Nachhaltigkeit umgesetzt: Dominic von fossil-free

Die Mitglieder von fossil free in Basel engegieren sich für Divestment aus fossilen Brennstoffen

Auch nach der Filmreihe des Amts für Umwelt und Energie (AUE) in Basel, “Kraft der Lokalen“, haben mich die Vorbilder des AUE nicht losgelassen. So viele Menschen, die sich in verschiedensten Bereichen engagieren, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu treiben – da kann ich nicht anders: Ich habe mich mit weiteren Vorbildern getroffen und sie nach dem aktuellen Stand ihres Engagements gefragt und wie sie es schaffen es in ihren Alltag zu integrieren.

Dieses Mal habe ich mich anlässlich der zurzeit stattfindenden Klimakonferenz in Katowice mit Dominic vom Verein fossil-free getroffen.

Dominics Engagement bei fossil-free

Was beinhaltet das Projekt fossil-free?

Fossil-free ist ein Verein und Teil einer globalen Kampagne, die von der Umweltorganisation 350.org ins Leben gerufen worden ist. Wir sind in der Schweiz vor allem in Zürich aktiv. Ich bearbeite mit ein paar Mitstreiterinnen den Raum Basel mit besonderem Augenmerk auf die Pensionskasse Basel-Stadt.Es gibt auch noch Gruppen zum Beispiel in der Romandie.

Penstionskasse Basel-Stadt schluss mit fossilen Brennstoffen
Was ist das Ziel eures Engagements?

Wir wollen Divestment aus fossilen Brennstoffen gezielt lokal vorantreiben und auf wichtige Investoren wie Pensionskassen zugehen, um sie vom Divestment zu überzeugen. So können wir pro Region fokussiert vorgehen und dies überall auf der Welt bzw. überall dort, wo wir schon aktiv sind. Wir fordern von den jeweiligen Unternehmen oder Institutionen, dass sie ihre Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen.

Wie kam es zu deinem Engagement bei fossil-free und seit wann bist du dabei?

Die Kampagne wurde 2012 in den USA ins Leben gerufen und ist seit 2015 weltweit aktiv.

Ich habe vor vier Jahren das Buch “This Changes Everything – Capitalism vs. The Climate” von Naomi Klein gelesen und gleichzeitig bin ich Vater geworden. Diese Kombination hat mich dazu angeregt aktiv zu werden. Ich bin dann durch 350.org auf die Divestment-Kampagne aufmerksam geworden und habe online nach Aktivitäten in der Schweiz gesucht. Auf der fossil-free Website bin ich dann auf den Klimatag, anlässlich der Pariser Klimakonferenz aufmerksam geworden und habe an diesem Anlass in Zürich die Vereinsmitglieder direkt angesprochen und gefragt, ob ich sie unterstützen kann. Seitdem bin ich dabei und kümmere mich vor allem darum, dass die Pensionskasse Basel-Stadt ihre Investments aus fossilen Brennstoffen abzieht.

fossil-free fordert Divestment der Pensionskasse Basel-Stadt

Heutige Situation

Wie läuft es heute bei fossil-free in Basel?

Das Projekt läuft gut und wir sind immer wieder aktiv. Natürlich gibt es Phasen, in denen wir mal mehr und mal weniger für die Kampagne unternehmen aber das liegt in der Natur der Freiwilligenarbeit. Es gab ein Jahr, in dem etwas weniger gelaufen ist und sich die Situation für den Verein weiterentwickelt hat aber nun sind wir wieder aktiv.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Es gab immer wieder Schwankungen in der Anzahl von Personen, die uns unterstützt haben aber unser Kern-Team aus drei Personen ist stabil geblieben und wir sind alle immer noch sehr motiviert und aktiv. Wir freuen uns immer über Unterstützer/-innen, auch für eine etwas kürzere Dauer.

Verein fossil-free in Basel

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche/Erfolge?

Ja, letztes Jahr haben wir uns an Versicherte der PKBS (Pensionskasse Basel-Stadt) gewendet und mit ihnen zusammen eine Petition auf die Beine gestellt, in der Versicherte selbst fordern, dass die PKBS aus dem Investment in fossile Brennstoffe aussteigt.

Wir haben dann eine Übergabe mit der Geschäftsführung der PKBS vereinbart und konnten uns in einem offenen Gespräch auf Augenhöhe mit ihnen austauschen, unsere Forderungen anbringen und über Divestment-Strategien diskutieren.

Ein weiteres tolles Erlebnis für mich war zu sehen, wie kurz die Wege in Basel sein können. Ich hatte Kontakt mit Politikern, die sich für das Thema einsetzen und konnte beim VPOD (Gewerkschaft für Staatsangestellte) einen Vortrag zu Divestment halten und danach wurde direkt eine Resolution verfasst, um das Thema zu unterstützen.

Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?

Man muss den Druck stets hoch halten, damit sich etwas ändert. Das ist eine ständige Herausforderung, macht unsere Arbeit aber auch so wichtig. Wir agieren auch nicht alleine, sondern sind zum Beispiel Teil der Klimaallianz, in der sichviele Organisationen zusammengeschlossen haben, um den Klimaschutz in der Schweiz voranzutreiben und die sich für Divestment einsetzt. So wird der Druck aus vielen verschiedenen Richtungen aufrechterhalten. Es läuft also an den unterschiedlichsten Stellen etwas zum Thema Divestment. Unser Beitrag ist dann oft auch zu zeigen, dass die angesprochenen Organisationen/Institutionen nicht alleine sind, sondern es viele Beispiele aus unterschiedlichen Ländern gibt, welche bereits vollständig aus Investitionen in fossile Brennstoffe ausgestiegen sind (nachzulesen unter: https://gofossilfree.org/divestment/commitments/). Zudem wird die Gewichtung unserer Forderungen durch die Verbindung mit einer globalen Kampagne meist grösser.

Herausfordernd ist auch, dass die Unternehmen und Institutionen, die wir ansprechen immer auf Zeit spielen. Davon haben wir leider, was den Klimawandel betrifft, immer weniger.

Engagement als Nebenberuf(-ung)

Was machst du wenn du nicht gerade Institutionen vom Divestment überzeugst?

Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und Vater von zwei Kindern J

Wie lässt sich freiwilliges Engagement ins Leben integrieren?

Ich würde sagen, wenn man eine Gruppe von Leuten findet, mit denen es Spass macht sich zu engagieren, dann ist es einfach das in sein Leben zu integrieren auch wenn man vollberuflich tätig ist und Familie hat. Vor allem merkt man in einer Gruppe auch, dass man gemeinsam wirklich etwas bewirken kann und vor allem schneller etwas bewegen und lösen kann. Sich in eine Gemeinschaft zu begeben, die sich einem Engagement widmet, hilft die Schockstarre zu überwinden, die man vielleicht hat, wenn man den neusten IPCC Bericht liest und einem die Dringlichkeit des Handelns bewusst wird. Zudem ist Spass beim Engagement für ein solches Thema wichtig, weil man sonst eventuell schnell frustriert ist und das Engagement nicht aufrecht erhält, was jedoch essentiell ist.

Es ist schwierig pauschal einen Tipp zu geben, wie man freiwilliges Engagement in sein Leben integrieren kann, da jeder anders ist. Ich tausche mich zum Beispiel sehr gerne mit Leuten aus, spreche aber ungern Fremde auf der Strasse an, um ihnen zum Beispiel Flyer zu geben.

Kommende Veranstaltungen von fossil-free

Im Veranstaltungskalender auf der fossil-free Website kann man sich über die aktuellen Veranstaltungen informieren.

Unabhängig von fossil-free haben ein paar Leute, die ich durch fossil-free kennengelernt habe den “Klimaznacht” ins Leben gerufen. Zu diesem Abendessen ist jeder herzlich willkommen und wir sprechen, wie der Name schon sagt, bei einem Abendessen über Klima-Themen und suchen nach neuen Ideen und Wegen aktiv zu werden.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Esther, Samuel und die Climate Changers

Anders als bei den vorhergehenden Filmen der Reihe “Kraft der Lokalen“, “Das Wunder von Mals” mit Felix und “Zeit für Utopien” mit Aaron und Till, konnte ich diesmal direkt mit den Filmproduzenten sprechen.

Samuel, freischaffender Journalist, der sich überwiegend mit Themen in Bezug auf Umwelt und nachhaltige Entwicklung befasst, erzählte Esther, Grafikdesignerin und Filmemacherin, bei einem Mittagessen von seinem Vorhaben. Es ist 2015 und er will nach Paris, um die historische Klimakonferenz COP21 zu dokumentieren, die zu einem neuen internationalen Klimavertrag führen soll. Das Mittagessen findet zwei Wochen davor statt und Esther ist sofort Feuer und Flamme für die Idee, Samuels Vorhaben filmisch zu begleiten.

Die beiden haben nicht die offizielle Klimakonferenz innerhalb der Hallen dokumentiert, sondern die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten auf der Strasse.

Rote Rosen vor dem Eifelturm als Symbol der COP21 Bewegung

Die Klimakonferenz in den Pariser Strassen

Tausende Aktivisten, Gruppen verschiedenster Art, Workshops, Präsentationen, Flash Mobs – alles fand auf den Pariser Strassen, abseits der Diskussionen der Konferenzteilnehmer statt. Esther und Samuel zeigen in ihrem Film “The Climate Changers”, eindrucksvoll und teilweise sehr ergreifend, die Stimmen und Motive derjenigen, die Handeln und sich nicht mehr nur Gedanken machen wollen. Gedanken um ca. 26 Millionen Klimaflüchtlinge pro Jahr, gravierende ökologische Konsequenzen des Klimawandels wie Fluten, Dürren und Stürme sowie über mögliche Lösungen, die jeder Einzelne umsetzen kann.

Man hat den Eindruck, dass die Leute auf den Strassen von Paris die Dringlichkeit der Situation verstanden haben und statt nur zu diskutieren, auch handeln wollen. Und zwar jetzt.

Alle gehen auf die Strasse

Klimawandel ist schon lange kein rein ökologisches Problem mehr. Es betrifft Umwelt, Wirtschaft und Menschen in gleichem Ausmass. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort “Klimagerechtigkeit“.

Für Klimagerechtigkeit

Studenten, Fracking-Geschockte und –Geschädigte, Gläubige, Blogger, Journalisten, Interessierte, Engagierte, Aktivisten, Idealisten. Ihre Projekte und Motive sind so unterschiedlich, dass man kaum glauben kann, dass sie alle auf verschiedensten Wegen ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich darüber absolut einig sind:

Für Klimagerechtigkeit sorgen und die Welt vor einer Erwärmung von über 1.5 Grad bewahren.

 

Wenn nicht wir, wer dann?

Ob “Sustaina Clause”, Zero-Waste-Aktivist aus Afrika, Ex-Politiker von den Philippinen, #muslims4climate, Gegner des Damm-Baus in Brasilien, Unterstützer der indigenen Gruppen in Indonesien oder bekannte Künstler – alle wissen um die Klima-Problematik und keiner von ihnen stellt sich überhaupt noch die Frage ob oder was man machen sollte – Lösungen müssen her.

