Nachhaltigkeit umgesetzt: Marie & Tilla von UP

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit

Marie und Tilla arbeiten beim Verein UP und engagieren sich von Herzen für das Thema Genügsamkeit. Ich habe die beiden Vorbilder des Amts für Umwelt und Energie getroffen und sie zu ihrem Engagement und dem aktuellen Stand bei UP (Umweltplattform.ch) befragt.

Das Engagement von Marie und Tilla bei UP

Was beinhaltet das Projekt UP?

Zum einen organisieren wir von UP in verschiedenen Städten der Schweiz Pop-UP Events, die wir “Fun and Action Events” nennen. Das sind kurze, lustige, spannende und innovative Events zum Thema Nachhaltigkeit. Insbesondere widmen wir uns dabei dem Thema Genügsamkeit bzw. Suffizienz. Diese veranstalten wir, um möglichst viele Menschen für diesen Lebensstil zu begeistern und sie zum Nachdenken anzuregen, ohne aufdringlich zu sein oder ständig von Verzicht zu sprechen.

In kleineren Städten unterstützen wir auch Projekte der lokalen Bevölkerung zum Thema Nachhaltigkeit, das nennen wir Co-Creation. Wir helfen dann dabei, die Projekt-Ideen konkret umzusetzen, indem wir interessierte, motivierte Menschen zusammenbringen, sowie unser Know-How und unser Netzwerk zur Verfügung stellen. Diese Projekte fördern im Idealfall auch einen suffizienten Lebensstil in der lokalen Community. Wir sind aber sind natürlich auch anderen Nachhaltigkeitsthemen gegenüber offen, denn es ist uns wichtig, dass die Projekte von der lokalen Bevölkerung getragen werden.

In welchen Städten seid ihr mit euren Events tätig?

Wir sind in zwei grösseren und vier kleinen Städten unterwegs. Die beiden grösseren sind Basel und Zürich. Zu den kleineren Städten gehören Solothurn, Locarno und La Chaux-de-Fonds. In Davos waren wir auch lange aktiv.

Neben unseren fun&action Events zur Genügsamkeit unterstützen wir in den Grossstädten Projekte, die sonst kaum Unterstützung erhalten. In den kleineren Städten liegt der Fokus eher auf den Aufbau von konkreten lokalen Projekten.

Wer steckt hinter UP?

Wir sind ein Team aus 6 Frauen. Eine Koordinatorin, eine Kommunikationsverantwortliche und in jeder Region jeweils eine Eventmanagerin. Wir können aber unsere Events und Projektunterstützung nicht ohne die vielen Freiwilligen von UP auf die Beine stellen. Pro Stadt sind das von ca. 5-10 Personen, die sehr aktiv freiwillig mithelfen.

Wie lange besteht das Engagement?

Tilla und ich sind in Teilzeit bei UP angestellt. Tilla ist seit Februar 2018 als Eventmanagerin für Basel dabei und ich, Marie, bin als Kommunikationsverantwortliche seit Mai 2017 dabei.

Die Plattform UP gibt es seit dem Frühling 2016 und war zu Beginn ein Projekt der Umweltallianz, welches auch durch die Organisationen der Umweltallianz finanziert wurde. Seit 2018 finanzieren wir uns aus anderen Quellen von nationalen und lokalen Stiftungen und Ämter.

Wie kam es zum Engagement?

Uns beiden ist es wichtig, dass wir beruflich etwas machen, wohinter wir stehen können. Etwas mit Sinn. Der Umweltschutz liegt uns sehr am Herzen und auf der Suche nach einem Job in diesem Bereich und einer Organisation hinter der wir stehen können, sind wir beide, unabhängig, auf eine Stellenausschreibung von UP gestossen, haben uns beworben und glücklicherweise dürfen wir jetzt für UP arbeiten.

Heutige Situation

Wie läuft es heute mit dem Projekt?

Es läuft generell gut bei UP. Wir werden uns allerdings für nächstes Jahr an die Überarbeitung unserer Strategie setzen, um den Fokus von UP in Basel und Zürich wieder etwas klarer fassen zu können und unsere Energie zu bündeln, um unser wichtigstes Bestreben, nämlich Menschen für einen genügsamen Lebensstil zu begeistern, umsetzen zu können.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Was wir im Laufe der Zeit gemerkt haben ist, dass der Prozess neue gute Ideen, für zum Beispiel Events, zu generieren viel Energie kostet und wir schon umgesetzte gute Ideen, die funktioniert haben, auch weiter verwenden könnten. Hier wird sich in Zukunft wahrscheinlich auch an der Ideen-Effizienz etwas ändern. Dadurch lässt sich auch die Wirkung unserer Events verstärken, was wiederum auf unser Ziel einzahlt.

