Nachhaltigkeit umgesetzt: Moni von Zero Waste Basel

Aktion am Stand von Zero Waste

Zero Waste – das dürfte mit der Weile jedem ein Begriff sein. Keinen Müll verursachen ist die Devise. Eine ganz und gar nicht einfache Ambition, wo doch alles doppelt und dreifach in Plastik, andere Kunststoffe, Papier oder Karton eingepackt ist. Moni ist Mitglied der Lokalgruppe in Basel von ZeroWaste Switzerland und eines der zahlreichen Umweltvorbilder des Amt für Umwelt und Energie Basel.

Ich habe Moni nach ihrem Engagement und den Hintergründen gefragt und ein paar sehr informative Antworten erhalten. Falls ihr noch mehr zum Thema Abfall, Abfallvermeidung und Abfallverwertung wissen wollt, hört euch meinen Podcast “Is’ doch alles Müll – I beg to differ!” an.

Was steckt hinter ZeroWaste Basel?

Moni: ZeroWaste Basel ist die Lokalgruppe von ZeroWaste Switzerland in Basel. Unser Ziel ist es die Bevölkerung zu sensibilisieren und dazu zu motivieren, ihren Abfall nachhaltig zu reduzieren. Dazu organisieren wir regelmässig Treffen und Workshops.

Aktion von zero waste Basel

Wie lange engagierst du dich schon bei ZeroWaste?

Moni: Seit Gründung von ZeroWaste Basel im Oktober 2016 und seit Anfang 2017 als offizielle Botschafterin.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für die Reduktion von Abfall einzusetzen?

Moni: Das Thema Umweltschutz und Müllvermeidung haben mich schon lange interessiert. Kurz nachdem ich auf die ZeroWaste Bewegung gestossen bin hat sich die Gruppe in Basel gegründet und ich konnte mich dort einbringen.

zero waste Picknick

Wie läuft es heute mit ZeroWaste?

Moni: Es gibt regelmässige Veranstaltungen zum Austausch, DIY-Workshops oder andere Aspekte, die ZeroWaste betreffen. Wir haben mehr als 800 Mitglieder in unsere Facebook-Gruppe und über 300 Personen haben unsere Facebook-Seite abonniert. Das zeigt uns, dass das Thema sehr aktuell ist und die Leute Informationen zu dem Thema suchen.

Wie hat sich ZeroWaste im Laufe der Zeit verändert?

Moni: Wir haben bemerkt, dass viele Teilnehmer an den Events nicht nur den Austausch suchen, sondern auch aktiv werden wollen. Deshalb haben wir vermehrt DIY-Workshops angeboten, z.B. wie man Putzmittel, Zahnpasta oder Deo selbst macht. Zusätzlich zeigen wir neu auch nicht nur wie man Müll vermeidet, sondern auch wie viel Müll tatsächlich entsteht und was damit passiert, z.B. indem wir Touren durch die Müllverbrennungsanlage in Basel organisieren.

Aktion und Stand von Zero Waste

Gab es in der Zwischenzeit bei euch bestimmte Erfolge, die ihr gefeiert habt?

Moni: Das Thema ZeroWaste und Müllvermeidung erregt immer mehr Interesse, auch durch die vielen Bilder in den Sozialen Medien von müllübersäten Stränden und Tieren, die mit Plastik im Magen verenden. Wir erhalten dadurch vermehrt Anfragen, darüber in grösserem Rahmen zu informieren und Workshops durchzuführen. Das hilft uns das Thema weiter bekannt zu machen und ein grösseres Publikum zu erreichen.

Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?

Moni: Littering ist mit Sicherheit eine der grössten Herausforderungen. Vor allem im Sommer ist es ein besonders grosses Problem, da durch Littering am Rheinbord in Basel viel Müll im Fluss landet. Bisher hat noch keine Massnahme das richtig eindämmen können.

Was machst du neben deinem Engagement bei ZeroWaste?

Moni: Frisch aus dem Mutterschaftsurlaub zurück und in verschiedenen Projekten engagiert.

Wie lässt sich dein Engagement bei ZeroWaste in dein Leben integrieren?

Moni: Sehr gut. Man muss sich gut organisieren und sich auch bewusst machen, wie viel Zeit und Energie man investieren kann und möchte. Das kann sich auch durchaus ändern. Daher ist es schön, dass wir ein tolles Team sind und uns gegenseitig unterstützen.

Zero Waste bei der Arbeit

Wo kann ich mich über eure Veranstaltungen informieren?

Moni: Auf der ZeroWaste Basel facebook Seite informieren wir über alle Veranstaltungen. Wir freuen uns immer über neue Gesichter!

Hast du einen Tipp für jemanden, der vielleicht noch nicht die nötige Motivation gefunden hat, sich in einem Bereich zu engagieren?

Moni: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle angehen sollte, um für uns, unsere Kinder, Geschwister, Nachbarn usw. eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Jeder kann mit ein paar einfachen Massnahmen etwas tun, ob es nun den CO2-Fussabdruck zu verkleinern ist, weniger Müll zu machen oder die Biodiversität zu fördern.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Roger von LeNa – Lebenswerte Nachbarschaft

lebenswerte Nachbarschaft in Basel durch Verein LeNa

Bei “lebenswerter Nachbarschaft” habe ich zuerst an eine Kommune oder vielleicht auch an eine Art Wohngemeinschaft gedacht. Tatsächlich steckt aber hinter LeNa eine Wohngenossenschaft, die seit 2015 ein innovatives und durchdachtes Wohnkonzept der Zukunft vorantreibt.

Ich war neugierig und habe mich mit dem Vorbild Roger, der von Anfang an bei LeNa dabei ist, getroffen.

Roger-Portmann-Workshop zur Nutzungen des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Das Lebensraum-Konzept LeNa integriert verschiedenste Aspekte des Zusammenlebens, Menschen und Räume miteinander. Durch das Wohnkonzept, welches auf dem Westfeld in Basel im Rahmen eines von der Baugenossenschaft wohnen&mehr realisierten Neubaus bis 2023 entstehen soll, wird Menschen, die am Zusammenleben mit Austausch interessiert sind, eine nachhaltige Nachbarschaft ermöglicht. Ok, den Begriff “nachhaltige Nachbarschaft” hab’ ich gerade erfunden.

Was ich damit meine ist: LeNa macht es möglich umfassend nachhaltig zu leben. Vom Wohnraum, über die soziale Inklusion und die Ernährung, hin zur Mobilität.

Warum braucht es LeNa?

Unsere alltäglichen Strukturen machen es einem teilweise sehr schwer in vielen Facetten unseres Lebens nachhaltig zu sein. LeNa bietet neue Strukturen, die es den Bewohner_innen ermöglichen, ohne ständigen Verzicht und Einschränkungen, ein nachhaltiges und gemeinschaftliches Leben zu führen.

LeNa nimmt die Herausforderung eines ganzheitlich nachhaltigen Lebensstils an und will damit eine Lösung für unseren übermässig grossen ökologischen Fussabdruck finden, ohne diese Lösung rein auf Verzicht und Einschränkung zu reduzieren. LeNa soll nicht weniger von allem sein – LeNa soll neues Denken und neue Strukturen bringen.

Welche Strukturen denkt LeNa neu?

Strukturen, die LeNa neu denkt und umsetzen wird, beziehen sich zum Beispiel auf die Grösse unseres Wohnraums und wie intensiv wir diesen heizen müssen, auf unsere Lebensmittel, wie und wo diese produziert werden und auf unsere Fortbewegung.

Infrastrukturen werden zusammengelegt und gemeinsam genutzt. Das hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale Vorteile. Denn nicht jeder benötigt ständig eine grosse Küche. Nicht jeder einzelne Haushalt braucht eine eigene Badewanne. Ein Raum muss nicht für immer eine einzige Nutzung zulassen, sondern kann mal Fitnessraum, mal Maler-Atelier oder Partyraum sein.

Eine Herausforderung hierbei ist das allgemeine Vorurteil, dass gemeinsam genutzte Räumlichkeiten wie Bäder oder Küchen, meist in einem schlechten Zustand hinterlassen werden, da sich keiner wirklich verantwortlich fühlt. Diese Herausforderung wird bei LeNa in die Planung miteinbezogen, doch es liegt schlussendlich auch an den Menschen, die sich für eine lebenswerte Nachbarschaft entscheiden, dieses Vorurteil zu widerlegen.

Bei LeNa wird nicht nur der ökologische Aspekt miteinbezogen, sondern der Mensch und seine Beziehungen stehen im Mittelpunkt.

Dorf-Demokratie neu entworfen

Die Bewohner sollen ihren Lebensraum selbst gestalten können. So wird bei LeNa die Nutzung der gemeinsamen Räumlichkeiten durch die Bewohner bestimmt und umgesetzt. Es gilt hierbei auch Regeln für das gemeinsame Zusammenleben selbst zu bestimmen.

Workshop zu lebenswerten Nachbarschaft
Workshop zur Nutzung des LeNa-Hauses im November 2017 | Copyright: LeNa

Effizienz gepaart mit Begegnungsmöglichkeiten

Bei LeNa geht es um Begegnungen – dann, wenn man will. Eine grosse Kantine bietet die Möglichkeit das Kochen der 77 Wohneinheiten effizient zu gestalten, sodass nicht jeder der 77 Haushalte ein eigenes Menü kochen muss, nicht 77 einzelne Kaffeemaschinen in Betrieb sein müssen und nicht 77 Personen, Familien oder Paare alleine essen müssen. Ganz nach eigenem Gusto kann man in der grossen Kantine mit den anderen Bewohnern zusammen essen, sich in eine privatere Nische zurückziehen oder das Essen mit in seine Wohnung nehmen.