Die Bilder, Worte und Stimmungen, die Esther und Samuel im Film “Climate Changers” festgehalten haben sind eindrücklich und motivierend. Doch im Laufe des Films kommt die Frage auf: Was bleibt davon? Wie kann diese Aufbruchsstimmung aufrechterhalten werden? Vor 3 Jahren standen alle Zeichen auf Hoffnung. Heute, kurz vor der nächsten Klimakonferenz in Polen, mit einem amerikanischen Präsident, der den Pariser Vertrag kündigen will, vielen konservativen politischen Bewegungen, die uns an eine düstere Zeit erinnern und einer Wirtschaft, die es noch nicht schafft ein langfristiges Denken zu entwickeln, machen sich Frust und Ernüchterung breit.

Für etwsa einstehen und handeln

Wenn ich so darüber nachdenke – das ist irgendwie immer so mit wichtigen Dingen. Sie fallen einem nicht in den Schoss. Man muss sich anstrengen, beharrlich sein, durchhalten. Es wird immer, in jeder wichtigen Sache unseres Lebens, Höhen und Tiefen geben. Das ist völlig normal. Wichtig ist einzig und allein nicht aufzugeben. Den Idealismus am Leben zu erhalten.

Diese – ja man könnte schon fast sagen Lebensweisheit – lässt sich auf das gesamte Leben anwenden. Auch ich muss mich immer wieder motivieren engagiert zu bleiben und mich nicht auf die faule Haut zu legen und mir dabei zu denken: “Die anderen kümmern sich schon darum.”

Es kommt darauf an, ob wir alle Climate Changers werden oder nicht

Die Euphorie von Paris mag verflogen sein, doch durch “Climate Changers” werden wir daran erinnert und bleiben motiviert. Die regionalen Bewegungen bestehen weiterhin. Esther und Samuel werden bald ein weiteres Filmprojekt abschliessen, BaselWandel wird viele weitere Projekte unterstützen, die Lebensmittelkampagne wird Kleinbauern gerechte Preise ermöglichen und der Hambacher Forst wird nicht abgeholzt.

Was einzelne Personen erreichen können, zeigen nicht nur die Vorbilder des AUE, sondern auch Esther und Samuel in ihrem nächsten Film. Die beiden haben David Höner, den Gründer von “Cuisine sans frontières” (Küche ohne Grenzen) bei seiner Arbeit in Ecuador begleitet. Sie zeigen die Zerstörung durch die Erdölindustrie im Amazonasgebiet und fragen nach möglichen Alternativen. Zugleich porträtieren sie einen Mann, der mit einer Idee, seiner Erfahrung und einem Netzwerk von lokalen Helfern Alternativen für die indigenen Gruppen vor Ort schaffen will.

“Es braucht viele kleine Teilchen, die sich bewegen, damit das Wasser zu kochen beginnt” Esther Petsche

Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich nicht durch ein Wochenende vollgepackt mit Demonstrationen, ein paar Klimakonferenzen oder vielen grossen Worten, die zu Lebensweisheiten zusammengeschmiedet werden.

Nein. So funktioniert das leider nicht.

Es ist, wie schon gesagt, nicht so einfach. Wandel ist manchmal leise, manchmal laut. Mal macht er grosse Sprünge, oft kleine Schritte. Das Wichtigste, was einen Wandel per Definition ausmacht, ist langanhaltende Veränderung. Ein langer Atem. Nicht aufgeben. An das glauben, was man tut und für was man sich einsetzt. Wenn wir das in unserem Leben durchziehen und der nächsten Generation glaubwürdig mitgeben können – dann denken ich haben wir alle eine Chance.

Um “Sustaina Clause” aus dem Film sinngemäss zu zitieren:
“Es geht um dich und das was du mit deinem Leben machst.”

Egal wofür euer Herz schlägt, bleibt dran!

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Aaron, Till und die Utopien

Zeit für Utopien bei BaselWandel

Mein zweiter Beitrag der Serie „Nachhaltigkeit umgesetzt“ bezieht sich wieder auf einen Film,   den ich zusammen mit Aaron und Till vom Verein BaselWandel im Quartiertreffpunkt Lola gesehen habe. Auch diese Filmvorführung mit anschliessender Diskussion wurde vom AUE (Amt für Umwelt und Energie Basel) organisiert. Die Filmreihe heisst “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” und endet am 24. Oktober mit der letzten Vorführung, ebenfalls im Lola.

BaselWandel ist ein Netzwerk, das Begegnungen schafft. Für Leute mit Ambitionen und Projekten aus verschiedenen Kontexten, die sich austauschen und einander unterstützen wollen. Der Verein versteht sich auch als offene Plattform für die Umsetzung von Ideen, die sich auf Vernetzung, Information oder Unterstützung beziehen. Somit fördert der Verein viele kleine Utopien, die alle im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung stehen. Im Verein sind zurzeit ca. 80 Personen und 10 Organisationen Mitglied.

BaselWandel lässt sich gut über drei Säulen beschreiben:

  1. Vernetzung von verschiedenen Organisationen und Aussenstehenden, um Synergien und Inspiration zu schaffen.
  2. Informationsplattform, um die Öffentlichkeit über die Projekte und Organisationen zu informieren. Zu diesem Zweck gibt es bald einen neuen Webauftritt vom Verein mit Organisationsprofilen und Beschreibungen der einzelnen Projekte.
  3. Unterstützung durch Räumlichkeiten, Know-How und mittelfristig auch durch Workshops bieten.

Auf die Frage, wie die beiden ihr Engagement bei BaselWandel mit ihrem Beruf unter einen Hut bekommen, haben beide eine klare gemeinsame Antwort: Es braucht Leidenschaft und Herzblut. Ohne das wird man sich nicht dauerhaft einsetzen, da es einem kein wirkliches Anliegen ist.

Zeit für Utopien gibt es bei BaselWandel zum Beispiel jeden ersten Montag im Monat in der Müllheimerstrasse 77, 4057 Basel. Dann werden Projekte vorgestellt und in einer offenen Runde diskutiert. Man bekommt neue Inputs und kann sein Netzwerk ausbauen. Mich werdet ihr dort sicher auch demnächst treffen können 😊

Weitere Veranstaltungen sind gerade in Planung. Am besten abonniert ihr den BaselWandel Newsletter oder schaut auf der BaselWandel facebook Seite vorbei, denn da läuft in naher Zukunft einiges!

Film ab! Revival der Kleinbauern

Nein, der Film philosophiert nicht über eine Welt, in der alles rosig ist und die wir wahrscheinlich nie erreichen werden. Im Gegenteil. Der Film zeigt ganz konkret, wie eine etwas utopischere, im Sinne von bessere, Welt heute schon aussieht.

Der Film beginnt mit der Geschichte einer Aussteigerin. Eine ehemalige Angestellte, die nicht mehr damit weitermachen konnte sich für einen Konzern und dessen Produkte aufzuopfern. Stattdessen stellte sie irgendwann ihr eigenes Wohl und das einer Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Sie begann einem Bauer-Ehepaar bei der Bewirtschaftung ihres Hofladens und ihrer Ziegenherde zu helfen. Sie sieht glücklich aus. Das kann natürlich täuschen. Immerhin ist es ein Film. Doch die Sätze die fallen bleiben lange in meinem Gedächtnis:

Ich will Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.

Sie beschreibt ihre jetzige Situation nicht mit dem Wort „Verzicht“, sondern mit „innerem Reichtum“.

Der Film geht über zu weiteren Beispielen, in denen die Menschen etwas anders machen. Sich nicht vom vorherrschenden System mitreissen lassen, sondern ihr eigenes Ding durchziehen. Egal ob Ex-Angestellte aus Bayern oder knapp 3 Millionen Bewohner aus Südkorea: Sie alle unterstützen kleinbäuerliche Strukturen und sorgen für faire Preise, sodass die Kleinbauern und Fischer ihre biologischen Anbaumethoden weiter fortsetzen können. Diese fairen Preise sind vor allem dann möglich, wenn Verbraucher und Erzeuger direkt in einen Verarbeitungsbetrieb investieren – ohne Mittelsmänner/-frauen. Die Marge ist dann nämlich nicht der wichtigste Faktor, der jede Handlung bestimmt.

Zusammen leben

Nicht erst seit dem Pariser Abkommen ist einer breiteren Bevölkerung klar, dass die CO2 Reduktionsleistungen, die wir umsetzen müssen, um katastrophale Auswirkungen zu mindern, ein enormes Umdenken verlangen. Das was wir vollbringen müssen, um unsere Welt für unsere Kinder und deren Kinder zu erhalten, ist mit dem heutigen System und mit dem heute immer noch vorherrschenden Denken nicht umsetzbar.

Die Kalkbreite in Zürich zeigt eine alternative Art des Zusammenlebens, die im wahrsten Sinne des Wortes „zusammen leben“ bedeutet. Mehr gemeinschaftlicher als privater Raum, die allgemeine Ablehnung ein Auto zu besitzen und Entscheidungen, die gemeinsam für die Gemeinschaft getroffen werden. Für manche hört sich das tatsächlich nach Utopie an. Mich hat es zunächst kurz abgeschreckt. Ich mag es, mich zurückziehen zu können, keine Verpflichtungen anderen gegenüber zu haben und nicht alles immer erst diskutieren zu müssen, bevor entschieden wird. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Dinge, die alle betreffen. Wenn ich mir das klar mache, macht es absolut Sinn in einer Gemeinschaft zu leben. Natürlich gibt es auch hier, wie überall, Vor- und Nachteile, doch es scheint, als ob die Vorteile für die Bewohner klar überwiegen.

Wenn ich so weiter darüber nachdenke: Wie cool wäre es mit meinen besten Freunden in einem Mehrfamilienhaus oder mehreren Häusern nebeneinander zu wohnen. Da wär‘ ich sofort dabei. Man kann sich gegenseitig helfen, zusammen feiern und Projekte umsetzen – und wenn man mal die Nase voll hat, zieht man sich einfach in seine eigenen 4 Wände zurück. Wie viel einfacher es dann zum Beispiel wäre Kinder aufzuziehen… wie früher, als man noch in Familiengemeinschaften mit mehreren Generationen zusammengelebt hat.

Post-Wachstums-Ökonomie & Kooperativen

Es fallen auch komplexe Wörter im Film „Zeit für Utopien“. Zum Beispiel Post-Wachstums-Ökonomie. Eine sympathische Frau erklärt in den „heiligen Hallen“ der Frankfurter Börse, dass der Kapitalismus an sein Ende kommen wird. Sie sieht nicht aus wie ein Hippie oder ein Punk. In Ihrer Stimme liegt Sicherheit und Bestimmtheit. Sie verdeutlicht: Die Brücke zwischen Kapitalismus, der durch knappe Ressourcen keine Zukunft hat, und Post-Wachstums-Ökonomie ist zurzeit noch nicht modelliert. Noch einfacher gesagt:

Der Bremsweg ist nicht bekannt. Nur dass wir bremsen müssen weiss jeder.

Durch diese Wissenslücke entsteht Unsicherheit, denn eine Vollbremsung hätte eine sehr grosse Wirtschaftslücke zur Folge.

Eine Bewegung, die sich an vielen verschiedenen Orten zeigt, könnte den Bremsweg einleiten: Kooperativen. Im Film wird eine Teefabrik in Frankreich gezeigt, die um ihre Selbstverwaltung gekämpft und gewonnen hat, zudem begleitet man eine Mitarbeiterin von Fairphone auf ihrem Weg zu verschiedenen Kooperativen in Afrika. Diese beiden Beispiele zeigen mir: Moderne Produktionsbedingungen, in denen die Aufgaben und Umstände von oben diktiert werden, entfremden die Menschen von ihrer Arbeit.

Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, erklärt das im Film mit dem Wort „Resonanz“.

Resonanz erfährt man, wenn man als Handwerker ein Produkt herstellt und das Ergebnis betrachtet – oder wenn Menschen kooperieren.

Kooperation ist das Schlüsselwort in diesem Film. Ob kooperiert wird, damit man mehr Selbstbestimmung im Job erlangt, man statt 30% faire 95% des Goldpreises erhält, welches im weiteren Verlauf in Smartphones eingebaut wird oder eine gemeinschaftliche Landwirtschaft aufbaut, wie die Gemeinschaft „Ochsenherz“ in Wien – Kooperation ist eigentlich unser default setting, unsere Standardeinstellung.

Menschen sind intuitiv kooperativ.

So Joachim Bauer.

Erst durch Angst und übergreifender Konkurrenz werden wir zu Egoisten. Dabei startet eine Abwärtsspirale, denn diese Rahmenbedingungen erzeugen Dauerstress und wir wissen unterbewusst, dass wir durch egoistisches Handeln die Welt ruinieren.

Das leuchtet mir ein. Ich bin keine Maschine. Du auch nicht. Wir brauchen Zufriedenheit in unserem Leben und zwar auf einer anderen Ebene als Profit.

Fazit: Her mit den Utopien!

Ohne Utopien oder Vorstellungen von Utopien und Menschen, die daran glauben und dafür kämpfen hätte es wohl nie die Abschaffung der Apartheid gegeben, keine Gleichberechtigung und auch keine Vereine wie BaselWandel.

Für Aaron ist Konsens ein guter Startpunkt für Utopien. Till stellt in seiner persönlichen Utopie den Menschen in den Vordergrund: Andere als Menschen sehen. Unabhängig von ihrer Rolle und der jeweiligen Situation.

Wir brauchen Utopien, denn dabei kann eine andere, bessere Welt entstehen.

Noch eine Chance auf „Kraft der Lokalen“

Ich würde mich freuen euch beim letzten Film der Filmreihe „Kraft der Lokalen“ zu treffen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich und inspirierend:

Mittwoch, 24.10.2018 „The Climate Changers“

Bis Mittwoch und immer schön utopisch bleiben,

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Felix & das Wunder von Mals

Bauer auf meinem Traktor im Sonnenschein

Eine vorbildliche Sache

Ein Ziel von KimiB.Good ist der Austausch mit “Umsetzern”, wie ich sie nenne. Das heisst Austausch mit Menschen, die sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung engagieren oder ihren Lebensstil darauf ausrichten. Egal wie.

Ich will von diesen Leuten lernen, erfahren, wie genau man sich engagieren kann, was es bringt und wie man es in seinen Alltag einbauen kann. Diesen Austausch möchte ich mit euch allen teilen, denn je mehr Menschen den eigenen Lebensstil nachhaltiger gestalten, desto besser für uns alle und unsere Umwelt.

Durch meine Recherchen und Kontakte bin ich mit dem Amt für Umwelt und Energie in Basel (AUE) ins Gespräch gekommen. Das AUE hat ebenfalls das Ziel Menschen vorzustellen, die sich engagieren, etwas bewegen und sich für die Welt von morgen einsetzen.

Wir ziehen also am selben Strang.

Daher möchte ich in der Serie “Nachhaltigkeit umgesetzt” mit den Vorbildern für die Welt von morgen, die das AUE auf ihrer Website vorstellt, über ihr Engagement sprechen und herausfinden, was es heisst Nachhaltigkeit auf vielen verschiedenen Wegen umzusetzen.

Logo Vorbilder für die Welt von morgen

Von den Vorbildern will ich vor allem wissen, wie sie es schaffen sich im Alltag zu engagieren, motiviert zu bleiben und was Fallstricke und Erfolgsfaktoren ihres Einsatzes für die Nachhaltigkeit sind. Natürlich sollen die Antworten uns allen Nutzen stiften: Informieren, Neugier stillen, Tipps verbreiten und motivieren.

In den ersten drei Beiträgen dieser Serie werden ich auch kurz auf den Film eingehen, den ich zusammen mit den jeweiligen Umsetzern (oder Vorbildern, wie das AUE sie nennt) im Zuge der Filmreihe “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” gesehen habe.

Das Wunder von Mals

Der Film, den ich zusammen mit Felix von der Lebensmittelkampagne gesehen habe, dreht sich um ein, wie die Malser im Film selbst sagen, kleines gallisches Dorf in Mitten von Pestizid-bestäubten Apfelplantagen.

Die Problematik in Mals ist folgende:

Innerhalb der letzten 50 Jahre haben sich Wiesen in Felder mit Monokulturen verwandelt, der konventionelle Anbau hat Einzug gehalten und mit ihm der recht freizügige Gebrauch von Pestiziden, die nicht unbedingt alle verwendet werden dürften. Die umliegenden Bio-Anbau-Felder bekommen davon durch Wind und Witterung natürlich auch gratis etwas ab. Mit der Folge, dass die Bio-Produkte der Bio-Bauern plötzlich nicht mehr Bio sind.

Das Problem weitete sich in Mals allerdings weiter aus: Da nicht nur die Bio-Pflanzen, sondern auch die Menschen, die dort leben, gefährdet waren bzw. sind, wollte man das Dorf von Pestiziden befreien. Man wollte und will immer noch zeigen, dass es auch mit Bio geht. Dass die Versorgung und die Wirtschaftlichkeit nicht darunter leiden.

“Einfach uns mal vorausgehen lassen.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker in Mals

Dieser vorbildliche Gedanke passt allerdings nicht jedem in den Kram. So eskalierte der Konflikt zwischen Vertretern des Bio-Anbaus bzw. des Pestizid-freien Anbaus und den Verfechtern der konventionellen Landwirtschaft nicht nur juristisch, sondern auch auf sehr unschöne, persönliche Art. Menschen wurden bedroht, Eigentum zerstört. Und das nicht von der Pro-Bio Seite…

“Wir lassen nicht locker. Auf keinen Fall.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker und sogenannter Kopf des Widerstands

Der Film zeigt sehr schön, dass selbst die Bewohner eines zurückhaltenden, bescheidenen Dörfchens wie Mals, die einfach in Ruhe die Schönheit ihres Tals geniessen wollen, bereit sind für eine Sache einzustehen, wenn sie davon überzeugt sind. Mals konnte 2016 durch Abstandsregeln die Anwendung von Pestiziden in Mals verhindern. Allerdings ist dieses Verbot von Pestiziden seit April 2018 wieder ausser Kraft.

Filmvorführung im Park

Das Wunder von Mals ist also eigentlich eher die Ausdauerleistung von Mals. Oder wie es im Film genannt wird: “Der Malser Weg”.

Setzt auf Bio: Felix und seine Lebensmittelkampagne

Dranbleiben ist die Devise und der einzige Weg zu langfristigem Erfolg – nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeit. Mals will ein Vorbild sein und mit dem Bio-Anbau in eine nachhaltige Zukunft starten. Sie wollen etwas anders machen und anderen zeigen, dass es geht.

So auch die Vorbilder des AUE: Felix kennt die Problematik von konventioneller Landwirtschaft im Vergleich zum Bio-Anbau. Vor allem aus Griechenland. Dort bezieht er überregionale Lebensmittel wie z.B. Öl und bring sie in die Schweiz. Ohne Pestizide versteht sich.

Abbildung von biologisch angebautem Olivenöl aus Griechenland

Was genau das bringt?

Durch Felix erhalten die Bio-Bauern aus Griechenland vom Abnehmer, also Felix, mehr für ihr Bio-Öl und wir können das wertvolle Produkt dann zu einem normalen Bio-Preis hier bei uns kaufen.

“Meine Vision ist eine regionale und saisonale Ernährung an jedem Ort dieser Welt zu ermöglichen und Lebensmittel anderer Orte direkt von ausländischen Höfen zu beziehen” Felix Schröder

Auf Lebensmittel und im speziellen auf die Problematik, dass man keinen Bezug zum jeweiligen Bauer hat, von dem die überregionalen Lebensmittel stammen, ist Felix durch eine Lebensmittelgemeinschaft und Diskussionen mit dieser Gemeinschaft gekommen.

Wie aber schafft es Felix sein Engagement für biologisch angebaute, überregionale Lebensmittel in seinen Alltag zu integrieren und was macht er sonst noch so nebenbei? Erfahren habe ich von Felix, dass er sich seit 4 Jahren voll seinem Engagement widmet, mit dem Ziel, davon auch Leben zu können. Zurzeit ist das noch nicht der Fall und wenn das Einkommen nicht da ist, muss natürlich der Lebensstandard angepasst werden.

Felix hat das sehr schön als “von einer 5-sterne Villa in eine 3-sterne Villa umziehen und das Frühstück nicht mehr ans Bett bekommen, sondern sich am all-inclusive Buffet satt essen” bezeichnet. Will wohl meinen, dass es ihm immer noch gut geht und man auch nicht unbedingt jeden Luxus-Schnick-Schnack braucht.

Spass bei Seite: Felix wird in den nächsten Monaten noch einen ausgedehnten Logistik-Versuch starten und Mitte nächsten Jahres entscheiden, ob die Lebensmittelkampagne für ihn auch beruflich eine Zukunft darstellt oder (wieder) zu einem Hobby wird. Das heisst auch, dass sich Felix neben diesem Hobby anderen Dingen zuwenden kann. Was diese anderen Dinge sind, konnte mir Felix noch nicht sagen. Eines ist allerdings sicher: Es hat mit der Welt für morgen zu tun. Eine Rückkehr zu seinem erlernten Beruf, Flugzeugtechniker, kommt für ihn nicht in Frage.

“Ich hatte den Luxus mich ein paar Jahre voll auf mein Projekt konzentrieren zu können.”
Felix Schröder

Für Alle die sich auch in Projekten engagieren wollen empfiehlt Felix zunächst auszuloten, wie gross die persönlichen Kapazitäten dafür sind. Sprich, wie viel ist einem das Engagement oder das Projekt wert, wie viel Zeit kann man investieren und ist man eventuell auch bereit zurückzustecken und eben von der 5-Sterne Villa in eine 3-Sterne Villa zu ziehen. Klar ist: Es gibt für jede Kapazität auch eine Möglichkeit etwas für die Welt von morgen zu tun. Selbst wenn es kleine Schritte sind wie Müll zu trennen oder einen Kompost anzulegen.

Ich für meinen Teil kann euch auf jeden Fall empfehlen auch bei der Filmreihe des AUE vorbeizuschauen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich:

11.09.2018 Bike vs Cars
18.09.2018 Transformance
21.09.2018 Vorbilder für die Welt von morgen
17.10.2018 Zeit für Utopien
24.10.2018 The Climate Changers

Ich werde mir die Filme “Zeit für Utopien” und “The Climate Changers” anschauen und wünsche allen, die auch vorbei schauen viel Spass und würde mich über ein nettes Schwätzchen mit euch freuen – was so viel heisst wie: Ich bin dankbar für jede Meinung zu meinem Blog und dieser Serie 😉

Eure Kimi

The big picture: Climate change – KimiB.Good #4

schmelzende Eisberge im Wasser

Here’s the podcast!

My last podcast episode and article are related to food topics and how food production and consumption are linked to sustainability. I have noticed that our food system has major impacts on our climate. And so has our waste system as well as our whole economic system.

