Nachhaltiger Tourismus – KimiB.Good #5

Fernweh vs. Heimatliebe

Der Sommer nähert sich nun langsam dem Ende und damit auch die Urlaubs-Hochsaison. Viele Leute, mit denen ich diesen Sommer gesprochen habe, waren auf der ganzen Welt unterwegs. Ich nicht.

Habe ich etwas verpasst? Werde ich langsam alt, weil ich gerne Heimaturlaub mache? Nein. Also ja. Jeder wird alt. Und sicherlich habe ich gewisse Dinge verpasst. Im Umkehrschluss haben alle, die weiter weg geflogen oder gefahren sind auch etwas verpasst. Und auch die werden alt.

Letztes Jahr habe ich zwei Kurzurlaube in Irland und in Marokko gemacht. Ich hatte eine sehr gute Zeit und es war spannend mal etwas anderes zu sehen. Allerdings war ich auch jedes Mal froh wieder zu Hause zu sein.

Da die Schweiz meine Wahlheimat ist, weiss ich genau warum ich hier lebe. Der Hauptgrund sind die natürlichen Gegebenheiten. Viel Wald, viele Berge und Seen. Für dieses Jahr habe ich mich daher dazu entschlossen, meinen Urlaub in der Schweiz, evtl. noch in den umliegenden Ländern, zu verbringen. Das hat diverse persönliche Vorteile für mich. Es ist aber auch nachhaltiger, als in ein Flugzeug zu steigen, um Entspannung an einem anderen, weit entfernten Ort zu suchen, oder nicht?

Haus am Arnisee vor einem Berg

Ferien und Transport

Die Wahl des Verkehrsmittels ist nicht ganz einfach. Es kommt auf viele verschiedene Faktoren an wie z.B. ob wir allein oder zu viert im Auto sitzen. Versucht man aber alle möglichen Faktoren von Anfang, z.B. Stromerzeugung für den Zug, bis zum Ende, z.B. Auswirkungen der Kondensstreifen beim Flugverkehr, zu berücksichtigen, schneiden Eisenbahn und Reisebus (durch seine hohe Auslastung bzw. Anzahl Mitfahrer) am besten ab.

Rückseite eines VW Busses, in dem jemand auf einer Matratze liegt

Schweizer/-innen sind ganz weit vorn wenn es ums Fliegen geht. Ich treffe kaum einen Schweizer oder eine Schweizerin, die nicht einmal im Jahr einen längeren Flug auf sich nimmt, um die Ferien möglichst weit entfernt der Heimat zu verbringen. Dabei ist die Schweiz so ein traumhaftes Urlaubsland. Hier macht Heimaturlaub wirklich Freude und ist abwechslungsreich: Fährt man ins Tessin ist man gefühlt in Italien. An der französischen Grenze sprüht alles vor französischem Charme und die Deutschschweiz überzeugt mit unzählbaren Aktivitäten, ob im Flachland oder in den Alpen. So, nun aber genug der Werbung für die Schweiz als Urlaubsland. Wer dennoch fliegt: Je länger der Aufenthalt, desto besser und gegen die verursachten Flug-Sünden gibt es Ablass: Der CO2 Ausstoss des Flugs kann berechnet und dann durch Unterstützung durch in- oder ausländische Projekte kompensiert werden.

Froschperspektive eines fliegenden Flugzeugs im Wolkenhimmel zwischen Hochhäusern

Nachhaltiger Tourismus – mehr als Umweltschutz

Abgesehen vom eher technisch anmutenden CO2 Ausstoss – wie kann ich sicherstellen, dass ich aus meiner Reise keine kleine Umweltkatastrophe mache? Kann ich in meinem Urlaub vielleicht sogar ganz einfach soziale Projekte vor Ort unterstützen? Wo bekomme ich die Informationen darüber her? Ein paar von diesen Fragen habe ich versucht zu beantworten, denn wahrscheinlich zieht es mich irgendwann auch wieder mal ins Ausland.

Während meiner Recherchen bin ich auf den Begriff “Nachhaltiger Tourismus” gestossen. Was ist das aber genau und wie macht man das?