LeNa-Haus Visualisierung der Hoffassade | Copyright: wohnen&mehr

Begegnungen finden bei LeNa aber nicht nur innerhalb des Wohnkonzepts statt, sondern auch nach aussen. Ein regionales Lebensmittelkonzept bietet Kooperationen mit landwirtschaftlichen Betrieben, die das frische Gemüse und Obst für alle Bewohner anliefern. Das optimiert den gesamten Prozess der Lebensmittelherstellung vom Anbau bis zum Kompost. Die Bewohner sind aber nicht nur Abnehmer der landwirtschaftlichen Produkte, sondern helfen auch bei deren Fertigung mit. Kann die Mithilfe nicht garantiert werden, wird der landwirtschaftliche Betrieb finanziell unterstützt, sodass die Produktion, trotz weniger Mithilfe gesichert ist. Stadt und Land rücken wieder näher zusammen.

Eine andere Art des Zusammenspiels von Begegnung und Effizienz zeigt sich dann, wenn sich die Lebenssituation einer Bewohnerin ändert, sie aber nicht ihr Wohnumfeld, in welchem sie gut integriert ist, verlassen möchte. Die jährliche Wohnungsbörse bietet den Tausch von Wohnungen an, ohne dass man die lieb gewonnene Umgebung verlassen muss.

Eine einfache Rechnung – die aufgeht

Um die Idee und Vorteile von LeNa zu verdeutlichen, hier ein einfaches Rechenbeispiel: Wenn jeder in seiner Wohnung 2 Quadratmeter mehr Platz benötigt, um sich zu bewegen, zum Beispiel um Sport zu machen, sind das bei 77 Haushalten schon 154 Quadratmeter, die vielleicht zweimal in der Woche benutzt werden. Wenn man diese Fläche zusammenlegt, spart man Fläche ein und kann einen 50 Quadratmeter grossen Raum zur Verfügung stellen, der von allen für Bewegung genutzt werden kann. Alleine oder gemeinsam.

Der aktuelle Stand bei LeNa

Das Vorprojekt, welches intensiv von den Mitgliedern der LeNa Genossenschaft bearbeitet wurde, wird aktuell durch die Architekten und das Planungsteam von wohnen&mehr überarbeitet, damit die Lösungen abgerundet werden und ins Budget passen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2020 geplant und Ende 2022 soll der Bezug der Wohnungen starten.

LeNa-Haus Visualisierung der Forumfassade | Copyright: wohnen&mehr

LeNas Geschichte

LeNa besteht als Idee seit 2012 und als Genossenschaft seit 2015. Die Mitglieder waren seitdem auf der Suche nach einem Platz für ihre Idee. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt die Umnutzung des Felix Platter-Areals in Basel bekannt gegeben und LeNa war so von Anfang an interessiert und involviert. Der Beginn einer wunderbaren Kooperation.

Neugierig geworden? Dann mach mit!

Auf der LeNa-Website findest du aktuelle Neuigkeiten zum Projekt und die Möglichkeit selbst ein Teil des Projekts und der Genossenschaft zu werden.

Beim LeN-Apéro, der an jedem 18. eines Monats stattfindet, erhältst du neuste Infos zum Projekt und kannst die Mitglieder kennen lernen.

Die Arbeit der LeNa-Mietglieder beruht auf dem Miliz-Prinzip. Roger arbeitet neben seinem Engagement bei LeNa in Teilzeit im Gastronomie-Bereich und schafft es Dank eines unterstützenden Umfelds sein Engagement seit Jahren aufrecht zu erhalten. Wenn auch du dich für das Projekt LeNa oder für ein anderes Projekt, welches dir am Herzen liegt, engagieren willst, gibt es immer Mittel und Wege, wie du dafür Zeit und Energie finden kannst. Wichtig ist meiner Meinung nach es nicht zu zer-denken, sondern einfach mal anfangen zu machen.

Eure Kimi

 

Weitere Informationen:
LeNa über LeNa
Neustart Schweiz
Basel Westfeld – Felix Platter Areal 

Nachhaltigkeit umgesetzt: Marie & Tilla von UP

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit

Marie und Tilla arbeiten beim Verein UP und engagieren sich von Herzen für das Thema Genügsamkeit. Ich habe die beiden Vorbilder des Amts für Umwelt und Energie getroffen und sie zu ihrem Engagement und dem aktuellen Stand bei UP (Umweltplattform.ch) befragt.

Das Engagement von Marie und Tilla bei UP

Was beinhaltet das Projekt UP?

Zum einen organisieren wir von UP in verschiedenen Städten der Schweiz Pop-UP Events, die wir “Fun and Action Events” nennen. Das sind kurze, lustige, spannende und innovative Events zum Thema Nachhaltigkeit. Insbesondere widmen wir uns dabei dem Thema Genügsamkeit bzw. Suffizienz. Diese veranstalten wir, um möglichst viele Menschen für diesen Lebensstil zu begeistern und sie zum Nachdenken anzuregen, ohne aufdringlich zu sein oder ständig von Verzicht zu sprechen.

In kleineren Städten unterstützen wir auch Projekte der lokalen Bevölkerung zum Thema Nachhaltigkeit, das nennen wir Co-Creation. Wir helfen dann dabei, die Projekt-Ideen konkret umzusetzen, indem wir interessierte, motivierte Menschen zusammenbringen, sowie unser Know-How und unser Netzwerk zur Verfügung stellen. Diese Projekte fördern im Idealfall auch einen suffizienten Lebensstil in der lokalen Community. Wir sind aber sind natürlich auch anderen Nachhaltigkeitsthemen gegenüber offen, denn es ist uns wichtig, dass die Projekte von der lokalen Bevölkerung getragen werden.

In welchen Städten seid ihr mit euren Events tätig?

Wir sind in zwei grösseren und vier kleinen Städten unterwegs. Die beiden grösseren sind Basel und Zürich. Zu den kleineren Städten gehören Solothurn, Locarno und La Chaux-de-Fonds. In Davos waren wir auch lange aktiv.

Neben unseren fun&action Events zur Genügsamkeit unterstützen wir in den Grossstädten Projekte, die sonst kaum Unterstützung erhalten. In den kleineren Städten liegt der Fokus eher auf den Aufbau von konkreten lokalen Projekten.

Wer steckt hinter UP?

Wir sind ein Team aus 6 Frauen. Eine Koordinatorin, eine Kommunikationsverantwortliche und in jeder Region jeweils eine Eventmanagerin. Wir können aber unsere Events und Projektunterstützung nicht ohne die vielen Freiwilligen von UP auf die Beine stellen. Pro Stadt sind das von ca. 5-10 Personen, die sehr aktiv freiwillig mithelfen.

Wie lange besteht das Engagement?

Tilla und ich sind in Teilzeit bei UP angestellt. Tilla ist seit Februar 2018 als Eventmanagerin für Basel dabei und ich, Marie, bin als Kommunikationsverantwortliche seit Mai 2017 dabei.

Die Plattform UP gibt es seit dem Frühling 2016 und war zu Beginn ein Projekt der Umweltallianz, welches auch durch die Organisationen der Umweltallianz finanziert wurde. Seit 2018 finanzieren wir uns aus anderen Quellen von nationalen und lokalen Stiftungen und Ämter.

Wie kam es zum Engagement?

Uns beiden ist es wichtig, dass wir beruflich etwas machen, wohinter wir stehen können. Etwas mit Sinn. Der Umweltschutz liegt uns sehr am Herzen und auf der Suche nach einem Job in diesem Bereich und einer Organisation hinter der wir stehen können, sind wir beide, unabhängig, auf eine Stellenausschreibung von UP gestossen, haben uns beworben und glücklicherweise dürfen wir jetzt für UP arbeiten.

Heutige Situation

Wie läuft es heute mit dem Projekt?

Es läuft generell gut bei UP. Wir werden uns allerdings für nächstes Jahr an die Überarbeitung unserer Strategie setzen, um den Fokus von UP in Basel und Zürich wieder etwas klarer fassen zu können und unsere Energie zu bündeln, um unser wichtigstes Bestreben, nämlich Menschen für einen genügsamen Lebensstil zu begeistern, umsetzen zu können.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Was wir im Laufe der Zeit gemerkt haben ist, dass der Prozess neue gute Ideen, für zum Beispiel Events, zu generieren viel Energie kostet und wir schon umgesetzte gute Ideen, die funktioniert haben, auch weiter verwenden könnten. Hier wird sich in Zukunft wahrscheinlich auch an der Ideen-Effizienz etwas ändern. Dadurch lässt sich auch die Wirkung unserer Events verstärken, was wiederum auf unser Ziel einzahlt.

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche, Erfolge?

Ein Erfolg der nicht lange zurückliegt, ist das Oster-Eier-Event von Anfang Dezember. Wir haben uns auf der mittleren Brücke in Basel als Osterhasen verkleidet und mit spielerischer Konsum-Kritik die Passanten auf Eier-Suche geschickt. Die Eier enthielten Zeitgeschenke. Solche ein Zeitgeschenk konnten die Passanten dann auch aufschreiben und ihren Liebsten schenken. Ganz im Sinne der Genügsamkeit. Die Aktion war ein toller Erfolg, da wir im Zentrum des Konsums viele Menschen erreicht haben, die sich mit dem Thema Genügsamkeit sonst nicht auseinandersetzen. Die Aktion kam gut an und es haben viele Leute mitgemacht.

Wir schaffen es immer wieder mit solchen Events den Leuten bewusst zu machen, was Genügsamkeit im positiven Sinn bedeuten kann, ohne belehrend zu sein.

Aktion vom Verein UP zur Genügsamkeit
Legende: An unserem letzten Event in Basel haben Passanten an einer lustigen Ostereiersuche mitgemacht und Zeitgeschenke an ihre liebsten geschenkt. Somit haben wir sie auf positiver Weise auf das Thema Überkonsum
während der Weihnachtszeit aufmerksam gemacht.

Gab es auch Herausforderungen und Rückschläge?