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche, Erfolge?

Ein Erfolg der nicht lange zurückliegt, ist das Oster-Eier-Event von Anfang Dezember. Wir haben uns auf der mittleren Brücke in Basel als Osterhasen verkleidet und mit spielerischer Konsum-Kritik die Passanten auf Eier-Suche geschickt. Die Eier enthielten Zeitgeschenke. Solche ein Zeitgeschenk konnten die Passanten dann auch aufschreiben und ihren Liebsten schenken. Ganz im Sinne der Genügsamkeit. Die Aktion war ein toller Erfolg, da wir im Zentrum des Konsums viele Menschen erreicht haben, die sich mit dem Thema Genügsamkeit sonst nicht auseinandersetzen. Die Aktion kam gut an und es haben viele Leute mitgemacht.

Wir schaffen es immer wieder mit solchen Events den Leuten bewusst zu machen, was Genügsamkeit im positiven Sinn bedeuten kann, ohne belehrend zu sein.

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit
Legende: An unserem letzten Event in Basel haben Passanten an einer lustigen Ostereiersuche mitgemacht und Zeitgeschenke an ihre liebsten geschenkt. Somit haben wir sie auf positiver Weise auf das Thema Überkonsum
während der Weihnachtszeit aufmerksam gemacht.

Gab es auch Herausforderungen und Rückschläge?

Bei UP hängt, wie bei anderen Organisationen, die auf Freiwilligenarbeit aufgebaut sind, viel von einzelnen Menschen und ihrem Netzwerk ab. Verlässt eine Person, die eine stärkere Beziehung zu den lokalen Freiwilligen hat, die Organisation, kann es gut sein, dass viele Freiwillige abspringen. Das kann man nicht verhindern und man muss dann stark an den neuen Beziehungen arbeiten. Das ist immer wieder eine Herausforderung. Der Vorteil bei uns ist aber, dass wir kaum Verpflichtungen von den Freiwilligen einfordern, um sie nicht zu sehr zu belasten. Damit fahren wir sehr gut.

Wir haben auch gemerkt, dass man als Eventmanager/-in die Stadt in der man tätig ist, kennen muss und wissen muss, was die Stadt oder die Region benötigt.

Engagement als Beruf(-ung)

Beschäftigung des Vorbilds neben dem Engagement

Wir sind beide in Teilzeit angestellt bei UP. Daher sind wir in der angenehmen Position, dass wir neben der Anstellung bei UP auch noch Zeit für andere Aktivitäten und anderes Engagement haben.

Wie lässt sich das Engagement in das Leben integrieren?

Es ist eine Entscheidung, die wir getroffen haben. Eine Entscheidung sich für Dinge einzusetzen oder für etwas zu arbeiten, hinter dem wir stehen und was für uns sinnvoll ist. Das Geld, also der monetäre Lohn, spielt eine klar nachgelagerte Rolle. Es kommt also auf das eigene Wertesystem an. Will man sich effektiv und langfristig engagieren, muss man sich die Frage stellen: Ist mir soziales Engagement bzw. der Einsatz für den Umweltschutz wichtiger als langfristig nach monetärem Reichtum zu streben? Es kommt darauf an, was einem wirklich etwas wert ist.

Nachfrage Veranstaltungen des Vorbilds

Wir haben am 12. Dezember eine Food-Waste-Party in einem Vegi-Restaurant in Locarno veranstaltet. Dort haben wir mit “gerettetem” Gemüse eine Suppe für alle gekocht. Am 13. Dezember haben wir unseren ersten Event in Solothurn umgesetzt. Wir haben an einem Stand am Weihnachtsmarkt das Thema Zeitgeschenke vorgestellt und Workshops organisiert. Weitere Veranstaltungen finden Interessierte auf unserer Website oder auch auf der facebook Seite von UP.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Esther, Samuel und die Climate Changers

Anders als bei den vorhergehenden Filmen der Reihe “Kraft der Lokalen“, “Das Wunder von Mals” mit Felix und “Zeit für Utopien” mit Aaron und Till, konnte ich diesmal direkt mit den Filmproduzenten sprechen.