It seems essential for me to step back and take a look at the bigger picture.

For me, climate change is the big picture when talking about sustainability. In the course of the 2030 Agenda for Sustainable Development, the UN set 17 global goals in 2015 – the Sustainable Development Goals. These goals are a UN initiative and aim to transform our world towards a more sustainable development. They are all interlinked and almost all goals link somehow to climate change.

As you might guess, climate change is a huge topic and it is necessary to define what is meant by talking about that term.

What are we talking about

Climate change, global warming, weather, climate – they seem to tell us the same story but they refer to events with broadly different spatial- and timescales.

“Weather refers to atmospheric conditions that occur locally over short periods of time—from minutes to hours or days. Familiar examples include rain, snow, clouds, winds, floods or thunderstorms. Remember, weather is local and short-term. Climate, on the other hand, refers to the long-term regional or even global average of temperature, humidity and rainfall patterns over seasons, years or decades.” (Source: NASA, 2018)

Global warming includes upward temperature trend across the earth since the industrial revolution in the early 20th century, due to the increase in fossil fuel emissions. Worldwide the average surface temperature has gone up by about 0.8 °C since 1880, relative to the mid-20th-century baseline (of 1951-1980).

Climate change covers a broad range of global phenomena, which add heat-trapping gases to our atmosphere. These phenomena include the increased temperature trends described by global warming, but also encompass changes such as sea level rise, ice mass loss in Greenland, Antarctica, the Arctic and mountain glaciers worldwide, shifts in plant blooming and extreme weather events.

Climate change. Facts.

There are actually a lot of facts on climate change. I will present a summary of 10 facts which might illustrate the urgency to act for all of us.
To all sceptics: Right below the facts, I will shortly explain how science and the scientific methods work. Sure you can still deny the existence of human caused climate change but you might feel a little lonely and stubborn at some point. Nevertheless, the decision is up to you. Personally, I do not doubt the existence of climate change and that humankind plays an essential role.

a grafitti saying I do not believe in global warming half swamped

97 percent: The percentage of scientists who agree that warming trends over the past century are very likely caused by human activity.
But it is always a good idea to take a look at the opposite view: form your own opinion on scientific consensus.

1950: Year when atmospheric CO2 levels broke records from the previous 400,000 years, sharply rising and continuing to grow.

8 inches: Rise in global sea levels over the last century. The rate of rise has nearly doubled in the last two decades.

Meer mit Eisschollen

16: Number of record-breaking hottest years since 2000. 2016 was the hottest year yet.

1.5 degrees: The average worldwide temperature increase in Fahrenheit compared to a century ago.

400 parts per million: Average concentration since 2016 of CO2 in the atmosphere, compared to 275 PPM for past 400,000 years.

9: The 9 most explosive fires in America’s history have all occurred since 2000, with 2015 having the biggest fire (10.1 million acres burned) in American history.

Forest fire

19th century: When the heat-trapping nature of CO2 was first demonstrated.

30 percent: The increase in acidity of the world’s oceans.

$180 billion: Estimated economic losses to the United States by end of the century if no action is taken on climate change

beach with a lot of trash

How to get to these facts

How do scientists know about climate change and the facts mentioned above? The way scientists work, in a nutshell, is called “the scientific method“.

This method is the gold standard for exploring everything around us and apparently humankind. It’s the process that scientists use to understand everything from animal behavior to the forces that shape our planet—including climate change.

The process includes the following steps:

  1. Form a hypothesis (a statement that an experiment can test)
  2. Make observations (conduct experiments and gather data)
  3. Analyze and interpret the data
  4. Draw conclusions
  5. Publish results that can be validated with further experiments (rinse and repeat)

These steps may vary from discipline to discipline but overall these are the steps to gather scientific knowledge. And not only by going through them one time. The more observations are done, the more data is gathered the better is the scientific understanding and the more valid are the drawn conclusions.

Referring to climate change, I did not count the numbers of studies which deal with global warming and climate change issues but there are consensus studies which prove that the scientific consensus on whether climate change is happening and humankind is a major contributor is between 90 and 100%.

Using the scientific method, scientists have shown that humans are extremely likely the dominant cause of today’s climate change. It all starts in the late 1800s. In 1958 Charles Keeling of the Mauna Loa Observatory in Waimea, Hawaii, started taking meticulous measurements of carbon dioxide (CO2) in the atmosphere, showing the first significant evidence of rapidly rising CO2levels and producing the Keeling Curve  climate scientists know today.

Keeling Kurve die den Anstieg von CO2 in der Atmosphäre anzeigt

Whether or not you belief in the scientific method and their conclusions, something is happening with our planet and it tends to be more extreme than everything humankind has experienced so far.

… and in Switzerland

The climate in Switzerland varies a lot due to altitude and season but there are certain changes which can only be explained in terms of the increase in greenhouse gases. According to MeteoSwiss, there are three critical changes for Switzerland so far:

  1. Average annual temperature increased around 2°C since 1864 (as by 2018)
  2. There has been significantly less snow since the 1980s
  3. Changes in precipitation are becoming apparent
a graph which shows the climatic changes of Switzerland
Figure 1: The temperature series from Basel since 1755 demonstrates that the Swiss climate is subject to strong fluctuations. In the first 200 years of the measurement series, the fluctuations were primarily due to natural causes. In the last few decades, temperatures have broken through the bandwidth of long-term, natural fluctuations in an upward direction (climate change). The graph shows deviations in °C from the 1864-1900 mean.

Myths about climate change in a nutshell

There might be even more myths than facts about climate change. I’ll try to collect some of the more important myths and provide short and precise enlightenment.

  1. “CO2 is not a pollutant. It’s a GREEN gas which plants, crops and trees need to grow.”
    Yes, plants need CO2 for photosynthesis as humans need oxygen for respiration. In fact, the world’s forests store and cycle huge amounts of carbon. However, there’s a limit to the amount that they can absorb, and with deforestation increasing this limit is getting lower. It’s not the nature of CO2 that causes problems; it’s the quantity: there hasn’t been this level of CO2 in the atmosphere for 800,000 years.
  2. “Climate change has been here AT LEAST 5 million years.”
    In its basic sense this statement is true. Climate change is currently happening to an extent that cannot be explained by natural factors alone. Global temperatures have been rising for over a century, accelerating in the past 30 years, and are now the highest since records began. The global scientific community widely agrees that the warming we are experiencing is man-made.
  3. “A few degrees is nothing.”
    During the last ice age, which ended 12,000 years ago, the world’s average temperature was only 4-5°C cooler than it is today. Yet those few degrees have made a drastic difference: parts of Britain were under a mile of ice, and sea levels were about 100 metres lower than they currently are. Just a few degrees can have very dramatic effects, and what’s happening now is at a far greater rate than we’ve ever seen. To avoid the worst impacts, all nations agreed to the 2 degree (or even 1.5 degree) treshold in the Paris Agreement.
  4. “Wind farms and solar are expensive and inefficient. Nuclear, coal and oil are the only realistic way to provide for our energy needs.”
    Solar power has been the cheapest form of energy generation (per unit of energy generated) for a long time and onshore wind costs about the same as gas. Some great news over the past decade is that the costs of renewables have fallen faster than predicted. By the way, nuclear power is the most expensive one. However, the most important measure is energy efficiency. Technology like double glazing and loft insulation may not sound glamorous, but it reduces our bills and helps save the planet at the same time.
  5. “Everything is affected by climate change, but things adapt!”
    Nearly true. We all know about the adaptation part since we heared about Darwin’s natural selection rule. But there is a tiny difference to the statement in the headline which changes a lot of its meaning: Everything is affected by climate change, and some things adapt. To survive, life on earth has two options: Move or adapt. If you cannot adapt and there is no suitable habitat for you left, you die. And in the end, this rule applies if you are a plant, an animal or a human being.
  6. “Global warming was made up as a way to make money.”
    Oh come on! There are so many easy ways to make money. Tobacco, alcohol, weapons and allegedly necessary consumer goods for example. Do you really think “they” would do such an effort? No way.
  7. “The only way this planet will survive is us humans getting wiped out.”
    I cannot deny that I may have had this thought too at some point. But isn’t is a bit cowardly to ruin something and give up afterwards? Now comes the hardest part. Doing it right. So roll up your sleeves and get it done, chicken.

The good news

Even if we reduce our carbon footprint and reach the goals of the Paris Agreement, our past has its effects we cannot stop. However, Carbon Dioxide Removal (CDR) technologies are on the rise and, as we have seen in history before, technology is able to develop in major leaps if the conditions are right. Sure the conditions are not yet in favour of everything which tackles climate change but we are making progress. Politically, economically and most important in our thinking and awareness.

For more concrete CDRs, please read Jacob Devaney’s article “Good News About Climate Change!”.

As you may have experienced while trying to achieve a goal together with other people, the first thing to be set is cooperation. By working together, we can pave a path forward to a future in which businesses rely on renewable energy, cities rethink waste disposal and transportation, and communities and individuals take simple actions to save the planet.

Cheers,
Kimi

Further links

https://www.ted.com/playlists/78/climate_change_oh_it_s_real

https://www.wwf.org.uk/effectsofclimatechange

https://www.weforum.org/agenda/2017/01/tech-innovations-save-us-from-climate-change/

Man ist was man isst – KimiB.Good #3

Grosser Burger in dem ein Messer steckt

Hier geht’s zum Podcast!

Essen ist etwas Wundervolles. Zumindest für mich. Ich esse sehr gerne gut und bin davon überzeugt, dass eine gesunde Ernährung essentiell für ein aktives und glückliches Leben ist. Warum? Weil Essen die älteste und damit bewährteste Medizin ist. In Kombination mit Bewegung werden Körper und Geist fit gehalten und das Leben begibt sich in eine positive Aufwärtsspirale. Natürlich nicht nach einer Woche, einem Monat oder einem Jahr. Da heisst es dran bleiben!

Ich möchte euch aber keinen Vortrag über mehr Sport und 5 Portionen Gemüse oder Früchte am Tag halten. Ehrlich gesagt, ich bin kein grosser Früchte-Fan. Ich möchte über Nahrung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sprechen. Natürlich ist es auch nachhaltig, gesund zu essen und sich damit gesund und fit zu halten.

Gemüse und Eier auf einem Holz-Schneidebrett mit Messer und Pfanne
Foto von Kathie Smith via unsplash.com

Nahrung und Nachhaltigkeit ist ein unglaublich grosses Thema. Mir fallen da direkt Themen wie Veganismus, Urban Agriculture, Fleisch-Konsum, grosse Handelsfirmen, Fair Trade, Lebensmittelverschwendung, aber auch Greenwashing, der Bauern-Laden hier um die Ecke oder die Kräuter auf meinem Balkon ein. Ihr seht, dieser Beitrag könnte enorm lang werden. Dazu fehlt mir allerdings leider die Zeit.

Ich möchte vielmehr auf zwei Mythen eingehen, die mir sehr oft begegnen und einen grossen Einfluss haben. Sollten euch andere Fragen zum Thema Ernährung und Nachhaltigkeit auf dem Herzen liegen, hoffe ich, euch mit den ganz unten aufgeführten Links weiterhelfen zu können.

Mythen & Fakten

Ein Mythos, der sich sehr hartnäckig hält und der mir immer wieder zu Ohren kommt, ist:

Vegetarier und Veganer bekommen durch den Verzicht auf Fleisch zu wenig Proteine.