Bei UP hängt, wie bei anderen Organisationen, die auf Freiwilligenarbeit aufgebaut sind, viel von einzelnen Menschen und ihrem Netzwerk ab. Verlässt eine Person, die eine stärkere Beziehung zu den lokalen Freiwilligen hat, die Organisation, kann es gut sein, dass viele Freiwillige abspringen. Das kann man nicht verhindern und man muss dann stark an den neuen Beziehungen arbeiten. Das ist immer wieder eine Herausforderung. Der Vorteil bei uns ist aber, dass wir kaum Verpflichtungen von den Freiwilligen einfordern, um sie nicht zu sehr zu belasten. Damit fahren wir sehr gut.

Wir haben auch gemerkt, dass man als Eventmanager/-in die Stadt in der man tätig ist, kennen muss und wissen muss, was die Stadt oder die Region benötigt.

Engagement als Beruf(-ung)

Beschäftigung des Vorbilds neben dem Engagement

Wir sind beide in Teilzeit angestellt bei UP. Daher sind wir in der angenehmen Position, dass wir neben der Anstellung bei UP auch noch Zeit für andere Aktivitäten und anderes Engagement haben.

Wie lässt sich das Engagement in das Leben integrieren?

Es ist eine Entscheidung, die wir getroffen haben. Eine Entscheidung sich für Dinge einzusetzen oder für etwas zu arbeiten, hinter dem wir stehen und was für uns sinnvoll ist. Das Geld, also der monetäre Lohn, spielt eine klar nachgelagerte Rolle. Es kommt also auf das eigene Wertesystem an. Will man sich effektiv und langfristig engagieren, muss man sich die Frage stellen: Ist mir soziales Engagement bzw. der Einsatz für den Umweltschutz wichtiger als langfristig nach monetärem Reichtum zu streben? Es kommt darauf an, was einem wirklich etwas wert ist.

Nachfrage Veranstaltungen des Vorbilds

Wir haben am 12. Dezember eine Food-Waste-Party in einem Vegi-Restaurant in Locarno veranstaltet. Dort haben wir mit “gerettetem” Gemüse eine Suppe für alle gekocht. Am 13. Dezember haben wir unseren ersten Event in Solothurn umgesetzt. Wir haben an einem Stand am Weihnachtsmarkt das Thema Zeitgeschenke vorgestellt und Workshops organisiert. Weitere Veranstaltungen finden Interessierte auf unserer Website oder auch auf der facebook Seite von UP.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Dominic von fossil-free

Die Mitglieder von fossil free in Basel engegieren sich für Divestment aus fossilen Brennstoffen

Auch nach der Filmreihe des Amts für Umwelt und Energie (AUE) in Basel, “Kraft der Lokalen“, haben mich die Vorbilder des AUE nicht losgelassen. So viele Menschen, die sich in verschiedensten Bereichen engagieren, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu treiben – da kann ich nicht anders: Ich habe mich mit weiteren Vorbildern getroffen und sie nach dem aktuellen Stand ihres Engagements gefragt und wie sie es schaffen es in ihren Alltag zu integrieren.

Dieses Mal habe ich mich anlässlich der zurzeit stattfindenden Klimakonferenz in Katowice mit Dominic vom Verein fossil-free getroffen.

Dominics Engagement bei fossil-free

Was beinhaltet das Projekt fossil-free?

Fossil-free ist ein Verein und Teil einer globalen Kampagne, die von der Umweltorganisation 350.org ins Leben gerufen worden ist. Wir sind in der Schweiz vor allem in Zürich aktiv. Ich bearbeite mit ein paar Mitstreiterinnen den Raum Basel mit besonderem Augenmerk auf die Pensionskasse Basel-Stadt.Es gibt auch noch Gruppen zum Beispiel in der Romandie.

Penstionskasse Basel-Stadt schluss mit fossilen Brennstoffen
Was ist das Ziel eures Engagements?

Wir wollen Divestment aus fossilen Brennstoffen gezielt lokal vorantreiben und auf wichtige Investoren wie Pensionskassen zugehen, um sie vom Divestment zu überzeugen. So können wir pro Region fokussiert vorgehen und dies überall auf der Welt bzw. überall dort, wo wir schon aktiv sind. Wir fordern von den jeweiligen Unternehmen oder Institutionen, dass sie ihre Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen.

Wie kam es zu deinem Engagement bei fossil-free und seit wann bist du dabei?

Die Kampagne wurde 2012 in den USA ins Leben gerufen und ist seit 2015 weltweit aktiv.

Ich habe vor vier Jahren das Buch “This Changes Everything – Capitalism vs. The Climate” von Naomi Klein gelesen und gleichzeitig bin ich Vater geworden. Diese Kombination hat mich dazu angeregt aktiv zu werden. Ich bin dann durch 350.org auf die Divestment-Kampagne aufmerksam geworden und habe online nach Aktivitäten in der Schweiz gesucht. Auf der fossil-free Website bin ich dann auf den Klimatag, anlässlich der Pariser Klimakonferenz aufmerksam geworden und habe an diesem Anlass in Zürich die Vereinsmitglieder direkt angesprochen und gefragt, ob ich sie unterstützen kann. Seitdem bin ich dabei und kümmere mich vor allem darum, dass die Pensionskasse Basel-Stadt ihre Investments aus fossilen Brennstoffen abzieht.

fossil-free fordert Divestment der Pensionskasse Basel-Stadt

Heutige Situation

Wie läuft es heute bei fossil-free in Basel?

Das Projekt läuft gut und wir sind immer wieder aktiv. Natürlich gibt es Phasen, in denen wir mal mehr und mal weniger für die Kampagne unternehmen aber das liegt in der Natur der Freiwilligenarbeit. Es gab ein Jahr, in dem etwas weniger gelaufen ist und sich die Situation für den Verein weiterentwickelt hat aber nun sind wir wieder aktiv.

Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?

Es gab immer wieder Schwankungen in der Anzahl von Personen, die uns unterstützt haben aber unser Kern-Team aus drei Personen ist stabil geblieben und wir sind alle immer noch sehr motiviert und aktiv. Wir freuen uns immer über Unterstützer/-innen, auch für eine etwas kürzere Dauer.

Verein fossil-free in Basel

Gab es in der Zwischenzeit Durchbrüche/Erfolge?

Ja, letztes Jahr haben wir uns an Versicherte der PKBS (Pensionskasse Basel-Stadt) gewendet und mit ihnen zusammen eine Petition auf die Beine gestellt, in der Versicherte selbst fordern, dass die PKBS aus dem Investment in fossile Brennstoffe aussteigt.

Wir haben dann eine Übergabe mit der Geschäftsführung der PKBS vereinbart und konnten uns in einem offenen Gespräch auf Augenhöhe mit ihnen austauschen, unsere Forderungen anbringen und über Divestment-Strategien diskutieren.

Ein weiteres tolles Erlebnis für mich war zu sehen, wie kurz die Wege in Basel sein können. Ich hatte Kontakt mit Politikern, die sich für das Thema einsetzen und konnte beim VPOD (Gewerkschaft für Staatsangestellte) einen Vortrag zu Divestment halten und danach wurde direkt eine Resolution verfasst, um das Thema zu unterstützen.

Gab es auch Herausforderungen oder Rückschläge?

Man muss den Druck stets hoch halten, damit sich etwas ändert. Das ist eine ständige Herausforderung, macht unsere Arbeit aber auch so wichtig. Wir agieren auch nicht alleine, sondern sind zum Beispiel Teil der Klimaallianz, in der sichviele Organisationen zusammengeschlossen haben, um den Klimaschutz in der Schweiz voranzutreiben und die sich für Divestment einsetzt. So wird der Druck aus vielen verschiedenen Richtungen aufrechterhalten. Es läuft also an den unterschiedlichsten Stellen etwas zum Thema Divestment. Unser Beitrag ist dann oft auch zu zeigen, dass die angesprochenen Organisationen/Institutionen nicht alleine sind, sondern es viele Beispiele aus unterschiedlichen Ländern gibt, welche bereits vollständig aus Investitionen in fossile Brennstoffe ausgestiegen sind (nachzulesen unter: https://gofossilfree.org/divestment/commitments/). Zudem wird die Gewichtung unserer Forderungen durch die Verbindung mit einer globalen Kampagne meist grösser.

Herausfordernd ist auch, dass die Unternehmen und Institutionen, die wir ansprechen immer auf Zeit spielen. Davon haben wir leider, was den Klimawandel betrifft, immer weniger.

Engagement als Nebenberuf(-ung)

Was machst du wenn du nicht gerade Institutionen vom Divestment überzeugst?

Ich bin Lehrer an einem Gymnasium und Vater von zwei Kindern J

Wie lässt sich freiwilliges Engagement ins Leben integrieren?

Ich würde sagen, wenn man eine Gruppe von Leuten findet, mit denen es Spass macht sich zu engagieren, dann ist es einfach das in sein Leben zu integrieren auch wenn man vollberuflich tätig ist und Familie hat. Vor allem merkt man in einer Gruppe auch, dass man gemeinsam wirklich etwas bewirken kann und vor allem schneller etwas bewegen und lösen kann. Sich in eine Gemeinschaft zu begeben, die sich einem Engagement widmet, hilft die Schockstarre zu überwinden, die man vielleicht hat, wenn man den neusten IPCC Bericht liest und einem die Dringlichkeit des Handelns bewusst wird. Zudem ist Spass beim Engagement für ein solches Thema wichtig, weil man sonst eventuell schnell frustriert ist und das Engagement nicht aufrecht erhält, was jedoch essentiell ist.

Es ist schwierig pauschal einen Tipp zu geben, wie man freiwilliges Engagement in sein Leben integrieren kann, da jeder anders ist. Ich tausche mich zum Beispiel sehr gerne mit Leuten aus, spreche aber ungern Fremde auf der Strasse an, um ihnen zum Beispiel Flyer zu geben.

Kommende Veranstaltungen von fossil-free

Im Veranstaltungskalender auf der fossil-free Website kann man sich über die aktuellen Veranstaltungen informieren.

Unabhängig von fossil-free haben ein paar Leute, die ich durch fossil-free kennengelernt habe den “Klimaznacht” ins Leben gerufen. Zu diesem Abendessen ist jeder herzlich willkommen und wir sprechen, wie der Name schon sagt, bei einem Abendessen über Klima-Themen und suchen nach neuen Ideen und Wegen aktiv zu werden.