Samuel, freischaffender Journalist, der sich überwiegend mit Themen in Bezug auf Umwelt und nachhaltige Entwicklung befasst, erzählte Esther, Grafikdesignerin und Filmemacherin, bei einem Mittagessen von seinem Vorhaben. Es ist 2015 und er will nach Paris, um die historische Klimakonferenz COP21 zu dokumentieren, die zu einem neuen internationalen Klimavertrag führen soll. Das Mittagessen findet zwei Wochen davor statt und Esther ist sofort Feuer und Flamme für die Idee, Samuels Vorhaben filmisch zu begleiten.

Die beiden haben nicht die offizielle Klimakonferenz innerhalb der Hallen dokumentiert, sondern die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten auf der Strasse.

Rote Rosen vor dem Eifelturm als Symbol der COP21 Bewegung

Die Klimakonferenz in den Pariser Strassen

Tausende Aktivisten, Gruppen verschiedenster Art, Workshops, Präsentationen, Flash Mobs – alles fand auf den Pariser Strassen, abseits der Diskussionen der Konferenzteilnehmer statt. Esther und Samuel zeigen in ihrem Film “The Climate Changers”, eindrucksvoll und teilweise sehr ergreifend, die Stimmen und Motive derjenigen, die Handeln und sich nicht mehr nur Gedanken machen wollen. Gedanken um ca. 26 Millionen Klimaflüchtlinge pro Jahr, gravierende ökologische Konsequenzen des Klimawandels wie Fluten, Dürren und Stürme sowie über mögliche Lösungen, die jeder Einzelne umsetzen kann.

Man hat den Eindruck, dass die Leute auf den Strassen von Paris die Dringlichkeit der Situation verstanden haben und statt nur zu diskutieren, auch handeln wollen. Und zwar jetzt.

Alle gehen auf die Strasse

Klimawandel ist schon lange kein rein ökologisches Problem mehr. Es betrifft Umwelt, Wirtschaft und Menschen in gleichem Ausmass. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort “Klimagerechtigkeit“.

Für Klimagerechtigkeit

Studenten, Fracking-Geschockte und –Geschädigte, Gläubige, Blogger, Journalisten, Interessierte, Engagierte, Aktivisten, Idealisten. Ihre Projekte und Motive sind so unterschiedlich, dass man kaum glauben kann, dass sie alle auf verschiedensten Wegen ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich darüber absolut einig sind:

Für Klimagerechtigkeit sorgen und die Welt vor einer Erwärmung von über 1.5 Grad bewahren.

 

Wenn nicht wir, wer dann?

Ob “Sustaina Clause”, Zero-Waste-Aktivist aus Afrika, Ex-Politiker von den Philippinen, #muslims4climate, Gegner des Damm-Baus in Brasilien, Unterstützer der indigenen Gruppen in Indonesien oder bekannte Künstler – alle wissen um die Klima-Problematik und keiner von ihnen stellt sich überhaupt noch die Frage ob oder was man machen sollte – Lösungen müssen her.

Die Bilder, Worte und Stimmungen, die Esther und Samuel im Film “Climate Changers” festgehalten haben sind eindrücklich und motivierend. Doch im Laufe des Films kommt die Frage auf: Was bleibt davon? Wie kann diese Aufbruchsstimmung aufrechterhalten werden? Vor 3 Jahren standen alle Zeichen auf Hoffnung. Heute, kurz vor der nächsten Klimakonferenz in Polen, mit einem amerikanischen Präsident, der den Pariser Vertrag kündigen will, vielen konservativen politischen Bewegungen, die uns an eine düstere Zeit erinnern und einer Wirtschaft, die es noch nicht schafft ein langfristiges Denken zu entwickeln, machen sich Frust und Ernüchterung breit.

Für etwsa einstehen und handeln

Wenn ich so darüber nachdenke – das ist irgendwie immer so mit wichtigen Dingen. Sie fallen einem nicht in den Schoss. Man muss sich anstrengen, beharrlich sein, durchhalten. Es wird immer, in jeder wichtigen Sache unseres Lebens, Höhen und Tiefen geben. Das ist völlig normal. Wichtig ist einzig und allein nicht aufzugeben. Den Idealismus am Leben zu erhalten.