Nachhaltiger Tourismus bedeutet nicht, in den Wald hinter’m Haus zu gehen, dort Bäume zu umarmen und sich dadurch entspannter zu fühlen. Nein.

Touristen auf einer Brücke in einer Schlucht

Wie bei nachhaltiger Entwicklung generell, beschränkt sich nachhaltiger Tourismus nicht nur auf den ökologischen Effekt, also den Effekt des Tourismus auf die Umwelt, sondern bezieht auch wirtschaftliche und soziale Aspekte mit ein. Dieses sogenannte drei Säulen Modell erläutert Robert vom Schweizer Tourismus Verband im Podcast noch etwas genauer.

Einen wichtigen ökologischen Aspekt, den auch Rahel von Trash Heroes Schweiz und Andrea von Surf Soul Adventure in Marokko unabhängig voneinander ansprechen, ist Abfall. Beide bieten Touristen und Einheimischen an, mit ihnen den Abfall, der teilweise vor Ort produziert wird, zum Grossteil aber angeschwemmt wird, aufzusammeln. Mehr dazu erfahrt ihr auch im Podcast.

In Bezug auf wirtschaftliche Nachhaltigkeit gibt es eigentlich etwas ganz Einfaches zu berücksichtigen, wie mir Robert erklärt: Lokal kaufen. Seien es Produkte oder Dienstleistungen. Je lokaler das Angebot, desto eher unterstützt man direkt die Region und ihre Bewohner.

Eine Landkarte, die von einer Frau auf einem Holzsteg festgehalten wird

Beim sozialen Engagement wird es etwas komplizierter. Soziale Nachhaltigkeit ist für mich persönlich am schwierigsten zu fassen, denn wenn ich die Umwelt vor Ort nicht mit meinem Abfall belaste oder sie sogar von Abfall befreie und die lokale Wirtschaft unterstütze, indem ich einen Tauchlehrer aus der Region engagiere, sind das für mich Aktionen, die auch zur sozialen Nachhaltigkeit zählen.

Sozial engagiert – wirklich?

Soziales Engagement kann auch anders verstanden werden.

Ehrenamtliches Engagement als Volunteer ist als Voluntourismus bekannt und nimmt in seiner heutigen Ausprägung, im Gegensatz zum klassischen ehrenamtlichen Engagement, nicht gerade hilfreiche Züge an. Warum? Die Freiwilligeneinsätze sind per se lobenswert, jedoch geht der Trend zu immer kürzeren Aufenthalten und Voluntourismus wird nun überwiegend von Profit-Organisationen organisiert. Der Unterschied? «Etwas Gutes tun» ist im hier eine Ware, die durch die Touristen gekauft wird. Die Wertvorstellungen hinter Voluntourismus und ehrenamtlichem Engagement sind grundverschieden.

Wer das soziale Engagement und die Empfänger der Hilfe in den Vordergrund stellt, macht sicherlich keinen Fehler, sich in den Ferien sozial oder für Naturschutz zu engagieren. Wenn es einem aber wirklich ein anliegen ist, wird man sich nicht mit einem Kurzprojekt zufriedengeben, geschweige denn um die halbe Welt fliegen, um sich dann in Costa Rica für den Naturschutz einzusetzen…

Köpfchen einschalten – soziale Nachhaltigkeit und soziales Engagement haben viel mit gesundem Menschenverstand zu tun. Als Tourist kann man damit anfangen, sich nicht unbedingt wie daheim zu benehmen, sondern wie ein Gast und einen guten Eindruck von sich als Tourist und dem jeweiligen Herkunftsland zu hinterlassen.

Ich wünsche euch auf jeden Fall für die nächsten Ferien viele schöne Eindrücke, egal wo!

Eure Kimi

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Nachhaltig reisen – Artikel von nachhaltigleben.ch
Portal fairunterwegs.org mit u.a. spezifischen Infos zu verschiedenen Ländern
Die Schweiz bekommt nicht genug vom Fliegen – TagesAnzeiger
Nachhaltiger Tourismus für die Schweizer Alpenregion – ETHeritage
15 Tipps für nachhaltigen Urlaub – Utopia.de
5 Tipps für sanften Tourismus – Bellevue NZZ

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