Nachhaltigkeit umgesetzt: Esther, Samuel und die Climate Changers

Anders als bei den vorhergehenden Filmen der Reihe “Kraft der Lokalen“, “Das Wunder von Mals” mit Felix und “Zeit für Utopien” mit Aaron und Till, konnte ich diesmal direkt mit den Filmproduzenten sprechen.

Samuel, freischaffender Journalist, der sich überwiegend mit Themen in Bezug auf Umwelt und nachhaltige Entwicklung befasst, erzählte Esther, Grafikdesignerin und Filmemacherin, bei einem Mittagessen von seinem Vorhaben. Es ist 2015 und er will nach Paris, um die historische Klimakonferenz COP21 zu dokumentieren, die zu einem neuen internationalen Klimavertrag führen soll. Das Mittagessen findet zwei Wochen davor statt und Esther ist sofort Feuer und Flamme für die Idee, Samuels Vorhaben filmisch zu begleiten.

Die beiden haben nicht die offizielle Klimakonferenz innerhalb der Hallen dokumentiert, sondern die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten auf der Strasse.

Rote Rosen vor dem Eifelturm als Symbol der COP21 Bewegung

Die Klimakonferenz in den Pariser Strassen

Tausende Aktivisten, Gruppen verschiedenster Art, Workshops, Präsentationen, Flash Mobs – alles fand auf den Pariser Strassen, abseits der Diskussionen der Konferenzteilnehmer statt. Esther und Samuel zeigen in ihrem Film “The Climate Changers”, eindrucksvoll und teilweise sehr ergreifend, die Stimmen und Motive derjenigen, die Handeln und sich nicht mehr nur Gedanken machen wollen. Gedanken um ca. 26 Millionen Klimaflüchtlinge pro Jahr, gravierende ökologische Konsequenzen des Klimawandels wie Fluten, Dürren und Stürme sowie über mögliche Lösungen, die jeder Einzelne umsetzen kann.

Man hat den Eindruck, dass die Leute auf den Strassen von Paris die Dringlichkeit der Situation verstanden haben und statt nur zu diskutieren, auch handeln wollen. Und zwar jetzt.

Alle gehen auf die Strasse

Klimawandel ist schon lange kein rein ökologisches Problem mehr. Es betrifft Umwelt, Wirtschaft und Menschen in gleichem Ausmass. In diesem Zusammenhang fällt oft das Wort “Klimagerechtigkeit“.

Für Klimagerechtigkeit

Studenten, Fracking-Geschockte und –Geschädigte, Gläubige, Blogger, Journalisten, Interessierte, Engagierte, Aktivisten, Idealisten. Ihre Projekte und Motive sind so unterschiedlich, dass man kaum glauben kann, dass sie alle auf verschiedensten Wegen ein gemeinsames Ziel verfolgen und sich darüber absolut einig sind:

Für Klimagerechtigkeit sorgen und die Welt vor einer Erwärmung von über 1.5 Grad bewahren.

 

Wenn nicht wir, wer dann?

Ob “Sustaina Clause”, Zero-Waste-Aktivist aus Afrika, Ex-Politiker von den Philippinen, #muslims4climate, Gegner des Damm-Baus in Brasilien, Unterstützer der indigenen Gruppen in Indonesien oder bekannte Künstler – alle wissen um die Klima-Problematik und keiner von ihnen stellt sich überhaupt noch die Frage ob oder was man machen sollte – Lösungen müssen her.

Die Bilder, Worte und Stimmungen, die Esther und Samuel im Film “Climate Changers” festgehalten haben sind eindrücklich und motivierend. Doch im Laufe des Films kommt die Frage auf: Was bleibt davon? Wie kann diese Aufbruchsstimmung aufrechterhalten werden? Vor 3 Jahren standen alle Zeichen auf Hoffnung. Heute, kurz vor der nächsten Klimakonferenz in Polen, mit einem amerikanischen Präsident, der den Pariser Vertrag kündigen will, vielen konservativen politischen Bewegungen, die uns an eine düstere Zeit erinnern und einer Wirtschaft, die es noch nicht schafft ein langfristiges Denken zu entwickeln, machen sich Frust und Ernüchterung breit.

Für etwsa einstehen und handeln

Wenn ich so darüber nachdenke – das ist irgendwie immer so mit wichtigen Dingen. Sie fallen einem nicht in den Schoss. Man muss sich anstrengen, beharrlich sein, durchhalten. Es wird immer, in jeder wichtigen Sache unseres Lebens, Höhen und Tiefen geben. Das ist völlig normal. Wichtig ist einzig und allein nicht aufzugeben. Den Idealismus am Leben zu erhalten.

Diese – ja man könnte schon fast sagen Lebensweisheit – lässt sich auf das gesamte Leben anwenden. Auch ich muss mich immer wieder motivieren engagiert zu bleiben und mich nicht auf die faule Haut zu legen und mir dabei zu denken: “Die anderen kümmern sich schon darum.”

Es kommt darauf an, ob wir alle Climate Changers werden oder nicht

Die Euphorie von Paris mag verflogen sein, doch durch “Climate Changers” werden wir daran erinnert und bleiben motiviert. Die regionalen Bewegungen bestehen weiterhin. Esther und Samuel werden bald ein weiteres Filmprojekt abschliessen, BaselWandel wird viele weitere Projekte unterstützen, die Lebensmittelkampagne wird Kleinbauern gerechte Preise ermöglichen und der Hambacher Forst wird nicht abgeholzt.

Was einzelne Personen erreichen können, zeigen nicht nur die Vorbilder des AUE, sondern auch Esther und Samuel in ihrem nächsten Film. Die beiden haben David Höner, den Gründer von “Cuisine sans frontières” (Küche ohne Grenzen) bei seiner Arbeit in Ecuador begleitet. Sie zeigen die Zerstörung durch die Erdölindustrie im Amazonasgebiet und fragen nach möglichen Alternativen. Zugleich porträtieren sie einen Mann, der mit einer Idee, seiner Erfahrung und einem Netzwerk von lokalen Helfern Alternativen für die indigenen Gruppen vor Ort schaffen will.

“Es braucht viele kleine Teilchen, die sich bewegen, damit das Wasser zu kochen beginnt” Esther Petsche

Gesellschaftlicher Wandel vollzieht sich nicht durch ein Wochenende vollgepackt mit Demonstrationen, ein paar Klimakonferenzen oder vielen grossen Worten, die zu Lebensweisheiten zusammengeschmiedet werden.

Nein. So funktioniert das leider nicht.

Es ist, wie schon gesagt, nicht so einfach. Wandel ist manchmal leise, manchmal laut. Mal macht er grosse Sprünge, oft kleine Schritte. Das Wichtigste, was einen Wandel per Definition ausmacht, ist langanhaltende Veränderung. Ein langer Atem. Nicht aufgeben. An das glauben, was man tut und für was man sich einsetzt. Wenn wir das in unserem Leben durchziehen und der nächsten Generation glaubwürdig mitgeben können – dann denken ich haben wir alle eine Chance.

Um “Sustaina Clause” aus dem Film sinngemäss zu zitieren:
“Es geht um dich und das was du mit deinem Leben machst.”

Egal wofür euer Herz schlägt, bleibt dran!

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Aaron, Till und die Utopien

Zeit für Utopien bei BaselWandel

Mein zweiter Beitrag der Serie „Nachhaltigkeit umgesetzt“ bezieht sich wieder auf einen Film,   den ich zusammen mit Aaron und Till vom Verein BaselWandel im Quartiertreffpunkt Lola gesehen habe. Auch diese Filmvorführung mit anschliessender Diskussion wurde vom AUE (Amt für Umwelt und Energie Basel) organisiert. Die Filmreihe heisst “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” und endet am 24. Oktober mit der letzten Vorführung, ebenfalls im Lola.

BaselWandel ist ein Netzwerk, das Begegnungen schafft. Für Leute mit Ambitionen und Projekten aus verschiedenen Kontexten, die sich austauschen und einander unterstützen wollen. Der Verein versteht sich auch als offene Plattform für die Umsetzung von Ideen, die sich auf Vernetzung, Information oder Unterstützung beziehen. Somit fördert der Verein viele kleine Utopien, die alle im Zeichen einer nachhaltigen Entwicklung stehen. Im Verein sind zurzeit ca. 80 Personen und 10 Organisationen Mitglied.

BaselWandel lässt sich gut über drei Säulen beschreiben:

  1. Vernetzung von verschiedenen Organisationen und Aussenstehenden, um Synergien und Inspiration zu schaffen.
  2. Informationsplattform, um die Öffentlichkeit über die Projekte und Organisationen zu informieren. Zu diesem Zweck gibt es bald einen neuen Webauftritt vom Verein mit Organisationsprofilen und Beschreibungen der einzelnen Projekte.
  3. Unterstützung durch Räumlichkeiten, Know-How und mittelfristig auch durch Workshops bieten.

Auf die Frage, wie die beiden ihr Engagement bei BaselWandel mit ihrem Beruf unter einen Hut bekommen, haben beide eine klare gemeinsame Antwort: Es braucht Leidenschaft und Herzblut. Ohne das wird man sich nicht dauerhaft einsetzen, da es einem kein wirkliches Anliegen ist.

Zeit für Utopien gibt es bei BaselWandel zum Beispiel jeden ersten Montag im Monat in der Müllheimerstrasse 77, 4057 Basel. Dann werden Projekte vorgestellt und in einer offenen Runde diskutiert. Man bekommt neue Inputs und kann sein Netzwerk ausbauen. Mich werdet ihr dort sicher auch demnächst treffen können 😊

Weitere Veranstaltungen sind gerade in Planung. Am besten abonniert ihr den BaselWandel Newsletter oder schaut auf der BaselWandel facebook Seite vorbei, denn da läuft in naher Zukunft einiges!