Diese – ja man könnte schon fast sagen Lebensweisheit – lässt sich auf das gesamte Leben anwenden. Auch ich muss mich immer wieder motivieren engagiert zu bleiben und mich nicht auf die faule Haut zu legen und mir dabei zu denken: “Die anderen kümmern sich schon darum.”

Es kommt darauf an, ob wir alle Climate Changers werden oder nicht

Die Euphorie von Paris mag verflogen sein, doch durch “Climate Changers” werden wir daran erinnert und bleiben motiviert. Die regionalen Bewegungen bestehen weiterhin. Esther und Samuel werden bald ein weiteres Filmprojekt abschliessen, BaselWandel wird viele weitere Projekte unterstützen, die Lebensmittelkampagne wird Kleinbauern gerechte Preise ermöglichen und der Hambacher Forst wird nicht abgeholzt.

Was einzelne Personen erreichen können, zeigen nicht nur die Vorbilder des AUE, sondern auch Esther und Samuel in ihrem nächsten Film. Die beiden haben David Höner, den Gründer von “Cuisine sans frontières” (Küche ohne Grenzen) bei seiner Arbeit in Ecuador begleitet. Sie zeigen die Zerstörung durch die Erdölindustrie im Amazonasgebiet und fragen nach möglichen Alternativen. Zugleich porträtieren sie einen Mann, der mit einer Idee, seiner Erfahrung und einem Netzwerk von lokalen Helfern Alternativen für die indigenen Gruppen vor Ort schaffen will.

“Es braucht viele kleine Teilchen, die sich bewegen, damit das Wasser zu kochen beginnt” Esther Petsche

Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich nicht durch ein Wochenende vollgepackt mit Demonstrationen, ein paar Klimakonferenzen oder vielen grossen Worten, die zu Lebensweisheiten zusammengeschmiedet werden.

Nein. So funktioniert das leider nicht.

Es ist, wie schon gesagt, nicht so einfach. Wandel ist manchmal leise, manchmal laut. Mal macht er grosse Sprünge, oft kleine Schritte. Das Wichtigste, was einen Wandel per Definition ausmacht, ist langanhaltende Veränderung. Ein langer Atem. Nicht aufgeben. An das glauben, was man tut und für was man sich einsetzt. Wenn wir das in unserem Leben durchziehen und der nächsten Generation glaubwürdig mitgeben können – dann denken ich haben wir alle eine Chance.

Um “Sustaina Clause” aus dem Film sinngemäss zu zitieren:
“Es geht um dich und das was du mit deinem Leben machst.”

Egal wofür euer Herz schlägt, bleibt dran!

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Aaron, Till und die Utopien

Zeit für Utopien bei BaselWandel

Mein zweiter Beitrag der Serie „Nachhaltigkeit umgesetzt“ bezieht sich wieder auf einen Film,   den ich zusammen mit Aaron und Till vom Verein BaselWandel im Quartiertreffpunkt Lola gesehen habe. Auch diese Filmvorführung mit anschliessender Diskussion wurde vom AUE (Amt für Umwelt und Energie Basel) organisiert. Die Filmreihe heisst “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” und endet am 24. Oktober mit der letzten Vorführung, ebenfalls im Lola.

BaselWandel ist ein Netzwerk, das Begegnungen schafft. Für Leute mit Ambitionen und Projekten aus verschiedenen Kontexten, die sich austauschen und einander unterstützen wollen. Der Verein versteht sich auch als offene Plattform für die Umsetzung von Ideen, die sich auf Vernetzung, Information oder Unterstützung beziehen. Somit fördert der Verein viele kleine Utopien, die alle im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung stehen. Im Verein sind zurzeit ca. 80 Personen und 10 Organisationen Mitglied.

BaselWandel lässt sich gut über drei Säulen beschreiben:

  1. Vernetzung von verschiedenen Organisationen und Aussenstehenden, um Synergien und Inspiration zu schaffen.
  2. Informationsplattform, um die Öffentlichkeit über die Projekte und Organisationen zu informieren. Zu diesem Zweck gibt es bald einen neuen Webauftritt vom Verein mit Organisationsprofilen und Beschreibungen der einzelnen Projekte.
  3. Unterstützung durch Räumlichkeiten, Know-How und mittelfristig auch durch Workshops bieten.