Proteine sind wichtig, ja. Vor allem, wenn man viel Sport treibt und zum Ziel hat, Muskelmasse aufzubauen, was durchaus erstrebenswert ist, da Muskelmasse auch im Ruhezustand Kalorien verbrennt. Eine der grössten Studien zu diesem Thema hat allerdings gezeigt, dass es nicht Proteine sind, die Veganern oder Vegetariern fehlen, nein. Sie bekommen täglich, wie Fleisch-Esser auch, mehr als nötig. Ein anderer Nahrungsbestandteil ist das Problem: Ballaststoffe.

Eine reichhaltige Gemüse-Auslage
Foto von Ja Ma via unsplash.com

Ballaststoffe finden sich ausschliesslich in pflanzlicher Nahrung: Fleisch, Eier, Milch, Fast Food… All das enthält keine Ballaststoffe. Vom gesundheitlichen Aspekt her gesehen, geht es also nicht darum, ob man Fleisch, Fisch, etc. isst oder nicht, sondern wie viel und was man sonst noch alles isst.

Bleiben wir kurz beim Fleischkonsum. Ein äusserst populäres und oft heftig diskutiertes Thema. Ich persönlich esse Fleisch und Fisch. Von Blutwurst bis  zu Meeresfrüchten. Alles Geschmackssache. Nichtsdestotrotz kann ich meine Augen nicht vor den Fakten verschliessen:

Metzger, der ein Stück Fleisch festhält, das auf einer Ablage liegt
Foto von Armando Ascorve via unsplash.com
  • vor 100 Jahren haben wir nur halb so viel Fleisch verzehrt
  • Um die Massen an Fleisch zu produzieren, halten wir die Tiere oft in Tier-unwürdigen Massentierhaltungen und pumpen sie mit Medikamenten voll, damit sie dieses Leben bis zum Schlachttag durchhalten – nicht wirklich lecker
  • 1 kg Steak benötigt durchschnittlich 15000 Liter Wasser für Futterpflanzen, das Tränken der Tiere und zum putzen der Ställe
  • Zum Vergleich: 1 kg Brot benötigt 1300 Liter Wasser – im Hinblick auf die Ressource Wasser, die für viele Menschen immer knapper wird, eine ziemliche Verschwendung
  • Abwasser und Dünger der Futterfelder verunreinigen unser Grundwasser mit z.B. Nitraten und senken den Sauerstoffgehalt, sodass z.B. Flussmündungen zu Todeszonen für Tiere werden – und unsere Trinkwasserquelle Nr.1 ist unser Grundwasser
  • Das Problem mit den weitreichendsten Auswirkungen ist das Futter: Soja
  • Für Soja als Viehfutter wird v.a. in Lateinamerika der Regenwald abgeholzt – was schrecklich für die Biodiversität der Erde ist, aber auch die “grüne Lunge” der Erde zerstört und somit jedem Einzelnen von uns schadet
  • Soja wird als Monokultur angepflanzt, die durch Dünger und Pestizide wunderbar wächst, ist der Boden aber einmal überlastet, muss neuer Regenwald geholzt werden, um neue Felder zu errichten
  • Die Kleinbauern, die z.B. in Lateinamerika Landwirtschaft betreiben werden oft von ihrem Land vertrieben, um für grosse Soja-Farmen Platz zu machen oder es lohnt sich für sie nicht mehr selbst anzubauen. Sie werden zu Arbeitnehmern der Grossfarmen und arbeiten dort für einen Hungerlohn und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Folge: Die Armen werden ärmer, wenige werden reich.
  • Die Nutztierhaltung setzt mehr Klimagase frei als alle Transportwege der Welt zusammen
  • Der Hunger weltweit wird durch den Futteranbau verstärkt, indem das Land nicht für Nahrung für den Mensch, sondern für das Vieh genutzt wird:
    • 1 ha Futterpflanzen können ca. 2 Personen mit Fleisch ernähren
    • 1 ha Gemüse kann ca. 1 Familie ernähren
    • 1 ha Kartoffeln kann ca. 1 Fussballmannschaft ernähren
  • Der Platz für unser Essen wird durch steigenden Fleischkonsum immer knapper und die Bevölkerung der Erde wächst gleichzeitig – der Hunger steigt
  • Last but not least zerstört Fleischkonsum Märkte in Ländern, die auf den Aufbau von diesen Märkten angewiesen sind: Da in Europa vor allem Pouletbrust gerne gegessen wird und der Rest des Poulets eher nicht, wird dieses tiefgekühlt nach Afrika verschifft und dort günstiger als die regionalen Produkte verkauft – die lokale Bevölkerung kann nicht mehr von Viehzucht leben
Kühe auf einer Weide im Sonnenuntergang
Foto von Stijn Te Strake via unsplash.com

Ja, es gibt mehr als genug negative Fakten zum Fleischkonsum. Trotzdem esse ich Fleisch. Warum? Ist es Gewohnheit, Kultur, Starrsinn? Egal was es ist. Die Fakten sprechen für sich und ob es einem passt oder nicht, Veränderung ist mehr als angebracht. Ist ja nicht so, als würden wir verhungern, wenn wir weniger oder gar kein Fleisch mehr essen.

Es gibt hierbei aber auch eine gute Nachricht: Sojafutter ist das Problem, welche unglaublich viele negative Wechselwirkungen hat. Essen wir Fleisch, das mit biologisch angebautem Futter produziert wurde, fördern wir, dass die Tiere wieder Gras auf der Weide essen, statt Soja in Pallet-Form. Wird diese Art der Tierhaltung gefördert, stellen wir uns als Nachfrager gegen Massentierhaltung, begünstigen eine weitaus geringer Produktion an Fleischprodukten und verhelfen dem Preis für Fleisch auf eine angemessenere Höhe. Fleisch in der Schweiz z.B. gilt als besonders teuer. Ja, das ist es auch. Aber ich sag’ euch, es schmeckt mir direkt doppelt so gut, wenn ich weiss, dass es hier von der Weide kommt und ich mit dem Preis die Arbeit wertschätze, die dahinter steckt.

Zum Abschluss zu diesem Thema: Wenn Tier, dann alles! Unsere Grosseltern haben alles vom Tier gegessen. Es wäre ihnen nie in den Sinn gekommen zu sagen: “Ih, Rinderzunge finde ich eckelig. Das esse ich nicht.” Probier es aus! Zum Beispiel bei Mark + Bein in Basel oder deinem Metzger um die Ecke.

Interaktive Grafik zum Fleischkonsum

Ein Mythos, der hoffentlich bald gegessen ist:

Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Lebensmitteln nicht mehr geniessbar.

Das-stimmt-einfach-nicht! Bitte den Kopf einschalten. Oder in diesem Fall eher Nase, Augen und Zunge. Vertraut euren Sinnen und testet die Produkte, bevor ihr sie wegwerft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Produkt ist lediglich eine Hersteller-Empfehlung, die aufgrund von Erfahrungswerten und rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben wird. Es ist kein Verfallsdatum. Verpackte Lebensmittel müssen diese Kennzeichnung tragen. Mit Mindesthaltbarkeitsdatum ist der Zeitpunkt gemeint, bis zu dem das Lebensmittelunternehmen garantiert, dass das Produkt bei richtiger Lagerung und geschlossener Verpackung seine spezifischen Eigenschaften behält (z. B. Geschmack, Aussehen, Konsistenz, Nährwerte …). Ist ein Verbrauchsdatum angegeben (Bei z.B. rohem Fleisch und Fisch, sowie Rohmilch) sollte man sich allerdings daran halten, da die Lebensmittel nach Ablauf dieses Datums gesundheitsschädlich sein können.

Frontalansicht eines Kühlregals mit Käseprodukten
Foto von Igor Ovsyannykov via unsplash.com

Lebensmittel zu testen, bevor sie endgültig im Abfall landen lohnt sich, denn:

  • 1/3 aller Lebensmittel geht verloren – sogenannter Foodwaste – das entspricht 300kg pro Person pro Jahr x 770’000 Einwohner/-innen in der Schweiz = 2’310’000’000 kg
  • Die Europäische Kommission schätzt dass in der EU pro Person und Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden. Das macht insgesamt 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
  • 53 % aller weggeworfenen Lebensmittel gehen dabei auf das Konto der privaten Haushalte. In einem durchschnittlichen Haushalt wird ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weggeworfen, vieles davon ungeöffnet.
  • 30 % landen bei Landwirtschaft und Produzenten im Müll, 12 % in der Gastronomie und 5 % im Handel.
Quelle: foodwaste.ch 2018

Noch ein paar gute Nachrichten zum Schluss

Die Diskussion um Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit ist nicht neu und es gibt zum Glück schon viele Massnahmen, die uns bewusster essen lassen (sollten). Zum Beispiel gibt es in vielen Städten Unternehmen, die ihre Reste spenden oder Privatpersonen, die ihre nicht benötigten Lebensmittel in sogenannten Fairteilern zur Verfügung stellen. Ein schönes Beispiel ist die App “toogoodtogo“, die es ermöglicht, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Ein Interview mit Franzi von “toogoodtogo” könnt ihr euch im Podcast zu dieser Folge anhören. Auch politisch bewegt sich etwas: Zürich hat sich mit 60% der Stimmen für eine nachhaltige und faire Ernährung ausgesprochen und dies in den Grundsätzen verankert. Auch Detailhändler wie Coop wissen schon länger, dass sie eine grosse Verantwortung zu tragen haben und nehmen diese wahr. Insgesamt scheinen wir auf einem guten Weg zu sein. Trotzdem liegt es an jedem Einzelnen die weitere Verbesserung selbst in die Hand zu nehmen.

Aufsicht auf drei angerichtete Küchlein verziert mit Früchten rund um den Teller
Foto von Toa Heftiba via unsplash.com

Mein appetitliches Fazit

Es ist natürlich jedem selbst überlassen, was er oder sie isst. Mit einem guten Gewissen schmeckt es allerdings einfach besser. Ich tausche mich sehr gerne mit meinen vegetarischen und veganen Freunden aus und muss sagen, dass deren Rezeptideen sehr bereichernd sind. Gerade was die Vielfalt angeht. Ich kann jedem von euch empfehlen, sich der vegetarischen und veganen Küche zu öffnen und einfach mal zu experimentieren. Das tut nicht nur der Umwelt gut, sondern auch eurem Magen und ganzen Körper. Ich für meinen Teil werde nach meinen Recherchen zu diesem Artikel noch bewusster Fleisch und sicherlich auch weniger davon essen. Die Herausforderung wird sein, dass auch langfristig umzusetzen und zur Gewohnheit werden zu lassen. Fleisch ist für mich wieder zu einer Delikatesse geworden, die ich mir bewusst gönne. Bezogen auf andere Lebensmittel möchte ich die nachhaltigen Möglichkeiten nutzen, die mir zur Verfügung stehen. Ich möchte mir ein Gemüse-Abo der Nuglar-Gärten holen, ein paar eigene Gemüsesorten wie Tomaten und Peperoni auf meinem Balkon anpflanzen und mehr Zeit fürs Einkaufen einräumen, damit mir die Hektik keinen Strich durch die Rechnung macht.

Tomatenstrauch mit Tomaten in verschiedenen Reifestadien
Foto von Markus Spiske via unsplash.com

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Lasst es euch schmecken, egal auf welche Art und Weise. Aber denkt dran: Man ist, was man isst. Bon Appetit!