Film ab! Revival der Kleinbauern

Nein, der Film philosophiert nicht über eine Welt, in der alles rosig ist und die wir wahrscheinlich nie erreichen werden. Im Gegenteil. Der Film zeigt ganz konkret, wie eine etwas utopischere, im Sinne von bessere, Welt heute schon aussieht.

Der Film beginnt mit der Geschichte einer Aussteigerin. Eine ehemalige Angestellte, die nicht mehr damit weitermachen konnte sich für einen Konzern und dessen Produkte aufzuopfern. Stattdessen stellte sie irgendwann ihr eigenes Wohl und das einer Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Sie begann einem Bauer-Ehepaar bei der Bewirtschaftung ihres Hofladens und ihrer Ziegenherde zu helfen. Sie sieht glücklich aus. Das kann natürlich täuschen. Immerhin ist es ein Film. Doch die Sätze die fallen bleiben lange in meinem Gedächtnis:

Ich will Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.

Sie beschreibt ihre jetzige Situation nicht mit dem Wort „Verzicht“, sondern mit „innerem Reichtum“.

Der Film geht über zu weiteren Beispielen, in denen die Menschen etwas anders machen. Sich nicht vom vorherrschenden System mitreissen lassen, sondern ihr eigenes Ding durchziehen. Egal ob Ex-Angestellte aus Bayern oder knapp 3 Millionen Bewohner aus Südkorea: Sie alle unterstützen kleinbäuerliche Strukturen und sorgen für faire Preise, sodass die Kleinbauern und Fischer ihre biologischen Anbaumethoden weiter fortsetzen können. Diese fairen Preise sind vor allem dann möglich, wenn Verbraucher und Erzeuger direkt in einen Verarbeitungsbetrieb investieren – ohne Mittelsmänner/-frauen. Die Marge ist dann nämlich nicht der wichtigste Faktor, der jede Handlung bestimmt.

Zusammen leben

Nicht erst seit dem Pariser Abkommen ist einer breiteren Bevölkerung klar, dass die CO2 Reduktionsleistungen, die wir umsetzen müssen, um katastrophale Auswirkungen zu mindern, ein enormes Umdenken verlangen. Das was wir vollbringen müssen, um unsere Welt für unsere Kinder und deren Kinder zu erhalten, ist mit dem heutigen System und mit dem heute immer noch vorherrschenden Denken nicht umsetzbar.

Die Kalkbreite in Zürich zeigt eine alternative Art des Zusammenlebens, die im wahrsten Sinne des Wortes „zusammen leben“ bedeutet. Mehr gemeinschaftlicher als privater Raum, die allgemeine Ablehnung ein Auto zu besitzen und Entscheidungen, die gemeinsam für die Gemeinschaft getroffen werden. Für manche hört sich das tatsächlich nach Utopie an. Mich hat es zunächst kurz abgeschreckt. Ich mag es, mich zurückziehen zu können, keine Verpflichtungen anderen gegenüber zu haben und nicht alles immer erst diskutieren zu müssen, bevor entschieden wird. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um Dinge, die alle betreffen. Wenn ich mir das klar mache, macht es absolut Sinn in einer Gemeinschaft zu leben. Natürlich gibt es auch hier, wie überall, Vor- und Nachteile, doch es scheint, als ob die Vorteile für die Bewohner klar überwiegen.

Wenn ich so weiter darüber nachdenke: Wie cool wäre es mit meinen besten Freunden in einem Mehrfamilienhaus oder mehreren Häusern nebeneinander zu wohnen. Da wär‘ ich sofort dabei. Man kann sich gegenseitig helfen, zusammen feiern und Projekte umsetzen – und wenn man mal die Nase voll hat, zieht man sich einfach in seine eigenen 4 Wände zurück. Wie viel einfacher es dann zum Beispiel wäre Kinder aufzuziehen… wie früher, als man noch in Familiengemeinschaften mit mehreren Generationen zusammengelebt hat.

Post-Wachstums-Ökonomie & Kooperativen

Es fallen auch komplexe Wörter im Film „Zeit für Utopien“. Zum Beispiel Post-Wachstums-Ökonomie. Eine sympathische Frau erklärt in den „heiligen Hallen“ der Frankfurter Börse, dass der Kapitalismus an sein Ende kommen wird. Sie sieht nicht aus wie ein Hippie oder ein Punk. In Ihrer Stimme liegt Sicherheit und Bestimmtheit. Sie verdeutlicht: Die Brücke zwischen Kapitalismus, der durch knappe Ressourcen keine Zukunft hat, und Post-Wachstums-Ökonomie ist zurzeit noch nicht modelliert. Noch einfacher gesagt:

Der Bremsweg ist nicht bekannt. Nur dass wir bremsen müssen weiss jeder.

Durch diese Wissenslücke entsteht Unsicherheit, denn eine Vollbremsung hätte eine sehr grosse Wirtschaftslücke zur Folge.

Eine Bewegung, die sich an vielen verschiedenen Orten zeigt, könnte den Bremsweg einleiten: Kooperativen. Im Film wird eine Teefabrik in Frankreich gezeigt, die um ihre Selbstverwaltung gekämpft und gewonnen hat, zudem begleitet man eine Mitarbeiterin von Fairphone auf ihrem Weg zu verschiedenen Kooperativen in Afrika. Diese beiden Beispiele zeigen mir: Moderne Produktionsbedingungen, in denen die Aufgaben und Umstände von oben diktiert werden, entfremden die Menschen von ihrer Arbeit.

Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, erklärt das im Film mit dem Wort „Resonanz“.

Resonanz erfährt man, wenn man als Handwerker ein Produkt herstellt und das Ergebnis betrachtet – oder wenn Menschen kooperieren.

Kooperation ist das Schlüsselwort in diesem Film. Ob kooperiert wird, damit man mehr Selbstbestimmung im Job erlangt, man statt 30% faire 95% des Goldpreises erhält, welches im weiteren Verlauf in Smartphones eingebaut wird oder eine gemeinschaftliche Landwirtschaft aufbaut, wie die Gemeinschaft „Ochsenherz“ in Wien – Kooperation ist eigentlich unser default setting, unsere Standardeinstellung.

Menschen sind intuitiv kooperativ.

So Joachim Bauer.

Erst durch Angst und übergreifender Konkurrenz werden wir zu Egoisten. Dabei startet eine Abwärtsspirale, denn diese Rahmenbedingungen erzeugen Dauerstress und wir wissen unterbewusst, dass wir durch egoistisches Handeln die Welt ruinieren.

Das leuchtet mir ein. Ich bin keine Maschine. Du auch nicht. Wir brauchen Zufriedenheit in unserem Leben und zwar auf einer anderen Ebene als Profit.

Fazit: Her mit den Utopien!

Ohne Utopien oder Vorstellungen von Utopien und Menschen, die daran glauben und dafür kämpfen hätte es wohl nie die Abschaffung der Apartheid gegeben, keine Gleichberechtigung und auch keine Vereine wie BaselWandel.

Für Aaron ist Konsens ein guter Startpunkt für Utopien. Till stellt in seiner persönlichen Utopie den Menschen in den Vordergrund: Andere als Menschen sehen. Unabhängig von ihrer Rolle und der jeweiligen Situation.

Wir brauchen Utopien, denn dabei kann eine andere, bessere Welt entstehen.

Noch eine Chance auf „Kraft der Lokalen“

Ich würde mich freuen euch beim letzten Film der Filmreihe „Kraft der Lokalen“ zu treffen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich und inspirierend:

Mittwoch, 24.10.2018 „The Climate Changers“

Bis Mittwoch und immer schön utopisch bleiben,

Eure Kimi

Nachhaltigkeit umgesetzt: Felix & das Wunder von Mals

Bauer auf meinem Traktor im Sonnenschein

Eine vorbildliche Sache

Ein Ziel von KimiB.Good ist der Austausch mit “Umsetzern”, wie ich sie nenne. Das heisst Austausch mit Menschen, die sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung engagieren oder ihren Lebensstil darauf ausrichten. Egal wie.

Ich will von diesen Leuten lernen, erfahren, wie genau man sich engagieren kann, was es bringt und wie man es in seinen Alltag einbauen kann. Diesen Austausch möchte ich mit euch allen teilen, denn je mehr Menschen den eigenen Lebensstil nachhaltiger gestalten, desto besser für uns alle und unsere Umwelt.

Durch meine Recherchen und Kontakte bin ich mit dem Amt für Umwelt und Energie in Basel (AUE) ins Gespräch gekommen. Das AUE hat ebenfalls das Ziel Menschen vorzustellen, die sich engagieren, etwas bewegen und sich für die Welt von morgen einsetzen.

Wir ziehen also am selben Strang.

Daher möchte ich in der Serie “Nachhaltigkeit umgesetzt” mit den Vorbildern für die Welt von morgen, die das AUE auf ihrer Website vorstellt, über ihr Engagement sprechen und herausfinden, was es heisst Nachhaltigkeit auf vielen verschiedenen Wegen umzusetzen.

Logo Vorbilder für die Welt von morgen

Von den Vorbildern will ich vor allem wissen, wie sie es schaffen sich im Alltag zu engagieren, motiviert zu bleiben und was Fallstricke und Erfolgsfaktoren ihres Einsatzes für die Nachhaltigkeit sind. Natürlich sollen die Antworten uns allen Nutzen stiften: Informieren, Neugier stillen, Tipps verbreiten und motivieren.

In den ersten drei Beiträgen dieser Serie werden ich auch kurz auf den Film eingehen, den ich zusammen mit den jeweiligen Umsetzern (oder Vorbildern, wie das AUE sie nennt) im Zuge der Filmreihe “Die Kraft der Lokalen – Filme und Gespräche übe die Welt von morgen” gesehen habe.

Das Wunder von Mals

Der Film, den ich zusammen mit Felix von der Lebensmittelkampagne gesehen habe, dreht sich um ein, wie die Malser im Film selbst sagen, kleines gallisches Dorf in Mitten von Pestizid-bestäubten Apfelplantagen.