Auf die Frage, wie die beiden ihr Engagement bei BaselWandel mit ihrem Beruf unter einen Hut bekommen, haben beide eine klare gemeinsame Antwort: Es braucht Leidenschaft und Herzblut. Ohne das wird man sich nicht dauerhaft einsetzen, da es einem kein wirkliches Anliegen ist.

Zeit für Utopien gibt es bei BaselWandel zum Beispiel jeden ersten Montag im Monat in der Müllheimerstrasse 77, 4057 Basel. Dann werden Projekte vorgestellt und in einer offenen Runde diskutiert. Man bekommt neue Inputs und kann sein Netzwerk ausbauen. Mich werdet ihr dort sicher auch demnächst treffen können 😊

Weitere Veranstaltungen sind gerade in Planung. Am besten abonniert ihr den BaselWandel Newsletter oder schaut auf der BaselWandel facebook Seite vorbei, denn da läuft in naher Zukunft einiges!

Film ab! Revival der Kleinbauern

Nein, der Film philosophiert nicht über eine Welt, in der alles rosig ist und die wir wahrscheinlich nie erreichen werden. Im Gegenteil. Der Film zeigt ganz konkret, wie eine etwas utopischere, im Sinne von bessere, Welt heute schon aussieht.

Der Film beginnt mit der Geschichte einer Aussteigerin. Eine ehemalige Angestellte, die nicht mehr damit weitermachen konnte sich für einen Konzern und dessen Produkte aufzuopfern. Stattdessen stellte sie irgendwann ihr eigenes Wohl und das einer Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Sie begann einem Bauer-Ehepaar bei der Bewirtschaftung ihres Hofladens und ihrer Ziegenherde zu helfen. Sie sieht glücklich aus. Das kann natürlich täuschen. Immerhin ist es ein Film. Doch die Sätze die fallen bleiben lange in meinem Gedächtnis:

Ich will Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.

Sie beschreibt ihre jetzige Situation nicht mit dem Wort „Verzicht“, sondern mit „innerem Reichtum“.

Der Film geht über zu weiteren Beispielen, in denen die Menschen etwas anders machen. Sich nicht vom vorherrschenden System mitreissen lassen, sondern ihr eigenes Ding durchziehen. Egal ob Ex-Angestellte aus Bayern oder knapp 3 Millionen Bewohner aus Südkorea: Sie alle unterstützen kleinbäuerliche Strukturen und sorgen für faire Preise, sodass die Kleinbauern und Fischer ihre biologischen Anbaumethoden weiter fortsetzen können. Diese fairen Preise sind vor allem dann möglich, wenn Verbraucher und Erzeuger direkt in einen Verarbeitungsbetrieb investieren – ohne Mittelsmänner/-frauen. Die Marge ist dann nämlich nicht der wichtigste Faktor, der jede Handlung bestimmt.

Zusammen leben

Nicht erst seit dem Pariser Abkommen ist einer breiteren Bevölkerung klar, dass die CO2 Reduktionsleistungen, die wir umsetzen müssen, um katastrophale Auswirkungen zu mindern, ein enormes Umdenken verlangen. Das was wir vollbringen müssen, um unsere Welt für unsere Kinder und deren Kinder zu erhalten, ist mit dem heutigen System und mit dem heute immer noch vorherrschenden Denken nicht umsetzbar.

Die Kalkbreite in Zürich zeigt eine alternative Art des Zusammenlebens, die im wahrsten Sinne des Wortes „zusammen leben“ bedeutet. Mehr gemeinschaftlicher als privater Raum, die allgemeine Ablehnung ein Auto zu besitzen und Entscheidungen, die gemeinsam für die Gemeinschaft getroffen werden. Für manche hört sich das tatsächlich nach Utopie an. Mich hat es zunächst kurz abgeschreckt. Ich mag es, mich zurückziehen zu können, keine Verpflichtungen anderen gegenüber zu haben und nicht alles immer erst diskutieren zu müssen, bevor entschieden wird. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Dinge, die alle betreffen. Wenn ich mir das klar mache, macht es absolut Sinn in einer Gemeinschaft zu leben. Natürlich gibt es auch hier, wie überall, Vor- und Nachteile, doch es scheint, als ob die Vorteile für die Bewohner klar überwiegen.