Eure Kimi

Weitere Infos und Links

Trau dich! Es lohnt sich – immer.

Mann der Erde zwischen den Händen verreibt

Ich dachte eigentlich, dass ich nicht so der Wettbewerb-Typ bin. Das war mir immer zu viel gegeneinander und die Vorstellung immer danach zu streben die Beste zu sein, fand ich eher beklemmend als fördernd.

Jedoch ändern sich Ansichten mit der Zeit

Vor gut einem Jahr hat mich eine gute Freundin auf einen Wettbewerb der FHNW, die Swiss Student Sustainability Challenge, aufmerksam gemacht. Meine Idee von „KimiB.Good“ war noch nicht wirklich vorhanden, nur ein vages Interesse, Nachhaltigkeit und Kommunikation zu verbinden.

Getrieben durch die unermüdliche Motivation meiner Freundin, begann ich ein Konzept zu erstellen, es zu verfeinern, mit anderen darüber zu besprechen und – siehe da – ich hatte einen vorzeigbaren Plan, eine Präsentations-Idee und ging zum ersten Pitch der Challenge.

Die Natur des Wettkampfs ist das Gewinnen aber auch das Verlieren

Wobei „verlieren“ eher das falsche Wort ist. Ich habe bei der Swiss Student Sustainability Challenge keinen Förderpreis gewonnen. Zunächst war ich recht frustriert und wollte nichts mehr mit Wettbewerben und meinem Konzept zu tun haben. Ich war ja überzeugt von meiner Idee und konnte nicht ganz nachvollziehen, dass andere das nicht sind.

Dann, nach ein paar Tagen, habe ich mir das Feedback der Jury noch einmal durchgelesen und ein paar Punkte konnte ich doch gut nachvollziehen. Andere nicht. Und das ist auch in Ordnung so. Fest stand: Mein Konzept habe ich dank den vielen Hilfestellungen der FHNW ausgearbeitet und verfeinert. Ich war bereit damit weiterzugehen, nicht aufzugeben und neue Wettbewerbe zu bestreiten.

Das Wichtigste ist: Weitermachen!

Mit meinem Konzept, einem Businessplan und einer emotionalen Präsentation im Gepäck, bin ich weitergezogen und habe das nächste Förderprogramm angesteuert. Dieses Mal war es ein Heimspiel – das Förderprogramm der Universität Basel. BOOST ist ein Programm zur Förderung von Studierendenprojekten rund ums Thema Nachhaltigkeit an der Universität Basel. Ein voller Erfolg! Ich habe einen Förderpreis gewonnen und dazu einen riesigen Motivationsschub, der mich mein Projekt wirklich in die Tat umsetzen liess.

Wenn ich das kann, kannst du das auch

Nicht nur beim BOOST und der FHNW Challenge kann man sich jetzt wieder anmelden. Es gibt noch andere Förderprogramme wie den ClimateLaunchpad. Dies ist die wichtigste Initiative der Europäischen Union zur Entwicklung von Innovationen im Klimabereich. Gesucht werden grüne Geschäftsideen aus den Bereichen Energie, Wasser, Abfall, Transport, Verhaltensveränderung und urbaner Entwicklung.

Mitmachen lohnt sich – immer

Der ClimateLaunchpad stellt professionelle Unterstützung für die angemeldeten Startups bereit. Man muss also nicht unbedingt gewinnen, um gefördert zu werden. Coachings und Beratung sind mindestens genau so viel Wert wie finanzielle Förderung, da spreche ich aus Erfahrung.

Dieser Wettbewerb ist was Besonderes

Der ClimateLaunchpad besteht aus 4 Etappen:

  1. Anmeldungsphase, die bis zum 10. Mai 2018 läuft
  2. Boot Camp, welches am 31. Mai bis 1. Juni in Basel stattfindet
  3. Schweizer Finale, das ebenfalls in Basel am 31. August veranstaltet wird
  4. Internationales Halbfinale & Grand Finale, in Edinburgh, Schottland Anfang November 2018

Dieser Wettbewerb hat demnach eine internationale Komponente und vergibt für den 1. Rang ein Startup Begleitprogramm im Wert von 6’ooo CHF. Rang 2 und 3 werden ebenfalls in Abstufung unterstützt und für alle 3 Ränge werden die Reise- und Übernachtungskosten für das Finale in Edinburgh gesponsert. Wenn das nicht verlockende Aussichten sind. Natürlich gibt es auf der Website noch weitere Informationen zum ClimateLaunchpad. Anmelden könnt ich euch direkt hier.

Und alles mit einer Idee – oder auch ohne

Das Schöne an Wettbewerben wie BOOST oder dem ClimateLaunchpad ist, man braucht kein ausgefeiltes Konzept. Die Idee kann vage sein. Wie sie bei mir zu Beginn der Swiss Student Sustainability Challenge war. Die Förderprogramme vergeben nämlich nicht nur Preisgelder, sie wollen, dass eure Ideen wachsen und zu konkreten, guten Taten werden.

Du hast aber keine konkrete Idee, möchtest aber gerne ein Projekt starten? Kein Problem!

Mach mit beim Ideenworkshop am 16.04.2018 im Rahmen der Denk-weiter-Wochen der Universität Basel.

Die „Denk-weiter-Woche 2018 – Tatort Mobilität“ findet kommende Woche an der Universität Basel statt und hält viele interessante, auch interaktive, Workshops, Veranstaltungen und Events für euch parat.

Gutes Tun verbindet alle

Die Förderprogramme, die ich hier angesprochen habe, sind zwar Wettbewerbe aber das angenehme an ihnen ist, dass alle an einem Strang ziehen. Alle wollen mit unterschiedlichen Ideen und Konzepten etwas verbessern und gegen Missstände vorgehen. Das verbindet und das merkt man auch. Die Atmosphäre während den Workshops und Präsentationen ist enorm freundlich. Man tauscht sich aus, berät einander und arbeitet am Ende vielleicht sogar zusammen.

Ich kann es euch wirklich ans Herz legen

Macht mit! Ich kann euch versprechen, ihr werdet auf jeden Fall davon profitieren. Von den Menschen, den Ideen, dem Austausch, der Motivation, dem Netzwerk und wenn ihr dran bleibt, nicht aufgebt und den ein oder anderen Ratschlag, der euch sinnvoll erscheint, umsetzt, vielleicht auch vom Förderpreis.

Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn ich ein paar von euch animieren konnte, mutig zu sein und bei einem der genannten Programme mitzumachen. Lasst mich gerne in den Kommentaren oder in einer persönlichen Nachricht wissen, wie es für euch gelaufen ist. Solltet ihr noch unsicher sein, meldet euch bei mir. Ich unterstütze euch gerne 🙂

Ich wünsche euch viel Erfolg!

Eure Kimi

Wirtschaft sollte sich im Kreis drehen – KimiB.Good #2

Kreisförmige Strasse in einem Waldstück aus Vogelperspektive

Hier geht’s zum Podcast zur Folge “Kreislaufwirtschaft”

In der 1. Folge von KimiB.Good habe ich über Abfallreduktion, Recycling und Abfallvermeidung geschrieben bzw. mich mit mehreren Personen dazu unterhalten. Eine Frage hat mich allerdings auch nach meinen Recherchen und den Interviews nicht losgelassen:

Warum werfen wir überhaupt Materialien weg?

Auf der Suche nach Antworten zu dieser Frage, bin ich auf das Thema Kreisläufe und Kreislaufwirtschaft gestossen. Ich habe den Begriff “Kreislauf” sofort mit den Kreisläufen in der Natur verbunden. Ein Blatt zum Beispiel hat einen natürlichen Kreislauf, den man auch Lebenszyklus nennt. Es wächst am Baum von der Knospe zum Blatt heran, fällt im Herbst auf den Boden, wird durch Insekten und Bakterien zu Erde, um dann seine Nährstoffe dem Baum wieder zur Produktion von neuen Blättern zur Verfügung zu stellen.

Grafik die Kreislauf- und Linien-Wirtschaft verdeutlicht
Quelle: BAFU 2016

Man könnte also sagen, das Blatt stellt seine Wiedergeburt sicher.

Kreislaufwirtschaft bedeutet nichts anderes: Die in einem Produkt  verwendeten Rohstoffe werden über seinen Lebenszyklus hinaus wieder möglichst vollständig dem Produktionsprozess zugeführt, wobei es das Ziel ist, die Ergiebigkeit oder Nachhaltigkeit dieser Ressourcen zu verbessern. Eine 100%ige Rückführung ist, ganz nach dem Motto “ein bisschen Schwund ist immer”, eher utopisch. Aber das, was wir heute mit den Produkten machen, die wir immer wieder kaufen, geht meilenweit an Utopie vorbei.

Schematische Grafik zur Verdeutlichung von Kreislaufwirtschaft
Quelle: BAFU 2016

Das weit verbreitete Verständnis von Wirtschaft ähnelt eher einer Linie.

Ressourcen werden gefördert, Arbeit wird erbracht und das Ganze wird zu Produkten verarbeitet. Dies geschieht innerhalb eine Wertschöpfungskette eines Produkts: Durch jeden Arbeitsschritt, wird der Wert des Produkts erhöht. Diese Produkte werden von uns gekauft und genutzt. Sind sie abgenutzt oder brauchen wir sie schlicht und einfach nicht mehr, werden sie entsorgt. Dabei werden ökonomische, umwelttechnische und soziale Kosten der Produkte verkannt und mit dem Produkt einfach ins Jenseits befördert.

Die guten Nachrichten

Die heutige Schweizer Abfallwirtschaft ist ein gut funktionierendes Gesamtsystem und viele Stoffkreisläufe sind durch gut etablierte Rücklauf- und Verwertungssysteme weitgehend geschlossen, wie beispielsweise bei Getränkeverpackungen, Papier oder Altmetallen. Es bestehen jedoch bei der Schonung der natürlichen Ressourcen durch die Abfallwirtschaft noch Lücken und ungenutzte Potenziale. Verbessern kann sich die Schweiz insbesondere in den Bereichen Bauabfälle, Kunststoffe, Phosphor und seltene technische Metalle.

Kurzer Einschub: Zum Thema seltene technische Metalle lohnt sich ein Blick auf das Fairphone, solltet ihr gerade darüber nachdenken, ein neues Handy zu kaufen.

Es geht voran

Es bewegt sich etwas. Grünes Wirtschaften ist trotz abgelehnter Initiative (eventuell hier Initiative in einer Klammerbemerkung nennen, das mögen Schweizer) ein Zukunftsmodell und wird nicht nur diskutiert, sondern teilweise auch schon umgesetzt. Vom kleinen Start-Up, über den neu gegründeten Verein, zum grossen Konzern, alle denken darüber nach. Das ist ein erster, wichtiger Schritt. Als Beispiele lassen sich hier der Verein “Go for Impact” oder die Start-Ups Kreislauf.bio (Interview mit Roger im Podcast zum Thema Kreislaufwirtschaft) oder Stadtpilze.ch nennen.