Die Problematik in Mals ist folgende:

Innerhalb der letzten 50 Jahre haben sich Wiesen in Felder mit Monokulturen verwandelt, der konventionelle Anbau hat Einzug gehalten und mit ihm der recht freizügige Gebrauch von Pestiziden, die nicht unbedingt alle verwendet werden dürften. Die umliegenden Bio-Anbau-Felder bekommen davon durch Wind und Witterung natürlich auch gratis etwas ab. Mit der Folge, dass die Bio-Produkte der Bio-Bauern plötzlich nicht mehr Bio sind.

Das Problem weitete sich in Mals allerdings weiter aus: Da nicht nur die Bio-Pflanzen, sondern auch die Menschen, die dort leben, gefährdet waren bzw. sind, wollte man das Dorf von Pestiziden befreien. Man wollte und will immer noch zeigen, dass es auch mit Bio geht. Dass die Versorgung und die Wirtschaftlichkeit nicht darunter leiden.

“Einfach uns mal vorausgehen lassen.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker in Mals

Dieser vorbildliche Gedanke passt allerdings nicht jedem in den Kram. So eskalierte der Konflikt zwischen Vertretern des Bio-Anbaus bzw. des Pestizid-freien Anbaus und den Verfechtern der konventionellen Landwirtschaft nicht nur juristisch, sondern auch auf sehr unschöne, persönliche Art. Menschen wurden bedroht, Eigentum zerstört. Und das nicht von der Pro-Bio Seite…

“Wir lassen nicht locker. Auf keinen Fall.”
Johannes Fragner-Unterpertinger, Apotheker und sogenannter Kopf des Widerstands

Der Film zeigt sehr schön, dass selbst die Bewohner eines zurückhaltenden, bescheidenen Dörfchens wie Mals, die einfach in Ruhe die Schönheit ihres Tals geniessen wollen, bereit sind für eine Sache einzustehen, wenn sie davon überzeugt sind. Mals konnte 2016 durch Abstandsregeln die Anwendung von Pestiziden in Mals verhindern. Allerdings ist dieses Verbot von Pestiziden seit April 2018 wieder ausser Kraft.

Filmvorführung im Park

Das Wunder von Mals ist also eigentlich eher die Ausdauerleistung von Mals. Oder wie es im Film genannt wird: “Der Malser Weg”.

Setzt auf Bio: Felix und seine Lebensmittelkampagne

Dranbleiben ist die Devise und der einzige Weg zu langfristigem Erfolg – nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeit. Mals will ein Vorbild sein und mit dem Bio-Anbau in eine nachhaltige Zukunft starten. Sie wollen etwas anders machen und anderen zeigen, dass es geht.

So auch die Vorbilder des AUE: Felix kennt die Problematik von konventioneller Landwirtschaft im Vergleich zum Bio-Anbau. Vor allem aus Griechenland. Dort bezieht er überregionale Lebensmittel wie z.B. Öl und bring sie in die Schweiz. Ohne Pestizide versteht sich.

Abbildung von biologisch angebautem Olivenöl aus Griechenland

Was genau das bringt?

Durch Felix erhalten die Bio-Bauern aus Griechenland vom Abnehmer, also Felix, mehr für ihr Bio-Öl und wir können das wertvolle Produkt dann zu einem normalen Bio-Preis hier bei uns kaufen.

“Meine Vision ist eine regionale und saisonale Ernährung an jedem Ort dieser Welt zu ermöglichen und Lebensmittel anderer Orte direkt von ausländischen Höfen zu beziehen” Felix Schröder

Auf Lebensmittel und im speziellen auf die Problematik, dass man keinen Bezug zum jeweiligen Bauer hat, von dem die überregionalen Lebensmittel stammen, ist Felix durch eine Lebensmittelgemeinschaft und Diskussionen mit dieser Gemeinschaft gekommen.

Wie aber schafft es Felix sein Engagement für biologisch angebaute, überregionale Lebensmittel in seinen Alltag zu integrieren und was macht er sonst noch so nebenbei? Erfahren habe ich von Felix, dass er sich seit 4 Jahren voll seinem Engagement widmet, mit dem Ziel, davon auch Leben zu können. Zurzeit ist das noch nicht der Fall und wenn das Einkommen nicht da ist, muss natürlich der Lebensstandard angepasst werden.

Felix hat das sehr schön als “von einer 5-sterne Villa in eine 3-sterne Villa umziehen und das Frühstück nicht mehr ans Bett bekommen, sondern sich am all-inclusive Buffet satt essen” bezeichnet. Will wohl meinen, dass es ihm immer noch gut geht und man auch nicht unbedingt jeden Luxus-Schnick-Schnack braucht.

Spass bei Seite: Felix wird in den nächsten Monaten noch einen ausgedehnten Logistik-Versuch starten und Mitte nächsten Jahres entscheiden, ob die Lebensmittelkampagne für ihn auch beruflich eine Zukunft darstellt oder (wieder) zu einem Hobby wird. Das heisst auch, dass sich Felix neben diesem Hobby anderen Dingen zuwenden kann. Was diese anderen Dinge sind, konnte mir Felix noch nicht sagen. Eines ist allerdings sicher: Es hat mit der Welt für morgen zu tun. Eine Rückkehr zu seinem erlernten Beruf, Flugzeugtechniker, kommt für ihn nicht in Frage.

“Ich hatte den Luxus mich ein paar Jahre voll auf mein Projekt konzentrieren zu können.”
Felix Schröder

Für Alle die sich auch in Projekten engagieren wollen empfiehlt Felix zunächst auszuloten, wie gross die persönlichen Kapazitäten dafür sind. Sprich, wie viel ist einem das Engagement oder das Projekt wert, wie viel Zeit kann man investieren und ist man eventuell auch bereit zurückzustecken und eben von der 5-Sterne Villa in eine 3-Sterne Villa zu ziehen. Klar ist: Es gibt für jede Kapazität auch eine Möglichkeit etwas für die Welt von morgen zu tun. Selbst wenn es kleine Schritte sind wie Müll zu trennen oder einen Kompost anzulegen.

Ich für meinen Teil kann euch auf jeden Fall empfehlen auch bei der Filmreihe des AUE vorbeizuschauen. Der Eintritt ist gratis und die Atmosphäre sehr gemütlich:

11.09.2018 Bike vs Cars
18.09.2018 Transformance
21.09.2018 Vorbilder für die Welt von morgen
17.10.2018 Zeit für Utopien
24.10.2018 The Climate Changers

Ich werde mir die Filme “Zeit für Utopien” und “The Climate Changers” anschauen und wünsche allen, die auch vorbei schauen viel Spass und würde mich über ein nettes Schwätzchen mit euch freuen – was so viel heisst wie: Ich bin dankbar für jede Meinung zu meinem Blog und dieser Serie 😉

Eure Kimi

The big picture: Climate change – KimiB.Good #4

schmelzende Eisberge im Wasser

Here’s the podcast!

My last podcast episode and article are related to food topics and how food production and consumption are linked to sustainability. I have noticed that our food system has major impacts on our climate. And so has our waste system as well as our whole economic system.

It seems essential for me to step back and take a look at the bigger picture.

For me, climate change is the big picture when talking about sustainability. In the course of the 2030 Agenda for Sustainable Development, the UN set 17 global goals in 2015 – the Sustainable Development Goals. These goals are a UN initiative and aim to transform our world towards a more sustainable development. They are all interlinked and almost all goals link somehow to climate change.

As you might guess, climate change is a huge topic and it is necessary to define what is meant by talking about that term.

What are we talking about

Climate change, global warming, weather, climate – they seem to tell us the same story but they refer to events with broadly different spatial- and timescales.

“Weather refers to atmospheric conditions that occur locally over short periods of time—from minutes to hours or days. Familiar examples include rain, snow, clouds, winds, floods or thunderstorms. Remember, weather is local and short-term. Climate, on the other hand, refers to the long-term regional or even global average of temperature, humidity and rainfall patterns over seasons, years or decades.” (Source: NASA, 2018)

Global warming includes upward temperature trend across the earth since the industrial revolution in the early 20th century, due to the increase in fossil fuel emissions. Worldwide the average surface temperature has gone up by about 0.8 °C since 1880, relative to the mid-20th-century baseline (of 1951-1980).

Climate change covers a broad range of global phenomena, which add heat-trapping gases to our atmosphere. These phenomena include the increased temperature trends described by global warming, but also encompass changes such as sea level rise, ice mass loss in Greenland, Antarctica, the Arctic and mountain glaciers worldwide, shifts in plant blooming and extreme weather events.

Climate change. Facts.

There are actually a lot of facts on climate change. I will present a summary of 10 facts which might illustrate the urgency to act for all of us.
To all sceptics: Right below the facts, I will shortly explain how science and the scientific methods work. Sure you can still deny the existence of human caused climate change but you might feel a little lonely and stubborn at some point. Nevertheless, the decision is up to you. Personally, I do not doubt the existence of climate change and that humankind plays an essential role.

a grafitti saying I do not believe in global warming half swamped

97 percent: The percentage of scientists who agree that warming trends over the past century are very likely caused by human activity.
But it is always a good idea to take a look at the opposite view: form your own opinion on scientific consensus.

1950: Year when atmospheric CO2 levels broke records from the previous 400,000 years, sharply rising and continuing to grow.

8 inches: Rise in global sea levels over the last century. The rate of rise has nearly doubled in the last two decades.

Meer mit Eisschollen

16: Number of record-breaking hottest years since 2000. 2016 was the hottest year yet.

1.5 degrees: The average worldwide temperature increase in Fahrenheit compared to a century ago.

400 parts per million: Average concentration since 2016 of CO2 in the atmosphere, compared to 275 PPM for past 400,000 years.

9: The 9 most explosive fires in America’s history have all occurred since 2000, with 2015 having the biggest fire (10.1 million acres burned) in American history.

Forest fire

19th century: When the heat-trapping nature of CO2 was first demonstrated.

30 percent: The increase in acidity of the world’s oceans.

$180 billion: Estimated economic losses to the United States by end of the century if no action is taken on climate change

beach with a lot of trash

How to get to these facts

How do scientists know about climate change and the facts mentioned above? The way scientists work, in a nutshell, is called “the scientific method“.

This method is the gold standard for exploring everything around us and apparently humankind. It’s the process that scientists use to understand everything from animal behavior to the forces that shape our planet—including climate change.

The process includes the following steps:

  1. Form a hypothesis (a statement that an experiment can test)
  2. Make observations (conduct experiments and gather data)
  3. Analyze and interpret the data
  4. Draw conclusions
  5. Publish results that can be validated with further experiments (rinse and repeat)

These steps may vary from discipline to discipline but overall these are the steps to gather scientific knowledge. And not only by going through them one time. The more observations are done, the more data is gathered the better is the scientific understanding and the more valid are the drawn conclusions.

Referring to climate change, I did not count the numbers of studies which deal with global warming and climate change issues but there are consensus studies which prove that the scientific consensus on whether climate change is happening and humankind is a major contributor is between 90 and 100%.

Using the scientific method, scientists have shown that humans are extremely likely the dominant cause of today’s climate change. It all starts in the late 1800s. In 1958 Charles Keeling of the Mauna Loa Observatory in Waimea, Hawaii, started taking meticulous measurements of carbon dioxide (CO2) in the atmosphere, showing the first significant evidence of rapidly rising CO2levels and producing the Keeling Curve  climate scientists know today.

Keeling Kurve die den Anstieg von CO2 in der Atmosphäre anzeigt

Whether or not you belief in the scientific method and their conclusions, something is happening with our planet and it tends to be more extreme than everything humankind has experienced so far.

… and in Switzerland

The climate in Switzerland varies a lot due to altitude and season but there are certain changes which can only be explained in terms of the increase in greenhouse gases. According to MeteoSwiss, there are three critical changes for Switzerland so far:

  1. Average annual temperature increased around 2°C since 1864 (as by 2018)
  2. There has been significantly less snow since the 1980s
  3. Changes in precipitation are becoming apparent
a graph which shows the climatic changes of Switzerland
Figure 1: The temperature series from Basel since 1755 demonstrates that the Swiss climate is subject to strong fluctuations. In the first 200 years of the measurement series, the fluctuations were primarily due to natural causes. In the last few decades, temperatures have broken through the bandwidth of long-term, natural fluctuations in an upward direction (climate change). The graph shows deviations in °C from the 1864-1900 mean.

Myths about climate change in a nutshell

There might be even more myths than facts about climate change. I’ll try to collect some of the more important myths and provide short and precise enlightenment.

  1. “CO2 is not a pollutant. It’s a GREEN gas which plants, crops and trees need to grow.”
    Yes, plants need CO2 for photosynthesis as humans need oxygen for respiration. In fact, the world’s forests store and cycle huge amounts of carbon. However, there’s a limit to the amount that they can absorb, and with deforestation increasing this limit is getting lower. It’s not the nature of CO2 that causes problems; it’s the quantity: there hasn’t been this level of CO2 in the atmosphere for 800,000 years.
  2. “Climate change has been here AT LEAST 5 million years.”
    In its basic sense this statement is true. Climate change is currently happening to an extent that cannot be explained by natural factors alone. Global temperatures have been rising for over a century, accelerating in the past 30 years, and are now the highest since records began. The global scientific community widely agrees that the warming we are experiencing is man-made.
  3. “A few degrees is nothing.”
    During the last ice age, which ended 12,000 years ago, the world’s average temperature was only 4-5°C cooler than it is today. Yet those few degrees have made a drastic difference: parts of Britain were under a mile of ice, and sea levels were about 100 metres lower than they currently are. Just a few degrees can have very dramatic effects, and what’s happening now is at a far greater rate than we’ve ever seen. To avoid the worst impacts, all nations agreed to the 2 degree (or even 1.5 degree) treshold in the Paris Agreement.
  4. “Wind farms and solar are expensive and inefficient. Nuclear, coal and oil are the only realistic way to provide for our energy needs.”
    Solar power has been the cheapest form of energy generation (per unit of energy generated) for a long time and onshore wind costs about the same as gas. Some great news over the past decade is that the costs of renewables have fallen faster than predicted. By the way, nuclear power is the most expensive one. However, the most important measure is energy efficiency. Technology like double glazing and loft insulation may not sound glamorous, but it reduces our bills and helps save the planet at the same time.
  5. “Everything is affected by climate change, but things adapt!”
    Nearly true. We all know about the adaptation part since we heared about Darwin’s natural selection rule. But there is a tiny difference to the statement in the headline which changes a lot of its meaning: Everything is affected by climate change, and some things adapt. To survive, life on earth has two options: Move or adapt. If you cannot adapt and there is no suitable habitat for you left, you die. And in the end, this rule applies if you are a plant, an animal or a human being.
  6. “Global warming was made up as a way to make money.”
    Oh come on! There are so many easy ways to make money. Tobacco, alcohol, weapons and allegedly necessary consumer goods for example. Do you really think “they” would do such an effort? No way.
  7. “The only way this planet will survive is us humans getting wiped out.”
    I cannot deny that I may have had this thought too at some point. But isn’t is a bit cowardly to ruin something and give up afterwards? Now comes the hardest part. Doing it right. So roll up your sleeves and get it done, chicken.

The good news

Even if we reduce our carbon footprint and reach the goals of the Paris Agreement, our past has its effects we cannot stop. However, Carbon Dioxide Removal (CDR) technologies are on the rise and, as we have seen in history before, technology is able to develop in major leaps if the conditions are right. Sure the conditions are not yet in favour of everything which tackles climate change but we are making progress. Politically, economically and most important in our thinking and awareness.

For more concrete CDRs, please read Jacob Devaney’s article “Good News About Climate Change!”.

As you may have experienced while trying to achieve a goal together with other people, the first thing to be set is cooperation. By working together, we can pave a path forward to a future in which businesses rely on renewable energy, cities rethink waste disposal and transportation, and communities and individuals take simple actions to save the planet.

Cheers,
Kimi

Further links

https://www.ted.com/playlists/78/climate_change_oh_it_s_real

https://www.wwf.org.uk/effectsofclimatechange

https://www.weforum.org/agenda/2017/01/tech-innovations-save-us-from-climate-change/

Man ist was man isst – KimiB.Good #3

Grosser Burger in dem ein Messer steckt

Hier geht’s zum Podcast!

Essen ist etwas Wundervolles. Zumindest für mich. Ich esse sehr gerne gut und bin davon überzeugt, dass eine gesunde Ernährung essentiell für ein aktives und glückliches Leben ist. Warum? Weil Essen die älteste und damit bewährteste Medizin ist. In Kombination mit Bewegung werden Körper und Geist fit gehalten und das Leben begibt sich in eine positive Aufwärtsspirale. Natürlich nicht nach einer Woche, einem Monat oder einem Jahr. Da heisst es dran bleiben!

Ich möchte euch aber keinen Vortrag über mehr Sport und 5 Portionen Gemüse oder Früchte am Tag halten. Ehrlich gesagt, ich bin kein grosser Früchte-Fan. Ich möchte über Nahrung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit sprechen. Natürlich ist es auch nachhaltig, gesund zu essen und sich damit gesund und fit zu halten.

Gemüse und Eier auf einem Holz-Schneidebrett mit Messer und Pfanne
Foto von Kathie Smith via unsplash.com

Nahrung und Nachhaltigkeit ist ein unglaublich grosses Thema. Mir fallen da direkt Themen wie Veganismus, Urban Agriculture, Fleisch-Konsum, grosse Handelsfirmen, Fair Trade, Lebensmittelverschwendung, aber auch Greenwashing, der Bauern-Laden hier um die Ecke oder die Kräuter auf meinem Balkon ein. Ihr seht, dieser Beitrag könnte enorm lang werden. Dazu fehlt mir allerdings leider die Zeit.

Ich möchte vielmehr auf zwei Mythen eingehen, die mir sehr oft begegnen und einen grossen Einfluss haben. Sollten euch andere Fragen zum Thema Ernährung und Nachhaltigkeit auf dem Herzen liegen, hoffe ich, euch mit den ganz unten aufgeführten Links weiterhelfen zu können.

Mythen & Fakten

Ein Mythos, der sich sehr hartnäckig hält und der mir immer wieder zu Ohren kommt, ist:

Vegetarier und Veganer bekommen durch den Verzicht auf Fleisch zu wenig Proteine.

Proteine sind wichtig, ja. Vor allem, wenn man viel Sport treibt und zum Ziel hat, Muskelmasse aufzubauen, was durchaus erstrebenswert ist, da Muskelmasse auch im Ruhezustand Kalorien verbrennt. Eine der grössten Studien zu diesem Thema hat allerdings gezeigt, dass es nicht Proteine sind, die Veganern oder Vegetariern fehlen, nein. Sie bekommen täglich, wie Fleisch-Esser auch, mehr als nötig. Ein anderer Nahrungsbestandteil ist das Problem: Ballaststoffe.

Eine reichhaltige Gemüse-Auslage
Foto von Ja Ma via unsplash.com

Ballaststoffe finden sich ausschliesslich in pflanzlicher Nahrung: Fleisch, Eier, Milch, Fast Food… All das enthält keine Ballaststoffe. Vom gesundheitlichen Aspekt her gesehen, geht es also nicht darum, ob man Fleisch, Fisch, etc. isst oder nicht, sondern wie viel und was man sonst noch alles isst.