Wenn ich so weiter darüber nachdenke: Wie cool wäre es mit meinen besten Freunden in einem Mehrfamilienhaus oder mehreren Häusern nebeneinander zu wohnen. Da wär‘ ich sofort dabei. Man kann sich gegenseitig helfen, zusammen feiern und Projekte umsetzen – und wenn man mal die Nase voll hat, zieht man sich einfach in seine eigenen 4 Wände zurück. Wie viel einfacher es dann zum Beispiel wäre Kinder aufzuziehen… wie früher, als man noch in Familiengemeinschaften mit mehreren Generationen zusammengelebt hat.

Post-Wachstums-Ökonomie & Kooperativen

Es fallen auch komplexe Wörter im Film „Zeit für Utopien“. Zum Beispiel Post-Wachstums-Ökonomie. Eine sympathische Frau erklärt in den „heiligen Hallen“ der Frankfurter Börse, dass der Kapitalismus an sein Ende kommen wird. Sie sieht nicht aus wie ein Hippie oder ein Punk. In Ihrer Stimme liegt Sicherheit und Bestimmtheit. Sie verdeutlicht: Die Brücke zwischen Kapitalismus, der durch knappe Ressourcen keine Zukunft hat, und Post-Wachstums-Ökonomie ist zurzeit noch nicht modelliert. Noch einfacher gesagt:

Der Bremsweg ist nicht bekannt. Nur dass wir bremsen müssen weiss jeder.

Durch diese Wissenslücke entsteht Unsicherheit, denn eine Vollbremsung hätte eine sehr grosse Wirtschaftslücke zur Folge.

Eine Bewegung, die sich an vielen verschiedenen Orten zeigt, könnte den Bremsweg einleiten: Kooperativen. Im Film wird eine Teefabrik in Frankreich gezeigt, die um ihre Selbstverwaltung gekämpft und gewonnen hat, zudem begleitet man eine Mitarbeiterin von Fairphone auf ihrem Weg zu verschiedenen Kooperativen in Afrika. Diese beiden Beispiele zeigen mir: Moderne Produktionsbedingungen, in denen die Aufgaben und Umstände von oben diktiert werden, entfremden die Menschen von ihrer Arbeit.

Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, erklärt das im Film mit dem Wort „Resonanz“.

Resonanz erfährt man, wenn man als Handwerker ein Produkt herstellt und das Ergebnis betrachtet – oder wenn Menschen kooperieren.

Kooperation ist das Schlüsselwort in diesem Film. Ob kooperiert wird, damit man mehr Selbstbestimmung im Job erlangt, man statt 30% faire 95% des Goldpreises erhält, welches im weiteren Verlauf in Smartphones eingebaut wird oder eine gemeinschaftliche Landwirtschaft aufbaut, wie die Gemeinschaft „Ochsenherz“ in Wien – Kooperation ist eigentlich unser default setting, unsere Standardeinstellung.

Menschen sind intuitiv kooperativ.

So Joachim Bauer.

Erst durch Angst und übergreifender Konkurrenz werden wir zu Egoisten. Dabei startet eine Abwärtsspirale, denn diese Rahmenbedingungen erzeugen Dauerstress und wir wissen unterbewusst, dass wir durch egoistisches Handeln die Welt ruinieren.

Das leuchtet mir ein. Ich bin keine Maschine. Du auch nicht. Wir brauchen Zufriedenheit in unserem Leben und zwar auf einer anderen Ebene als Profit.

Fazit: Her mit den Utopien!

Ohne Utopien oder Vorstellungen von Utopien und Menschen, die daran glauben und dafür kämpfen hätte es wohl nie die Abschaffung der Apartheid gegeben, keine Gleichberechtigung und auch keine Vereine wie BaselWandel.

Für Aaron ist Konsens ein guter Startpunkt für Utopien. Till stellt in seiner persönlichen Utopie den Menschen in den Vordergrund: Andere als Menschen sehen. Unabhängig von ihrer Rolle und der jeweiligen Situation.

Wir brauchen Utopien, denn dabei kann eine andere, bessere Welt entstehen.

Noch eine Chance auf „Kraft der Lokalen“

Ich würde mich freuen euch beim letzten Film der Filmreihe „Kraft der Lokalen“ zu treffen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich und inspirierend:

Mittwoch, 24.10.2018 „The Climate Changers“

Bis Mittwoch und immer schön utopisch bleiben,

Eure Kimi