Vorteile einer Kreislaufwirtschaft

Ich bleibe beim Positiven und unterstreiche, was die Vorteile eines kreisförmigen Wirtschaftssystems sind:

  • Unabhängigkeit des Wirtschaftswachstums von einer immer stärkeren Nutzung von Ressourcen
  • Senkung der Umweltbelastungen, die durch Abbau und Verwendung nicht erneuerbarer Ressourcen und Abfallbeseitigung entstehen
  • Möglichkeiten, Umsätze weniger durch den Verkauf von Produkten und mehr durch das Anbieten von Dienstleistungen zu generieren
  • Höhere Versorgungssicherheit und Kostenkontrolle
  • Signifikanter Beitrag zur Minderung des Klimawandels durch drastische Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen bei der Herstellung und Entsorgung (z.B. Verbrennung) von Produkten
  • Höhere Ressourcensicherheit, da weniger benötigt werden, und sinkende Abhängigkeiten von Importen dank niedrigerem Rohstoffbedarf
  • Ökonomische Vorteile: Neue Möglichkeiten für Wachstum und Innovation sowie Einsparungen aufgrund höherer Ressourceneffizienz
  • Soziale Vorteile, zum Beispiel Schaffung neuer Arbeitsplätze für alle Kompetenzniveaus und Veränderungen im Konsumentenverhalten
    (Quelle: Green Facts und Urbact 2018)

Warum ist dann noch alles in Linie aufgebaut?

So viele Vorteile – warum läuft dann immer noch alles wie bisher? Es gibt neben den deutlichen Vorteilen auch einige nicht unerhebliche Hindernisse, die die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft beeinträchtigen:

  • Ineffiziente Vorschriften zur Förderung der Wirtschaft, wie z.B. Subventionen für erneuerbare Energien, Emissionshandel, die Ökodesign-Richtlinie, Energieeffizienznormen und Zielvorgaben für das Recycling von Materialien
  • Preise spiegeln nicht den wahren Gesamtwert der Waren und Dienstleistungen wider. Die Preisbildung ist ein komplexer Prozess, auf den verschiedene Faktoren einen Einfluss haben, nicht nur der Wert der Sache oder Dienstleistung, den wir ihr zuschreiben würden. Daher sind Preise auch nicht geeignet, über die Knappheit der Ressourcen Auskunft zu geben.
  • Politische Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit müssen erst mal davon überzeugt werden, dass ein alteingesessenes Wirtschaftssystem einer kompletten Umkremplung bedarf und die absoluten physikalischen Grenzen der nicht erneuerbaren natürlichen Ressourcen nach Handlung verlangen
  • Geeignete Marktsignale entwickeln, damit z.B. Preise den Ressourcenverbrauch eines Produkts widerspiegeln können
  • Vor allem Entscheidungsträgern verständlich machen, dass Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch eine notwendige Vorbedingung für die Senkung von globalen sozialen Ungerechtigkeiten ist und Vereinbarungen zustande bringen, ist keine leichte Aufgabe
  • Weil Materialien tendenziell günstiger und die Herstellungsprozesse effizienter geworden sind, herrscht in der Wirtschaft eine Wegwerfmentalität. Langlebigkeit eines Produkts ist eher ein Nachteil. Finanziell mag sich das für Produzenten und Konsumenten auf kurze Sicht auszahlen, die Kosten hat allerdings die Umwelt zu tragen, die uns alle auf lange Sicht beeinflusst oder besser gesagt, am Leben hält
  • Rebounding-Effekt, was in diesem Zusammenhang vereinfacht gesagt bedeutet: Ich spare zum Beispiel durch die Anschaffung eines Elektroautos so viel CO2 ein, dass ich mir ein paar Flüge mehr im Jahr genehmige. Für Firmen, die ein Kreislauf-Modell umsetzen, bedeutet es, dass durch die Langlebigkeit ihrer Produkte, Innovationen, die das Produkt noch einmal umweltverträglicher machen würden, nicht oder sehr spät umgesetzt werden
  • Oft ist die Unternehmensführung durch kurze Zeithorizonte mit der grundlegenden Änderung des Geschäftsmodells überfordert, da eine solche Veränderung meist hohe Anfangsinvestitionen mit sich bringt und Fähigkeiten von internen Mitarbeitenden übersteigen kann
  • Bei jedem Einzelnen bremst die Macht der Gewohnheit und das fehlende Bewusstsein für die Gesamtkosten eines Produktezyklus das
    Interesse an einer Umsetzung kreisförmiger Wirtschaft

Anfangen in Kreisen zu denken

Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion sind untrennbar miteinander verknüpft. Werden keine kreislauffähigen Produkte angeboten, kann sie auch keiner von uns kaufen. Fordern wir diese Produkte nicht ein, wird kein Unternehmen seine Produktion umstellen.

Kreislaufwirtschaft vernetzt. Konsumenten und Produzenten. Regional wie global. Kreislaufwirtschaft zieht sich durch den gesamten Produktlebenszyklus. Von der Produktionsphase, die globale Ressourcen verwendet über die Preisbildung, die den Wert von nicht erneuerbaren Ressourcen, deren Abbau, sowie Transport und die durch die Nutzung verursachte Umweltschäden miteinbeziehen muss bis hin zur örtlichen Abfall-Herausforderung. Innovation ist hier das Stichwort. Diese Innovationen müssen vorangetrieben und geteilt werden – nicht patentiert. Initiativen des EU-Programms helfen aktuell schon dabei, globale Innovationen für eine Kreislaufwirtschaft zu tätigen, indem zum Beispiel Wirtschaftsanreize für Hersteller gesetzt werden. Doch wie gesagt: Es liegt nicht nur an den Produzenten.

Quelle: UN environment 2018

Du willst die Hindernisse angehen und die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft vorantreiben? Super, dann tu’ es!

Wir sind alle Verbraucher von Produkten und Dienstleistungen. Damit haben wir, vor allem als Masse, die Macht, den Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Ein Kernelement hierbei ist unsere Haltung und unser Verhalten. Lassen wir uns übermässig von Moden und Marketing beeinflussen, ohne kritisches Nachdenken und Wertschätzung unserer Habseligkeiten, bleibt es bei der herrschenden Wegwerfgesellschaft. Da der Druck der Verbraucher dann fehlt, wird kein Unternehmen, oder nur sehr wenige Idealisten, den Aufwand betreiben, ihre Prozesse kreisförmig zu gestalten.

Mir persönlich ist wichtig, dass wir das Bewusstsein für den Unterschied zwischen Linien-Wirtschaft und Kreislaufwirtschaft entwickeln. Ich möchte mich und euch alle ermutigen unsere provokative Rolle als Verbraucher wahrzunehmen und unsere täglichen Routine zu überdenken, damit wir etwas verantwortungsvollere Entscheidungen treffen. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen, jedoch gibt es jetzt schon Länder, Unternehmen und Möglichkeiten, die uns dabei unterstützen.

Cradle to cradle Produkte achten auf Design und Materialien, die im Kreis genutzt werden können. “Die Produktionsverfahren, der Gebrauch und die Wiederverwertung der Produkte werden nach dem Modell gestaltet, die Qualität der Rohstoffe über mehrere Lebenszyklen zu erhalten.
Das bedeutet: Kein Abfall, alles ist zugleich Nährstoff. Die richtigen Materialien werden in definierten Kreisläufen (Metabolismen) zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort eingesetzt.” (Quelle: EPEA Switzerland 2018)

Wo es Cradle to cradle Produkte zu kaufen gibt? Zum Beispiel hier:

Cradlelution
Avocadostore
Trigema (Damen)
Trigema (Herren)
Climatex
Frosch Reinigungsmittel
Bauwerk Parkett
Giroflex Büromöbel

Und der Rest der Welt?

Der Aktionsplan der EU gibt zum Beispiel Ratschläge, wie man als Verbraucher Produkte und Dienstleistungen wählen kann, die besser für die Umwelt sind und gleichzeitig für Einsparungen und höhere Lebensqualität sorgen.

China führte 2006 Massnahmen zur Stärkung der wirtschaftlichen Effizienz mit geringem Ressourcenverbrauch und der Reduktion von Verschmutzung ein, die als Pilotprojekt für eine globale Wirtschaft auf Weltebene gelten.

In Japan führte man das Konzept der Gesunden Kreislaufgesellschaft als zentralen Ansatz ein, um die Ressourcenproduktivität zu verbessern und negative Umwelteinflüsse zu minmieren.

In den Niederlande werden durch wiederverwendete Produktströme aus den Metall- und Elektrosektoren rund 16% der neuen Produkte hergestellt. Rund 81% der Produkte dieser Sektoren werden zur Wiederverwertung genutzt. (Quelle: URBACT)

In der EU wurden Grundsätze der Kreislaufwirtschaft in gewerbliche Praktiken, umweltfreundliche öffentliche Beschaffung und in den Bau- und Wassersektoren integriert. In ihrem Bericht von 2017 ermutigt sie Investoren und Innovatoren dazu, das Modell Kreislaufwirtschaft zu fördern und zeigt konkrete Schritte dafür auf.

Der Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung gab aktuell einen praktischen Leitfaden heraus, der konkrete Geschäftsbeispiele und fünf wesentliche Schritte für den Übergang von einer Linien-Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft ermöglicht.

Mein Fazit

Wir scheinen uns lange genug im Kreis gedreht zu haben. Es ist an der Zeit grosse Prozesse im System zu ändern – unsere Wirtschaft in eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft umzuwandeln. Das hört sich allerdings fast schon grössenwahnsinnig an? Durch meine Recherchen für diesen Beitrag ist mir klar geworden: Es ist machbar. Jeder mit seinem Beitrag. Jeder in seinem Einflussbereich. Und wenn es “nur” beim Einkaufen ist oder ich selbst ein Produkt wiederverwende. Das Bewusstsein ist das Wichtige, denn es wird sich früher oder später in konkreten Handlungen äussern. Wenn wir Kreislaufwirtschaft als Standard unseres Wirtschaftssystems verinnerlichen, geben wir diese Einstellung unseren Kindern und alle nachfolgenden Generationen mit auf den Weg. Eine schöne Vorstellung, die mich vor Freude im Kreis hüpfen lässt 😉

Eure Kimi

Hier findet ihr noch weitere nütze Informationen zum Thema Kreislaufwirtschaft

KimiB.Good Podcast Episode #2 Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft erklärt von Raphael Fasko (Rytec)

Aktionsplan der EU zur Kreislaufwirtschaft

Kurzfilm Kreislaufwirtschaft – Moving towards a circular economy by EU Environment

Aktuelle wissenschaftliche Projekte:
Hoffmann: Towards a sustainable circular economy

Frankenberger: Laboratory for circular economy

 

Kim über KimiB.Good – Episode “Null”

Produzentin Kim bei der Aufnahme eines Podcasts

Darf ich vorstellen: KimiB.Good

Der Kanal mit den guten Nachrichten, rund um’s Thema Nachhaltigkeit.

Das kommt heraus, wenn man den Klassiker von Chuck Berry “Johnny B Goode”, ein paar Jahre Erfahrung im Bereich Kommunikation, Spass an der Produktion von Podcasts und Artikeln, grosses Interesse am Thema Nachhaltige Entwicklung, eine gute Portion Neugier und das Bedürfnis nach guten Nachrichten in einem Konzept zusammenmischt.

Hier geht’s zum Podcast

In dieser Episode “Null” stelle ich mich und meinen Kanal KimiB.Good vor. Warum mache ich das überhaupt? Was bewegt mich dazu? Was will ich damit erreichen? Hört es euch an und gebt mir euer Feedback als Kommentar oder E-Mail.

Viel Spass beim Zuhören!