Bleiben wir kurz beim Fleischkonsum. Ein äusserst populäres und oft heftig diskutiertes Thema. Ich persönlich esse Fleisch und Fisch. Von Blutwurst bis  zu Meeresfrüchten. Alles Geschmackssache. Nichtsdestotrotz kann ich meine Augen nicht vor den Fakten verschliessen:

Metzger, der ein Stück Fleisch festhält, das auf einer Ablage liegt
Foto von Armando Ascorve via unsplash.com
  • vor 100 Jahren haben wir nur halb so viel Fleisch verzehrt
  • Um die Massen an Fleisch zu produzieren, halten wir die Tiere oft in Tier-unwürdigen Massentierhaltungen und pumpen sie mit Medikamenten voll, damit sie dieses Leben bis zum Schlachttag durchhalten – nicht wirklich lecker
  • 1 kg Steak benötigt durchschnittlich 15000 Liter Wasser für Futterpflanzen, das Tränken der Tiere und zum putzen der Ställe
  • Zum Vergleich: 1 kg Brot benötigt 1300 Liter Wasser – im Hinblick auf die Ressource Wasser, die für viele Menschen immer knapper wird, eine ziemliche Verschwendung
  • Abwasser und Dünger der Futterfelder verunreinigen unser Grundwasser mit z.B. Nitraten und senken den Sauerstoffgehalt, sodass z.B. Flussmündungen zu Todeszonen für Tiere werden – und unsere Trinkwasserquelle Nr.1 ist unser Grundwasser
  • Das Problem mit den weitreichendsten Auswirkungen ist das Futter: Soja
  • Für Soja als Viehfutter wird v.a. in Lateinamerika der Regenwald abgeholzt – was schrecklich für die Biodiversität der Erde ist, aber auch die “grüne Lunge” der Erde zerstört und somit jedem Einzelnen von uns schadet
  • Soja wird als Monokultur angepflanzt, die durch Dünger und Pestizide wunderbar wächst, ist der Boden aber einmal überlastet, muss neuer Regenwald geholzt werden, um neue Felder zu errichten
  • Die Kleinbauern, die z.B. in Lateinamerika Landwirtschaft betreiben werden oft von ihrem Land vertrieben, um für grosse Soja-Farmen Platz zu machen oder es lohnt sich für sie nicht mehr selbst anzubauen. Sie werden zu Arbeitnehmern der Grossfarmen und arbeiten dort für einen Hungerlohn und unter schlechten Arbeitsbedingungen. Folge: Die Armen werden ärmer, wenige werden reich.
  • Die Nutztierhaltung setzt mehr Klimagase frei als alle Transportwege der Welt zusammen
  • Der Hunger weltweit wird durch den Futteranbau verstärkt, indem das Land nicht für Nahrung für den Mensch, sondern für das Vieh genutzt wird:
    • 1 ha Futterpflanzen können ca. 2 Personen mit Fleisch ernähren
    • 1 ha Gemüse kann ca. 1 Familie ernähren
    • 1 ha Kartoffeln kann ca. 1 Fussballmannschaft ernähren
  • Der Platz für unser Essen wird durch steigenden Fleischkonsum immer knapper und die Bevölkerung der Erde wächst gleichzeitig – der Hunger steigt
  • Last but not least zerstört Fleischkonsum Märkte in Ländern, die auf den Aufbau von diesen Märkten angewiesen sind: Da in Europa vor allem Pouletbrust gerne gegessen wird und der Rest des Poulets eher nicht, wird dieses tiefgekühlt nach Afrika verschifft und dort günstiger als die regionalen Produkte verkauft – die lokale Bevölkerung kann nicht mehr von Viehzucht leben
Kühe auf einer Weide im Sonnenuntergang
Foto von Stijn Te Strake via unsplash.com

Ja, es gibt mehr als genug negative Fakten zum Fleischkonsum. Trotzdem esse ich Fleisch. Warum? Ist es Gewohnheit, Kultur, Starrsinn? Egal was es ist. Die Fakten sprechen für sich und ob es einem passt oder nicht, Veränderung ist mehr als angebracht. Ist ja nicht so, als würden wir verhungern, wenn wir weniger oder gar kein Fleisch mehr essen.

Es gibt hierbei aber auch eine gute Nachricht: Sojafutter ist das Problem, welche unglaublich viele negative Wechselwirkungen hat. Essen wir Fleisch, das mit biologisch angebautem Futter produziert wurde, fördern wir, dass die Tiere wieder Gras auf der Weide essen, statt Soja in Pallet-Form. Wird diese Art der Tierhaltung gefördert, stellen wir uns als Nachfrager gegen Massentierhaltung, begünstigen eine weitaus geringer Produktion an Fleischprodukten und verhelfen dem Preis für Fleisch auf eine angemessenere Höhe. Fleisch in der Schweiz z.B. gilt als besonders teuer. Ja, das ist es auch. Aber ich sag’ euch, es schmeckt mir direkt doppelt so gut, wenn ich weiss, dass es hier von der Weide kommt und ich mit dem Preis die Arbeit wertschätze, die dahinter steckt.

Zum Abschluss zu diesem Thema: Wenn Tier, dann alles! Unsere Grosseltern haben alles vom Tier gegessen. Es wäre ihnen nie in den Sinn gekommen zu sagen: “Ih, Rinderzunge finde ich eckelig. Das esse ich nicht.” Probier es aus! Zum Beispiel bei Mark + Bein in Basel oder deinem Metzger um die Ecke.

Interaktive Grafik zum Fleischkonsum

Ein Mythos, der hoffentlich bald gegessen ist:

Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Lebensmitteln nicht mehr geniessbar.

Das-stimmt-einfach-nicht! Bitte den Kopf einschalten. Oder in diesem Fall eher Nase, Augen und Zunge. Vertraut euren Sinnen und testet die Produkte, bevor ihr sie wegwerft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Produkt ist lediglich eine Hersteller-Empfehlung, die aufgrund von Erfahrungswerten und rechtlichen Rahmenbedingungen gegeben wird. Es ist kein Verfallsdatum. Verpackte Lebensmittel müssen diese Kennzeichnung tragen. Mit Mindesthaltbarkeitsdatum ist der Zeitpunkt gemeint, bis zu dem das Lebensmittelunternehmen garantiert, dass das Produkt bei richtiger Lagerung und geschlossener Verpackung seine spezifischen Eigenschaften behält (z. B. Geschmack, Aussehen, Konsistenz, Nährwerte …). Ist ein Verbrauchsdatum angegeben (Bei z.B. rohem Fleisch und Fisch, sowie Rohmilch) sollte man sich allerdings daran halten, da die Lebensmittel nach Ablauf dieses Datums gesundheitsschädlich sein können.

Frontalansicht eines Kühlregals mit Käseprodukten
Foto von Igor Ovsyannykov via unsplash.com

Lebensmittel zu testen, bevor sie endgültig im Abfall landen lohnt sich, denn:

  • 1/3 aller Lebensmittel geht verloren – sogenannter Foodwaste – das entspricht 300kg pro Person pro Jahr x 770’000 Einwohner/-innen in der Schweiz = 2’310’000’000 kg
  • Die Europäische Kommission schätzt dass in der EU pro Person und Jahr 173 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden. Das macht insgesamt 88 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr.
  • 53 % aller weggeworfenen Lebensmittel gehen dabei auf das Konto der privaten Haushalte. In einem durchschnittlichen Haushalt wird ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weggeworfen, vieles davon ungeöffnet.
  • 30 % landen bei Landwirtschaft und Produzenten im Müll, 12 % in der Gastronomie und 5 % im Handel.
Quelle: foodwaste.ch 2018

Noch ein paar gute Nachrichten zum Schluss

Die Diskussion um Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit ist nicht neu und es gibt zum Glück schon viele Massnahmen, die uns bewusster essen lassen (sollten). Zum Beispiel gibt es in vielen Städten Unternehmen, die ihre Reste spenden oder Privatpersonen, die ihre nicht benötigten Lebensmittel in sogenannten Fairteilern zur Verfügung stellen. Ein schönes Beispiel ist die App “toogoodtogo“, die es ermöglicht, Lebensmittel vor der Tonne zu retten. Ein Interview mit Franzi von “toogoodtogo” könnt ihr euch im Podcast zu dieser Folge anhören. Auch politisch bewegt sich etwas: Zürich hat sich mit 60% der Stimmen für eine nachhaltige und faire Ernährung ausgesprochen und dies in den Grundsätzen verankert. Auch Detailhändler wie Coop wissen schon länger, dass sie eine grosse Verantwortung zu tragen haben und nehmen diese wahr. Insgesamt scheinen wir auf einem guten Weg zu sein. Trotzdem liegt es an jedem Einzelnen die weitere Verbesserung selbst in die Hand zu nehmen.

Aufsicht auf drei angerichtete Küchlein verziert mit Früchten rund um den Teller
Foto von Toa Heftiba via unsplash.com

Mein appetitliches Fazit

Es ist natürlich jedem selbst überlassen, was er oder sie isst. Mit einem guten Gewissen schmeckt es allerdings einfach besser. Ich tausche mich sehr gerne mit meinen vegetarischen und veganen Freunden aus und muss sagen, dass deren Rezeptideen sehr bereichernd sind. Gerade was die Vielfalt angeht. Ich kann jedem von euch empfehlen, sich der vegetarischen und veganen Küche zu öffnen und einfach mal zu experimentieren. Das tut nicht nur der Umwelt gut, sondern auch eurem Magen und ganzen Körper. Ich für meinen Teil werde nach meinen Recherchen zu diesem Artikel noch bewusster Fleisch und sicherlich auch weniger davon essen. Die Herausforderung wird sein, dass auch langfristig umzusetzen und zur Gewohnheit werden zu lassen. Fleisch ist für mich wieder zu einer Delikatesse geworden, die ich mir bewusst gönne. Bezogen auf andere Lebensmittel möchte ich die nachhaltigen Möglichkeiten nutzen, die mir zur Verfügung stehen. Ich möchte mir ein Gemüse-Abo der Nuglar-Gärten holen, ein paar eigene Gemüsesorten wie Tomaten und Peperoni auf meinem Balkon anpflanzen und mehr Zeit fürs Einkaufen einräumen, damit mir die Hektik keinen Strich durch die Rechnung macht.

Tomatenstrauch mit Tomaten in verschiedenen Reifestadien
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Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen: Lasst es euch schmecken, egal auf welche Art und Weise. Aber denkt dran: Man ist, was man isst. Bon Appetit!

Eure Kimi

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