht da ist, muss natürlich der Lebensstandard angepasst werden.

Felix hat das sehr schön als “von einer 5-sterne Villa in eine 3-sterne Villa umziehen und das Frühstück nicht mehr ans Bett bekommen, sondern sich am all-inclusive Buffet satt essen” bezeichnet. Will wohl meinen, dass es ihm immer noch gut geht und man auch nicht unbedingt jeden Luxus-Schnick-Schnack braucht.

Spass bei Seite: Felix wird in den nächsten Monaten noch einen ausgedehnten Logistik-Versuch starten und Mitte nächsten Jahres entscheiden, ob die Lebensmittelkampagne für ihn auch beruflich eine Zukunft darstellt oder (wieder) zu einem Hobby wird. Das heisst auch, dass sich Felix neben diesem Hobby anderen Dingen zuwenden kann. Was diese anderen Dinge sind, konnte mir Felix noch nicht sagen. Eines ist allerdings sicher: Es hat mit der Welt für morgen zu tun. Eine Rückkehr zu seinem erlernten Beruf, Flugzeugtechniker, kommt für ihn nicht in Frage.

“Ich hatte den Luxus mich ein paar Jahre voll auf mein Projekt konzentrieren zu können.”
Felix Schröder

Für Alle die sich auch in Projekten engagieren wollen empfiehlt Felix zunächst auszuloten, wie gross die persönlichen Kapazitäten dafür sind. Sprich, wie viel ist einem das Engagement oder das Projekt wert, wie viel Zeit kann man investieren und ist man eventuell auch bereit zurückzustecken und eben von der 5-Sterne Villa in eine 3-Sterne Villa zu ziehen. Klar ist: Es gibt für jede Kapazität auch eine Möglichkeit etwas für die Welt von morgen zu tun. Selbst wenn es kleine Schritte sind wie Müll zu trennen oder einen Kompost anzulegen.

Ich für meinen Teil kann euch auf jeden Fall empfehlen auch bei der Filmreihe des AUE vorbeizuschauen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich:

11.09.2018 Bike vs Cars
18.09.2018 Transformance
21.09.2018 Vorbilder für die Welt von morgen
17.10.2018 Zeit für Utopien
24.10.2018 The Climate Changers

Ich werde mir die Filme “Zeit für Utopien” und “The Climate Changers” anschauen und wünsche allen, die auch vorbei schauen viel Spass und würde mich über ein nettes Schwätzchen mit euch freuen – was so viel heisst wie: Ich bin dankbar für jede Meinung zu meinem Blog und dieser Serie 😉

Eure Kimi