Mit freundlicher Unterstützung der Swiss Sustainability Challenge der FHNW konnte ich ein Video aufnehmen, das mein Projekt vorstellt. Zu diesem Zeitpunkt war das Konzept zwar noch nicht spruchreif aber das Video möchte ich euch nicht vorenthalten.

Viel Spass beim Zuschauen!

Eure Kimi

Ihr wollt direkt mehr? Dann hört euch die 1. Episode von KimiB.Good “Is’ doch alles Müll – I beg to differ!” an.

Is’ doch alles Müll. I beg to differ – KimiB.Good #1

Hier gehts zum Podcast

Deckel auf, Zeug rein, Deckel zu und gut is’. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn.

Das war eigentlich immer meine Art meinen Abfall zu beseitigen. Egal, was wo rein kommt, Hauptsache ich bin es los. Das geht vielen so. Warum sollte man sich auch Gedanken um seinen Müll machen? Man hat ja sowieso genug um die Ohren.

Es gibt allerdings gute Gründe sich vielleicht doch ab und an zu fragen, wie sinnvoll das “aus den Augen aus dem Sinn”-Motto ist.

Das Problem ist nämlich: Der Abfall ist vielleicht aus dem Sinn, wird aber nicht einfach vom Erdboden verschluckt.

Zunächst ein paar Fakten

Damit wir einschätzen können, über welche Dimensionen wir sprechen, brauchen wir ein bisschen Grundwissen:

Laut Swiss Recycling, 2016, produzierten wir in der Schweiz 730 kg Abfall pro Einwohner und Jahr, bzw. 2 kg Abfall pro Einwohner und Tag. Mein erster Gedanke hierzu:

Das ist ein ganz schön grosser Haufen Müll, von dem wir da sprechen.

Aber was sind die besagten guten Gründe, warum ich mich daran überhaupt stören sollte? Der Abfall wird doch einfach verbrannt. Das stimmt, allerdings nur zum Teil.

Da die Deponierung von brennbaren Abfällen seit dem Jahr 2000 in der Schweiz verboten ist, werden ca. 54% des Kehrichts recycelt, der Rest wird in Verbrennungsanlagen, sogenannten Kehricht-Verwertungs-Anlagen, kurz KVAs, verbrannt. (Quelle: Swiss Recycling)

Die dadurch gewonnene Wärme wird zu Heizzwecken oder Stromerzeugung genutzt und liefert ca. 2 % der Gesamtenergie der Schweiz.

Durchschnitts-Kehrichtsack Quelle: BAFU, 2014

Also eigentlich eine runde Sache. Wenn man sich den oben abgebildeten Durchschnitts-Kehrichtsack aber noch mal genauer anschaut, merkt man, dass in unserem Haushaltsabfall leider auch viele Stoffe enthalten sind, die recycelt werden könnten und dann wieder für die Produktion neuer Produkte zur Verfügung stehen würden.

Warum sollte man überhaupt trennen, wenn die Verbrennung doch Wärme und Strom liefern? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Im Sommer benötigen wir weitaus weniger Wärme, der Abfall-Berg bleibt aber auch immer Sommer gross. (Die durch das Verbrennen gewonnene Wärme bleibt also ungenutzt)
  • Auch wenn neben der Wärme noch Strom (vor allem im Sommer) erzeugt werden kann, sind die thermodynamischen Prozesse in jeder KVA begrenzt. Der Rest ist immer Abwärme, die auch limitiert genutzt werden kann.
  • In modernen Verwertungsanlagen kann durch Absorber-Technik aus der Wärme auch Kälte erzeugt werden. Es sind allerdings lang nicht alle KVAs auf dem gleichen technischen Stand und weisen zum Teil erhebliche Unterschiede in der energetischen Nutzung auf (KVA für Basel hoch mit 75%).
  • Je nach verwendeter Technik in einer KVA können wiederverwendbare Wertstoffe wie Metall (zum Beispiel die kleinen Zacken von Reissverschlüssen) nicht aus den Rückständen herausgefiltert werden. (Die nicht verwerteten Stoffe) werden deponiert, bis eine geeignete Technik gefunden (wird).
  • Wenn z.B. Karton in der KVA verbrannt wird, kann daraus weit weniger Engerie erzeugt werden, als die Herstellung von neuem Karton benötigt. Somit geht in der Gesamtrechnung Energie verloren.
  • Generell gilt: Je höher der Heizwert eines Materials ist, desto weniger Abfall kann verbrannt werden, da jede KVA sozusagen ein Heiz-Limit besitzt. Dies ist vor allem durch den sehr hohen Heizwert von Kunststoff eine aktuelle Herausforderung, da immer mehr Kunststoff in unserem Abfall landet.

    Aus alt mach neu. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel

Materialien wie Glas, Papier, Karton, Holz und Metalle können aufbereitet und wieder für die Produktion neuer Produkte verwendet werden.

Denn die meisten von uns zahlen für ihre Abfallsäcke und wenn die nicht mit Abfällen gefüllt werden, die man separat entsorgen kann, spart das Platz und man benötigt deutlich weniger Abfallsäcke.

Ein gutes Beispiel ist der Sammelsack für Plastikabfälle wie Lebensmittelverpackungen, Shampooflaschen und Tragetaschen oder auch das gratis Rücknahmesystem vom Detailhandel (z.B. Coop und Migros) für Plastikflaschen wie Putzflaschen und Shampooflaschen.

Bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe, wusste ich nicht, dass es extra Sammelsäcke für Plastikabfall gibt. Während meiner Recherche habe ich mich dann allerdings gefragt: Wo ist der Vorteil, wenn ich auch für diese Säcke etwas zahlen muss?

Hier gibt es mehrere Punkte, die zu berücksichtigen sind:

  • Reduzierte Kehrichtvolumen und damit Einsparungen beim Kehrichtsack
  • 2,83 kg COentstehen beim Verbrennen von 1 kg Kunststoff, weshalb Plastik gerade aus CO2 nicht verbrannt werden sollte
  • 1 kg Recyclingkunststoff spart bis zu 3 Liter Rohöl und reduziert damit die Ölförderung
    (Quelle: sammelsack.ch)

So viel zu den Fakten. Natürlich gibt es hierzu noch viel viel mehr zu sagen (und Faktenliebhaber können sich in den unten stehen Links richtig austoben) noch In den unten stehenden Links findet ihr noch weitere, lesenswerte Fakten.

Wer von Mythen fasziniert ist, kommt nun auf seine Kosten

Gehen wir also nun von den Fakten zu den Mythen. Abfall-Mythen gibt es viele. Ich möchte hier die gängigsten Mythen zusammenfassen und aufklären.

Abfallsäcke werden in den Kehrichtverwertungsanlagen (KVAs) vor der Verbrennung sortiert.

Das stimmt nicht. Die Säcke werden unsortiert verbrannt. Somit werden alle Stoffe, auch die, die nicht in den Kehrichtsack gehören, verbrannt.

Das braune, grüne und weisse Altglas wird zusammen eingeschmolzen.

Nope. Vor allem bei braunem und weissem Glas dürfen keine anderen Fremdfarben mit eingeschmolzen werden. Grünes Glas ist weniger heikel, daher können hier auch rotes oder blaues Glas eingeworfen werden.

Altmetall im Kehrichtsack ist kein Problem, da man es aus den Verbrennungsrückständen der KVA zurückgewinnen kann.

Das ist falsch. Es ist zwar technisch möglich, jedoch ist nicht jede KVA auf dem gleichen technischen Stand. Es ist sinnvoller, das Altmetall separat zu sammeln, da die Qualität des Altmetalls beim Verbrennungsprozess in einer KVA stark vermindert wird. Es kann sogar sein, dass grosse Altmetallstücke den Verbrennungsofen beschädigen.

In der PET-Getränkeflaschen-Sammlung kann ich auch andere PET-Produkte entsorgen.

Lieber nicht! Behälter wie Essig- oder Waschmittelflaschen haben zwar auch das Logo mit dem Preildreieck und der Ziffer 01, sollten aber keinesfalls bei Getränkeflaschen-PET-Sammlungen eingeworfen werden. Oder wollt ihr aus recycelten PET-Flaschen trinken, die durch Waschmittel oder Essig verunreinigt wurden? Bitte entsorgt diese Behälter im Einwurf für “Plastikflaschen” bei speziell dafür vorgesehene Sammelstellen. Danke!
(Wenn wir gerade bei den zu recycelten PET-Flaschen sind:) Noch ein Wort zu recycelten PET-Flaschen: (Entgegen der Meinung einiger, sind sie) sind nicht minderwertig. 63% der gesammelten PET-Falschen werden wieder zu PET-Flaschen mit exakt gleicher Qualität. Der Rest wird zu Verpackungsmaterial, Textilien oder Füllstoffen.

Wenige Batterien im Kehrichtsack stellen kein Problem dar.

Trugschluss. Schon wenige Batterien können toxische Schwermetalle wie Kadmium oder Blei in die Umwelt freisetzen. Das kommt gar nicht gut. Zudem weisen Batterien und Akkus einen hohen Anteil an wieder verwertbaren Materialen auf. Gibt man sie an den weit verbreiteten Sammelstellen zurück, bleiben wertvolle Ressourcen erhalten. Übrigens: Jede Verkaufsstelle von Batterien ist zur Rücknahme verpflichtet.

Einer meiner Lieblinge: Kommt die KVA nicht auf die nötigen Temperaturen, werden PET-Flaschen, Holz oder sogar Heizöl zur Verbrennung hin zugegeben.

Oh no! Wirklich nicht. Der Kehrichtabfall reicht absolut aus, um auf die nötigen Temperaturen zu kommen. Es ist sogar so, dass durch den hohen Heizwert von Kunststoff, der immer mehr Volumen unseres Abfallsacks einnimmt, weniger Müll in einem Durchlauf verbrannt werden kann, da der Heizwert die Verbrennung in jeder KVA limitiert. Sprich, je höher der Heizwert, desto weniger Müll kann auf einmal verbrannt werden.

Meinen Abfall kann ich auch einfach im Cheminée verbrennen.

Tu’ das nicht! Zwei gute Gründe, die man nicht gross erklären muss: Sau gesundheitsschädlich und super illegal.

Mein Fazit dazu: Es ist eben nicht alles einfach Müll

Wenn ich vor diesem Beitrag an Müll gedacht habe, war das eine simple Sache. Das Zeug muss weg. Punkt. Jetzt ist mir klar: Das Thema ist unglaublich komplex und es lohnt sich für mich und meine Umwelt, den ein oder anderen Gedanken an Müll zu verschwenden. Für mich kommt eine radikale Umstellung auf Zero Waste von heute auf morgen, wie bei Jessi im Podcast zu diesem Beitrag, eher nicht in Frage. Es gibt aber auch die Möglichkeit step-by-step seinen Beitrag zu leisten.  Die Die “5R” der Abfallreduktion

geben einem wertvolle Tipps, wie man seinen Müllberg möglichst klein halten kann. Und was ich so aus den Interviews herausgehört habe, kann einem diese Herausforderung richtig Spass machen. Es lässt einen manche Dinge, wie z.B. wieder mal auf dem Markt Gemüse und Co. einkaufen, bewusster und mit mehr Zeit erleben.

Um Martin aus dem Podcast zu diesem Beitrag zu zitieren:

“Man muss es erlebt haben, um zu wissen, wie viel es einem geben kann.”

Also, einfach mal ausprobieren! Ich werd’s machen.
Eure Kimi

 

Weitere Infos zum Thema: